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StartseiteInterview"Viele Autoren sind qua ihrer Person schon ein Ereignis"30.06.2019

Ingeborg-Bachmann-Preis 2019"Viele Autoren sind qua ihrer Person schon ein Ereignis"

Viele Texte beim diesjährigen Literaturwettbewerb regten heftige Diskussionen an - zumeist ein Zeichen für Qualität, sagte der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels im Dlf. Auch die Performances der Autoren trügen zum Gelingen der Leseveranstaltung bei.

Hubert Winkels im Gespräch mit Benedikt Schulz

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Hubert Winkels, Deutschlandfunk-Redakteur und Jury-Vorsitzener des Ingeborg-Bachmann-Preises 2019, am Mittwoch, 26. Juni 2019 bei der Eröffnung der 43. Tage der deutschsprachischen Literatur in Klagenfurt. (dpa / APA / Gert Eggenberger)
Die Jury führe zum Teil sehr hitzige Diksussionen über die Texte, sagte Jury-Vorsitzender Hubert Winkels im Dlf (dpa / APA / Gert Eggenberger)
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Beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2019 in Klagenfurt seien relativ viele junge Autoren dabei, berichtet der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels. Eine Mischung mit einigen bekannten Autoren hätte er begrüßt - doch das werde ausgeglichen durch die Tatsache, dass viele gute Texte vertreten seien. Auch die positive Resonanz von außen zeige, "dass es ein guter Jahrgang ist", so der Dlf-Literaturredakteur.

Heftige Diskussionen

Das Temperament der ganze Veranstaltung sei von vielen Diskussionen geprägt. "Wenn man sich über Texte heftig auseinandersetzt, spricht es meistens auch für die Qualität", so Winkels.

Manche Diskussionen spitzten sich zu Grundsatzfrage zu - wie etwa bei der Diskussion über den Text einer Jesidin über den versuchten Völkermord der IS an den Jesiden: "Da war die Grundsatzfrage, wie man dieses unendliche Greuel überhaupt darstellen kann; und wenn man einen Weg gefunden hat wie die Autorin, wie man darüber wiederum redet in der Kritik - und das ist eine besondere Herausforderung und das hat eine gute Diskussionen hervorgebracht."

Weniger politisch

Im Gegensatz zu den 70er-, 80er-Jahren gebe es heute weniger politische Texte, so der Literaturkritiker. Zwar komme es immer mal wieder vor und werde auch begrüßt, "wenn Literatur als brennende Zeitgeschichte verarbeitet" werde. Aber es gebe keinen allgemein politischen Druck. Vielmehr scheine "die Mikropolitik der Macht" das interessantere Feld für Autoren zu sein - etwa die Macht in Geschlechterbeziehungen, die Machtausübung in Familien oder Machtausübung im Kampf mit dem eigenen Gewissen. Er empfinde es der Literatur auch eher angemessen, dass die Macht mehr "in ihrer Feinstruktur aufspürt" werde als im Kanzleramt oder im Weißen Haus, so Winkels.

Performance als wichtiger Bestandteil

Da der Lesewettbewerb auch auf der Bühne mit Publikum stattfinde und in Radio und Fernsehen übertragen werde, sei natürlich auch die akustische und räumlich-visuelle Performance ausgesprochen wichtig. Die Jury versuche zwar, die Texte auch unabhängig von der Gekonntheit ihres Vortrags zu beurteilen, aber man sei ein bisschen liberaler geworden und beziehe die Eindrücke durch das Lesen mit ein - mit aller Vorsicht.

Dabei sei Professionalität der Vortragenden gar nicht entscheidend: "Viele Autoren sind einfach qua ihrer besonderen, im Wortsinne exzentrischen Person schon ein Ereignis." Man brauche keine Schauspieler - denn wenn Texte sehr existenziell seien und man erlebe den Autor beim Vorlesen, verstärke sich der unmittelbare Eindruck um ein Vielfaches besser, als wenn ein Profi lesen würde. "Und dieser Effekt ist sehr wertvoll für die Veranstaltung."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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