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StartseiteDie neue PlatteIntensität in Melodik und Ausdruck02.04.2010

Intensität in Melodik und Ausdruck

Ersteinspielung von Francesco Feos Johannespassion

Im Mittelpunkt steht heute die Johannespassion, Passio secundum Joannem, des neapolitanischen Komponisten Francesco Feo aus dem Jahre 1744. Der Cembalist, Organist, Pädagoge und Musikforscher Lorenzo Ghielmi hat dieses Werk in der Biblioteca dei Filippini in Neapel wieder entdeckt und erstmals mit seinem Ensemble la Divina Armonia beim belgischen Label Passacaille eingespielt.

Am Mikrofon: Christiane Lehnigk

Dies ist keine Produktion, bei der die Künstler sich ad hoc zusammengefunden haben, hier wurde wochenlang geprobt. (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
Dies ist keine Produktion, bei der die Künstler sich ad hoc zusammengefunden haben, hier wurde wochenlang geprobt. (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
<p>Die Johannespassion ist neben der von Alessandro Scarlatti die einzige ihrer Art. Sie war wohl dazu gedacht, Scarlattis Werk abzulösen, das 60 Jahre zuvor entstand und inzwischen schon als etwas altmodisch galt. <br /><br />Francesco Feo gehörte zusammen mit Giovanni Battista Pergolesi, Francesco Durante und Leonardo Leo zu den bedeutendsten Vertretern der sogenannten Neapolitanischen Schule im 18. Jahrhundert. Wenn sich auch die Aufmerksamkeit hier vor allem auf die Oper richtete, - auch Feo war mit einigen sehr erfolgreich-, so gibt es doch auch gerade auf dem Gebiet der Kirchenmusik noch unzählige Schätze zu heben. <br /><br />Stilistische Bezüge gibt es in Feos Johannespassion vor allem zu Pergolesi und seinem Stabat Mater, doch entwickelte er eine ganz neugestaltete emotionale Intensität in Melodik und Ausdruck, wobei die Erzählung, das Wort, im Mittelpunkt steht. <br /><br />Wenn man mit der deutschen Johannespassion zum Beispiel von Johann Sebastian Bach vertraut ist, dann fallen direkt die Unterschiede auf: so ist zum Beispiel der Erzähler bei Feo, wie auch bei Scarlatti, ein Countertenor, in dieser Aufnahme gesungen von einer jungen Sängerin, der aus Israel stammenden Doron Schleifer, dann fehlen die großen Arien und Chöre und auch die Choräle.<br /><br /><li> Francesco Feo<br />aus: Passio secundum Joannem<br />Die Verhaftung Jesu<br />la Divina Armonia<br />Lorenzo Ghielmi<br /><br />So beginnt die Johannespassion von Francesco Feo, die während seiner letzten Schaffensperiode entstand, als er ausschließlich Kirchenmusik komponierte. <br /><br /><li> Francesco Feo<br />aus: Passio secundum Joannem<br />Die Verhaftung Jesu<br />la Divina Armonia<br />Lorenzo Ghielmi<br /> <br />Auch in der Besetzung hat sich Feo an dem Stil seines Freundes Giovanni Battista Pergolesi orientiert, die Begleitung ist die eines Streichquartetts, das Continuo ist nicht regelrecht ausgesetzt, da hat sich Lorenzo Ghielmi um möglichst große Farbigkeit bemüht, und neben Orgel, Cembalo, Violoncello und Violone noch eine Harfe hinzugenommen, die damals in Neapel ein populäres Continuo-Instrument war.<br /><br /> Wie auch Bach verwendet Feo viele Tonarten, wobei f-Moll die äußere Klammer bildet. Damit das ganze Stück jedoch nicht zu spartanisch wirkt, hat Ghielmi noch drei kurze Arien aus den Lamentationen von Feo hinzugefügt sowie eine Arie des Zeitgenossen Francesco Gasparini.<br /><br />Neben der fulminanten Doron Schleifer als Evangelist singen noch die Tenöre Krystian Adam als Jesus und Mirko Guadagnini sowie Barbara Schmidt-Gaden, Mezzosopran. Die Turbae werden vom Coro da Camera di Varese gesungen.<br /><br />Und so klingt bei Feo die dramatische Szene beim Verhör von Jesus vor Pilatus.<br /><br /><li>Francesco Feo<br />aus: Passio secundum Joannem<br />Das Verhör vor Pilatus<br />la Divina Armonia<br />Lorenzo Ghielmi<br /><br />Die Einspielung der Johannespassion von Francesco Feo ist überaus liebevoll, mit großem Stilgefühl und mit viel Engagement gemacht worden. Dies ist keine Produktion, bei der die Künstler sich ad hoc zusammengefunden haben, hier wurde wochenlang geprobt, probiert und improvisiert, bis es zu einem Ganzen wurde. Das aufwendig gestaltete 4-sprachige Booklet enthält den kompletten Bibeltext und ist mit kunstvollen Fotoausschnitten der ausdrucksvollen barocken Passionsdarstellungen aus den Kapellen der Wallfahrtskirche Sacro Monte di Varese bebildert. Man kann nur hoffen, dass die Biblioteca Filippina in Neapel eines Tages wieder interessierte Musikforscher als Besucher zulässt, damit noch weitere Schätze neapolitanischer Kirchenmusik gehoben werden können.<br /><br /><li>Francesco Feo<br />aus: Passio secundum Joannem<br />Jesu Verurteilung zum Kreuzestod/<br />Die Kreuzigung (Ausschnitt)<br />la Divina Armonia<br />Lorenzo Ghielmi<br /><br /><br />Das war ein Ausschnitt aus der Kreuzigungsszene aus der Johannespassion von Francesco Feo. <br /><br />Lorenzo Ghielmi sieht diese Johannespassion auch als eine Art italienisches Gegenstück zur deutschen Bach-Passion, die allerdings die Zuhörer mit einem tröstenden Choral entlässt, während bei Feo die Erschütterung über Jesu Tod nicht aufgelöst wird.<br /><br /><li>Francesco Feo<br />aus: Passio secundum Joannem<br />Jesu Tod<br />la Divina Armonia<br />Lorenzo Ghielmi<br /><br />Die Neue Platte im Deutschlandfunk, wir stellten Ihnen heute die Ersteinspielung der Johannespassion, Passio secundum Joannem, von Francesco Feo , eine beim Label Passacaille im Vertrieb von Note1 erschienene CD mit Lorenzo Ghielmi und la Divina Armonia sowie dem Coro da camera di Varese. Die Solisten dieser Aufnahme sind Doron Schleifer als Evangelist, Krystian Adam als Jesus und Mirko Guadagnini als Pilatus, die Ariosi für Sopran werden gesungen von Barbara Schmidt-Gaden.<br /><br /><br /><strong>Francesco Feo (1691-1761)<br />Passio secundum Joannem<br /><br />Doron Schleifer, Krystian Adam, Mirko Guadagnini,<br />Barbara Schmidt-Gaden<br />Coro da camera di Varese<br />la Divina Armonia<br />Lorenzo Ghielmi<br /><br />Passacaille LC-10925964 </strong></p>

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