Donnerstag, 05.08.2021
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteKultur heuteNeiman: "Hannah Arendt dürfte heute hier nicht sprechen" 10.12.2020

Initiative "GG 5.3 Weltoffenheit"Neiman: "Hannah Arendt dürfte heute hier nicht sprechen"

Mehrere renommierte Kultureinrichtungen haben vor der Gefahr gewarnt, im Kampf gegen Antisemitismus wichtige kritische Positionen von der öffentlichen Debatte auszuschließen. Sie werde wütend, wenn bestimmte Stimmen nicht zu hören seien, sagte die Direktorin des Einstein-Forums Potsdam, Susan Neiman, im Dlf.

Susan Neiman im Gespräch mit Jörg Biesler

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Susan Neiman, amerikanische Philosophin und Direktorin des Potsdamer Einstein Forums (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
Susan Neiman, amerikanische Philosophin und Direktorin des Potsdamer Einstein Forums (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
Mehr zum Thema

Susan Neiman über Antisemitismusvorwurf "Man muss die Politik Israels kritisieren"

Ruhrtriennale und BDS Ärger wegen Einladung von Achille Mbembe

Debatte Darum geht es beim Streit um Achille Mbembe

BDS-Bewegung „Nichts Stichhaltiges gegen Walid Raad gefunden“

Djir-Sarai (FDP) „Es geht hier ganz klar darum, Antisemitismus zu verurteilen“

In einem Plädoyer hat sich die "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" heute für ein "Klima der Vielstimmigkeit, der kritischen Reflexion und der Anerkennung von Differenz" ausgesprochen. Unterzeichnet wurde das Positionspapier von Theater-Intendant*innen, Museumsdirektor*innen und Wissenschaftler*innen. Auch Susan Neiman, Direktorin des Einstein Forums in Potsdam unterschrieb das Plädoyer.

Für eine demokratische Öffentlichkeit

Große Sorge bereitet den Unterzeichnern die Anwendung der BDS-Resolution des Bundestags. Unter Berufung auf diese würden wichtige Stimmen beiseite gedrängt und kritische Positionen verzerrt dargestellt, heißt es in der Erklärung. Man sei sich der Verantwortung für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus und der Kolonialgeschichte bewusst, trotzdem sei der Umgang mit Wissenschaftlern wie zum Beispiel Achille Mbembe "für eine demokratische Öffentlichkeit abträglich". Mbembe wurde als Eröffnungsredner bei der Ruhrtriennale ausgeladen, weil er sich kritisch mit der Politik Israels auseinandersetzte.

Die Diskussion wird verkürzt 

Susan Neiman, die Philosophin und Direktorin des Einstein-Forums Potsdam, sagte, die Folgen des Bundestagsbeschlusses seien nach der Debatte um Achille Mbembe spürbar gewesen. Sie habe sich Sorgen gemacht, nachdem der Direktor des Jüdischen Museums, Peter Schäfer, habe zurücktreten müssen, nachdem eine Mitarbeiterin einen Tweet veröffentlicht hatte, der einen Bezug zum BDS gehabt habe. Eine Wiederholung müsse unbedingt verhindert werde. Als Jüdin werde sie wütend, wenn die Mehrheit der jüdischen Diskussionen weltweit hier gar nicht zu Wort kämen, sondern allein sehr konservative Stimmen. Kritik an der israelischen Regierung müsse möglich sein: "Nach der Logik des BDS-Beschlusses würde weder Albert Einstein noch Hannah Arendt in Deutschland einen Vortrag halten dürfen, weil sie beide, obwohl sie den Staat Israel unterstützt haben, extrem kritisch waren, was das Unrecht gegenüber den Palästinensern angeht." 

Stellungnahmen und Hintergründe zur Vorstellung des Plädoyers
Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen haben die "Initiative GG 5.3. Weltoffenheit gestartet". Darunter sind Barbara Stollberg-Rilinger, Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin und Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk