Sonntag, 14. August 2022

Eskalation in Nahost
Internationale Appelle und Vermittlungsbemühungen

Im Nahen Osten ist die Gewalt erneut eskaliert. Die Europäische Union rief die palästinensische und die israelische Seite zur Mäßigung auf. Derweil will Ägypten eine Waffenruhe vermitteln.

06.08.2022

    Aus einem Gebäude steigt Rauch auf, im Vordergrund sind Menschen und ein Krankenwagenzu sehen
    Szene aus dem Gazastreifen nach einem israelischen Luftangriff am 06.08.2022. (AP Photo/Fatima Shbair)
    Ein Sprecher des EU-Außenbeauftragen Borell sagte in Brüssel, es gelte, weitere Opfer zu vermeiden. Auch Russland rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Das Außenministerium in Moskau teilte mit, man beobachte die Entwicklung mit "tiefer Besorgnis". Ägypten bot in dem Konflikt zwischen militanten Palästinensern und der isrealischen Armee Vermittlungen an. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist eine Delegation aus Kairo bereit, zu Gesprächen in den Gaza-Streifen und nach Israel zu reisen. Anderen Berichten zufolge sollen sich auch die Vereinten Nationen und Katar um Vermittlung bemühen.

    Eskalation befürchtet

    Auslöser der neuerlichen Eskalation war die gezielte Tötung eines Anführers der extremistischen Organisation "Islamischer Dschihad" durch die israelische Armee. Das israelische Militär hatte den großangelegten Einsatz gegen den "Islamischen Dschihad" gestern begonnen. Zur Begründung hieß es, es gebe konkrete Pläne eines Angriffs auf israelische Zivilisten. Auch Ministerpräsident Lapid sprach von "konkreten Bedrohungen". Bei den israelischen Luftschlägen im Gazastreifen wurde der Militärchef des "Islamischen Dschihad", al-Dschabari, getötet. Er soll laut der israelischen Armee auch für Raketenangriffe auf Israel verantwortlich sein.
    Das israelische Militär erklärte direkt nach den Angriffen, es seien Schätzungen zufolge insgesamt 15 Extremisten getötet worden. Von palästinensischer Seite hieß es, es habe 14 Todesopfer gegeben, darunter auch ein fünfjähriges Mädchen. Mehr als 110 Personen seien verletzt worden.

    Rund 190 Raketen in Richtung Israel abgefeuert

    Militante Palästinenser feuerten als Reaktion auf den israelischen Angriff in Gaza seit gestern nach Angaben der israelischen Armee rund 190 Raketen in Richtung Israel ab. Die Geschosse gingen demnach auf offenem Gelände nieder oder wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. Berichte über Opfer auf israelischer Seite liegen nicht vor.

    Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen

    Die israelische Luftwaffe flog auch heute wieder Angriffe auf Ziele im Gazastreifen. In Gaza-Stadt sei das Haus eines Mitglieds des "Islamischen Dschihad" angegriffen worden, berichten Korrespondenten. Das Gebäude sei zerstört worden. Auch Häuser in der Umgebung seien schwer beschädigt worden.
    Im besetzten Westjordanland wurden nach Angaben des israelischen Militärs 19 Kämpfer des Islamischen Dschihads bei nächtlichen Razzien festgenommen.

    Luftangriffe könnten eine Woche dauern

    Ein Sprecher der israelischen Armee kündigte an, dass der Einsatz der Kampfflugzeuge voraussichtlich eine Woche dauern werde. Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch militante Palästinenser wurde den Menschen im israelischen Grenzgebiet empfohlen, sich in der Nähe von Luftschutzräumen aufzuhalten.
    Die aktuelle Zuspitzung ist die schwerste Gewalteskalation zwischen Israel und den Palästinensern seit mehr als einem Jahr.
    Diese Nachricht wurde am 06.08.2022 im Programm Deutschlandfunk gesendet.