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StartseiteVerbrauchertippWenn der Mahnbrief unseriös ist20.11.2018

InkassoverfahrenWenn der Mahnbrief unseriös ist

Überhöhte Zahlungsforderungen, aggressiv formulierte Briefe - Inkassofirmen versuchen oft mit einem solchen eher fragwürdigen Geschäftsgebaren Schuldner zu verunsichern. Verbraucherschützer raten daher dazu, bei überhöhten Rechnungen mit extrem hohen Gebühren nur die eigentliche Forderung zu begleichen.

Von Maike Strietholt

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Verbraucherschützer warnen vor zu hohen und teilweise unberechtigten Mahnkosten (Imago/Steinach)
Verbraucherschützer warnen vor zu hohen und teilweise unberechtigten Mahnkosten (Imago/Steinach)
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Fragwürdige Schreiben von Inkassobüros gehören für den Hamburger Rechtsanwalt Bodo Breidthardt zum Alltag:

"Es kommt sehr häufig vor, dass Anschreiben vorgelegt werden von Mandanten, die lediglich aufgefordert werden - ohne irgendwelche Hinweise, worauf diese Forderungen beruhen - dass sie ausstehende Forderung zu begleichen haben auf nachstehendes Konto."

In einem solchen Fall haben Schuldner das Recht, vor einer Zahlung zunächst einmal Details einzufordern - etwa eine Kopie der Ursprungsrechnung und den Namen des Ursprungsgläubigers. Außerdem muss das Schreiben die einzelnen Posten der Gesamtforderung aufweisen. Und hier gibt es nicht selten Überraschungen - Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Es gibt da sehr kreative Gebühren. Die normale Forderung war vielleicht 1,40 Euro, dann kommt noch eine Mahngebühr drauf, dann ist man bei 4,40 Euro - und dann kriegen die Leute ein Inkassoschreiben, und da steht plötzlich drin: 'Wir wollen 100 Euro von Ihnen haben.' Und dann wird's kompliziert - denn im Gesetz steht: Die dürfen das nehmen, was ein Anwalt in vergleichbarer Situation nehmen dürfte."

Besser beraten lassen

Diese sogenannte 'Mittelgebühr' kann allerdings selbst bei einer nicht bezahlten Minirechnung von ein oder zwei Euro einen Aufschlag von über 80 Euro bedeuten. Wer sich unsicher ist, ob ein solcher, von Verbraucherschützern als 'unverhältnismäßig' bezeichneter Fall vorliegt, sollte sich zunächst beraten lassen - bei einer Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatung geht das oft kostenlos.

Keinesfalls sollte man aber vorschnell zahlen – auch nicht Teilbeträge. Denn auch das kann als Anerkenntnis der Gesamtforderung betrachtet werden.

Und grundsätzlich sollte nichts unterschrieben werden - noch einmal Verbraucherschützerin Föller:

"Was viele Inkasso-Institute gern machen, ist, dass sie ein Schreiben mitschicken: 'Um zu vermeiden, dass wir vor Gericht ziehen, unterschreiben Sie uns bitte anliegende Schuldanerkenntnis.' Und in diesem Schuldanerkenntnis sagt man erstens, dass die Forderung insgesamt ok ist, verzichtet auf spätere Einreden der Verjährung und in sehr, sehr vielen Fällen ist dann gleich noch eine Lohnabtretung drin - das heißt, die müssen noch nicht einmal übers Gericht gehen, um an den Arbeitgeber schreiben zu können. Da können wir nur sagen: Das geht gar nicht, sowas würde ich nie unterschreiben."

Liegt eine überhöhte Rechnung vor, raten Verbraucherschützer und Anwälte dazu, nur die eigentliche Forderung zu begleichen - in Kombination mit einer entsprechenden Erläuterung per Brief.

Böse Briefe nach Bezahlung ignorieren

Bodo Breidthardt: "Wenn man dem Mandanten sagt: Die Hauptforderung, die begleichen wir - die Gebühr lasse außen vor - dann kann man meistens davon ausgehen, dass die gar nicht mehr geltend gemacht werden."

Mit ein paar weiteren 'bösen Briefen' müsse man allerdings dann noch rechnen, ergänzt Kerstin Föller - da die aber meist automatisiert verschickt werden, könne man sie getrost ignorieren.

Die Verbraucherschützerin empfiehlt grundsätzlich, mit Inkassobüros offen zu kommunizieren und über die berechtigte Forderung gegebenenfalls zu verhandeln - auch, wenn man zeitweise nicht zahlungsfähig ist:

Föller: "'Kopf in den Sand' nützt niemandem was - weil dann weiß auch die Gegenseite nicht: Woran liegt es jetzt, das nicht gezahlt wird - hat er kein Geld oder will er einfach nur nicht? Wenn man dann sagt: Im Moment habe ich kein Geld, weil ich habe Hartz IV - hier anliegend gleich mein Bescheid - und stundet mir das bitte mal für ein halbes Jahr... Bei den seriösen Inkassos klappt das sehr häufig."

Von Ratenzahlung rät Kerstin Föller hingegen ab. Denn viele Inkassobüros berechnen dafür wiederum eine Ratenzahlungsgebühr - und die könne durchaus 60 Euro betragen.

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