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StartseiteKalenderblattInspirationsquelle französicher Komponisten25.09.2008

Inspirationsquelle französicher Komponisten

Vor 325 wurde der Komponist Jean-Philippe Rameau getauft

Er war das französische Pendant zu Johann Sebastian Bach und Friedrich Händel - ein Zeitgenosse. Mit seinen knapp 30 Bühnenwerken wurde er um 1750 zum ungekrönten Musikkönig in Paris: der Organist, Komponist und Musiktheoretiker Jean-Philippe Rameau. Vor 325 Jahren wurde Jean-Philippe Rameau ins Taufregister eingetragen.

Von Renate Hellwig-Unruh

Jean-Philippe Rameau war auch ein hervorragender Cembalist. (AP Archiv)
Jean-Philippe Rameau war auch ein hervorragender Cembalist. (AP Archiv)

Jean-Philippe Rameau überraschte 1736 das Pariser Publikum mit der Exotik seines Opern-Balletts "Les Indes galantes - Das galante Indien", einer typisch französischen Kunstform, die ihm zu einem seiner größten Erfolge verhalf. Ein Prolog und vier Akte werden durch das übergreifende Thema Liebe lose miteinander verbunden.

Den traditionsbewussten Zeitgenossen, den Anhängern der Oper von Jean-Baptiste Lully, war "Les Indes galantes" zu schwierig, zu kühn in der Musiksprache. Doch Voltaire sah bereits voraus:

"Rameaus viele kleine Noten mögen die Lullysten wohl aufregen, aber auf die Dauer wird der Geschmack von Rameau zum führenden Geschmack der Nation werden. Drei bis vier Generationen ändern die Ohren einer Nation."

Jean-Philippe Rameau hat Musik, Gesang, Schauspiel und Ballett zu einem künstlerischen Amalgam verschmolzen und die französische Barockoper um 1750 zu einer Blütezeit geführt. Dennoch geriet er mit seinen Werken immer wieder zwischen die Fronten: Den Anhängern der französischen Oper war er zu "italienisch", zu modern - den Vertretern der italienischen Oper, allen voran den Enzyklopädisten Rousseau und Diderot, wiederum war er noch zu "französisch", zu höfisch und reaktionär. Dabei hatte Rameau die steifleinerne Tragédie lyrique bereits mit italienischen Koloraturen und klangsinnlichen Effekten aufgelockert.

1743 hatte Rameau sogar Abbé Arnaud, einem engen Freund des Hauses, anvertraut:

"Wenn ich dreißig Jahre jünger wäre, würde ich nach Italien gehen. Pergolesi wäre mein Vorbild, ich würde meine Harmonie jener Wahrheit der Deklamation, die das einzige Richtmaß des Musikers sein sollte, unterordnen. Aber mit sechzig Jahren fühlt man, dass man bleiben muss, was man ist. Die Erfahrung sagt deutlich genug, was man machen müsste, aber das Talent weigert sich, zu gehorchen."

Als 8. Kind eines Organisten, wurde Jean-Philippe Rameau am 25. September 1683 in Dijon ins Taufregister eingetragen. Mit 19 Jahren trat er in die Fußstapfen seines Vaters. Obwohl er über viele Jahre als Organist tätig war, sind von ihm keine Orgel-Kompositionen überliefert. Dafür aber drei Sammlungen mit Cembalo-Stücken - denn Rameau war auch ein hervorragender Cembalist.

"Die Melodie wird aus der Harmonie geboren und hat in der Musik eine untergeordnete Rolle: Sie dient der allzuleichten, nichtssagenden Zerstreuung. Die Melodie gelangt nur bis in die Gehörgänge, die schöne Reihe der Harmonie spricht demgegenüber unmittelbar zur Seele."

Wobei die Melodie mit der italienischen Oper assoziiert wurde, die Harmonie mit der französischen. Rameau war bereits fünfzig Jahre alt, als er mit seiner 1. Oper "Hippolyte et Aricie" an die Öffentlichkeit trat. Danach folgte Werk auf Werk. Als er 62-jährig zum Hofkomponisten Ludwig XV. ernannt wurde, hatte er es endlich geschafft. Bis zu seinem Tod am 12. September 1764 schuf er knapp 30 Bühnenwerke, die seinen Ruhm bis heute begründen. Für viele nachfolgende Generationen französischer Komponisten war seine Musik Vorbild und Inspirationsquelle zugleich.

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