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StartseiteDeutschland heuteHamburger Band "Station 17" feiert 30-jähriges Bestehen05.02.2019

InklusionHamburger Band "Station 17" feiert 30-jähriges Bestehen

Die Hamburger Band „Station 17“ startete vor 30 Jahren als Musikprojekt für Menschen mit und ohne Behinderung. Heute sind die Musiker überregional bekannt und arbeiten professionell mit namhaften Produzenten und Gastmusikern.

Von Axel Schröder

Band aus 9 Musikern posiert am Hamburger Hafen (Presse Downloads: http://17rec.de/downloads.htm)
Die Hamburger Band "Station 17" (Presse Downloads: http://17rec.de/downloads.htm)
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Vorn auf der Bühne im weitläufigen, fensterlosen Raum stöpseln Techniker Kabel zusammen, stellen Mikrofonständer auf, bereiten den Soundcheck vor. Schon in drei Stunden soll hier, im alten Flakbunker, im "Übel und Gefährlich" an der Hamburger Feldstraße die große Gala gefeiert werden. 30 Jahre "Station 17". Und bei den Band-Mitgliedern steigt die Anspannung:

"Ja, doch – ich habe schon sehr Lampenfieber. Aber ich werde Druck geben! Ich denke gar nicht darüber nach, ob ich es falsch oder richtig mache. Ich mache es einfach! Ich schaffe das schon."

Siyavash ist Sänger und Percussionist bei "Station 17". Neben ihm auf dem Sofa nickt sein Bandkollege Sebi. Von den heute neun Bandmitgliedern ist Sebi am längsten Teil von "Station 17", erinnert sich:

Ehemaliges Wohngruppenprojekt

"Eigentlich habe ich durch viele Workshops und auch durch eine Arbeitsbegleitung von der alten Wohngruppe bin ich auf das Projekt aufmerksam geworden. Und dann habe ich gesagt: ‚Ich gucke mir das mal an!‘, habe ein paar Praktika gemacht, vorgesungen, vorgespielt. Und irgendwann hieß es: ‚Wir melden uns!‘ Und zwei Monate später, das war im August 2000 haben sie gesagt: ‚Du bist dabei!‘ Und ich fand’s auch super und dann haben wir gesagt: ‚Alles klar!‘"

Von klein auf hatte Sebi Orgelunterricht. Und Synthesizer spielen funktioniert mit dieser Grundlage auch als blinder Mensch bestens. - Die Idee zur Band, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammen spielen, hatte Kay Boysen. Der Punkmusiker arbeitete Ende der 1980er Jahre als Heilerzieher, unter anderem mit den Bewohnern der "Station 17", einer Wohngruppe auf dem Gelände der Stiftung Alsterdorf im Norden Hamburgs. - Was als Experiment begann, hat sich heute zur professionellen Band "Station 17" weiterentwickelt. Mit mittlerweile elf produzierten Alben. Dass es funktioniert, Barrieren und Behinderungen durch Musik zu überwinden, weiß auch Alex, der Schlagzeuger der Band:

Barrierefreie Musik

"Wir haben eine gemeinsame Sprache entwickelt und das ist was, was über die Musiksehr gut seinen Ausgangspunkt nehmen kann. Weil Musik ohnehin schon sehr nonverbal kommuniziert und etwas beinhaltet, was unabhängig von der kognitiven Leistung her verstanden werden kann."

Auf der Bühne winkt ein Bandkollege, die drei müssen los zum Soundcheck. Oben im Konzertraum im alten Bunker ist mittlerweile auch Andreas Dorau angekommen. Im Musikgeschäft seit den frühen Achtzigerjahren, unterstützt er "Station 17" immer wieder. Die Hände in den Taschen seiner dicken Winterjacke erklärt Dorau, was ihn damals an der Zusammenarbeit mit "Station 17", zum Beispiel an den Remixen auf dem 1999 entstandenen Album "Bravo" so gereizt hat.

"Was ich an dem ganzen Album toll fand, war – für Remixe – dass die Vocals und die Texte total atmosphärisch waren, man relativ wenig machen musste, weil die schon allein so toll und frei waren, dass das sehr assoziativ war. Und das ist glaube ich auch das, was ich an der Band grundsätzlich schätze."

30 Jahre Spaß an der Musik

Drei Stunden später ist das "Übel und Gefährlich" brechend voll. Die Show beginnt. Vorn hält Siyavash, was er vor dem Konzert versprochen hat: er macht Druck, vergisst sein Lampenfieber. Neben den neun Musikern liefert eine Gebärdensprachlerin eine ganz eigene Performance, übersetzt nicht nur Texte, sondern, mit ihrem ganzen Körper, auch die Musik. Es gibt Gastauftritte von Andreas Dorau, Andreas Spechtel, von Fettes Brot, Stritzi Streuner von Frittenbude und Michael Rother, einem der Kraftwerk-Gründer. Zwei Stunden lang ist der Raum von den dichten "Station 17"-Klängen erfüllt, abwechslungsreich, energiegeladen, ein dicker Klangteppich. Nach dem Konzert wird hinten im Backstage-Raum gefeiert.

"Richtig geil! Das hat richtig Spaß gemacht! Ich war sehr glücklich, vor so vielen Zuschauern zu spielen. Das war unfassbar geil! Ein unbeschreiblicher Abend. Richtig toll!"

"Das war was Besonderes. Bin wunschlos glücklich. Bestes Station-17-Konzert seit ich dabei bin. Und das ist seit zehn Jahren."

Begeistert ist auch Boris Lauterbach von Fettes Brot. Und bringt auf den Punkt, was für ihn "Station 17" so Besonders macht:

"Die haben Spaß an der Musik. Und das ist das, was sie mit uns gemein haben. - Punkt!"

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