Die Nachrichten

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22. Januar 2020Die internationale Presseschau

Die Themen heute: das Weltwirtschaftsforum in Davos, das Amtsenthebungsverfahren in den USA und das neue Corona-Virus in Asien.

Das Foto zeigt das Plenum des WEF mit der Rede von US-Präsident Trump. (AFP/Fabrice COFFRINI)
Das Foto zeigt das Plenum des WEF mit der Rede von US-Präsident Trump. (AFP/Fabrice COFFRINI)

Zunächst nach Davos und zum Auftritt von US-Präsident Trump, den der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz kommentiert. "Klima, Flüchtlinge oder die Krise im Nahen Osten, all das kam im rosigen Bild, das Trump von seinem Heimatland malte, überhaupt nicht vor, das Impeachment gegen ihn schon gar nicht. Natürlich richtete er seine Rede vor allem an das heimische Publikum, das ihn wiederwählen soll – und dies wohl auch tut. Doch die Botschaft kam sehr wohl auch bei seinen Zuhörern in Davos an – wenigstens bei der Mehrheit von ihnen, den Managern und Vertretern der Wirtschaft. Sie sagten es zwar nicht laut, aber von jenen Firmenchefs, die sich in Davos versammeln, haben etliche genug von der ewigen Klimadiskussion, die für viele nur die Laune verdirbt und das Geschäft stört. Greta Thunberg, die seit eineinhalb Jahren die Jugend beschäftigt, haben sie sowieso nie ernst genommen", glaubt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.

DÜNYA aus Istanbul sieht das anders. "Greta Thunberg, die unscheinbare junge Frau, ergreift einen, ohne dass man es merkt. Die Rede Trumps dagegen war wie ein Schock. Da redete ein ahnungsloser Mann, ein Aufschneider, der Greta Thunbergs Großvater sein könnte. Er hielt eine zusammenhanglose Rede, um alle davon zu überzeugen, dass er der größte US-Präsident aller Zeiten sei."

"Trump und Thunberg vertreten radikal unterschiedliche Positionen, haben aber trotzdem etwas gemeinsam", glaubt DELO aus Slowenien. "So sehr sie sich auch bemühen, sie werden sich niemals voll und ganz in das exklusive, globalistische Umfeld des Weltwirtschaftsforums einfügen. Dennoch kamen beide mit einem klaren Ziel in die Schweizer Alpen: Ihre Ideen denjenigen zu präsentieren, die Einfluss haben."

Die Zeitung DIE PRESSE aus Österreich geht mit Blick auf Davos auf den Klimawandel ein. "Immer mehr große Finanzinstitute lassen die Absicht erkennen, Nachhaltigkeit zum großen Thema bei Finanzierungsentscheidungen zu machen. Zuletzt hat das etwa Larry Fink, der Chef von BlackRock, getan. Das zählt: BlackRock verwaltet 7.000 Milliarden Dollar, das 16-Fache der österreichischen Wirtschaftsleistung. Ob einem das gefällt oder nicht: Wenn Frau Merkel oder Herr Macron Entscheidungen zur CO2-Reduktion treffen, dann ist das außerhalb Europas kaum relevant. Wenn BlackRock und Co. Finanzströme umleiten, dann ist das überall spielentscheidend", gibt DIE PRESSE aus Wien zu bedenken.

EL PERIODICO DE CATALUNYA aus Barcelona weist darauf hin, dass die spanische Regierung den Klimanotstand ausgerufen hat. "Dabei geht es auch um die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, etwa durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Manches mögen radikale Maßnahmen sein, aber die Forderungen werden auch von Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums erhoben. Für mehr Nachhaltigkeit und weniger soziale Ungleichheit wird mehr Multilateralismus benötigt."

Die polnische RZECZPOSPOLITA schlägt den Bogen vom Weltwirtschaftsforum zum Impeachment-Verfahren in den USA. In Davos habe Präsident Trump vor den versammelten Chefs der Weltkonzerne nur darüber gesprochen, "wie es ihm gelungen sei, die vermeintliche Stagnation der Vereinigten Staaten, die er von Barack Obama geerbt habe, zu durchbrechen. Über das Amtsenthebungsverfahren verlor er kein Wort. Das ist eine durchdachte Strategie. Denn die jüngsten Umfragewerte für Trump sind nicht besonders rosig."

Die GAZETA aus Moskau gibt sich zwiespältig. "Am Ende seiner ersten Amtszeit kann Trump mit seinen hurrapatriotischen und selbstzufriedenen Reden kaum jemanden mehr beeindrucken. Dennoch hat er es dieses Mal geschafft zu zeigen, dass er im Kampf um den Präsidentensessel gute Trümpfe besitzt."

THE WASHINGTON POST sieht den Ausgang des Amtsenthebungsverfahrens mit großer Sorge. "Wenn nicht mehrere Senatoren ihre Meinung ändern, könnte schon nächste Woche über Trumps Freispruch abgestimmt werden - ohne jede Zeugenanhörung oder nochmalige Einsicht in Schlüsseldokumente. Das wäre beispiellos. Und es wäre ein ernsthafter Schaden für den einzigen Mechanismus in der Verfassung, einen Schurkenpräsidenten zu kontrollieren."

Die CHICAGO TRIBUNE ist dennoch sicher: "Für Trump ist das ein Augenblick der Demütigung, auch wenn er zu egoman ist, das einzuräumen."

LA CRONICA DE HOY aus Mexiko-Stadt klingt ganz ähnlich. "Es ist bemerkenswert, dass es so weit gekommen ist - und es wird für immer die Erinnerung an Trumps Präsidentschaft prägen. Es gibt eben nicht nur den strafrechtlichen, sondern auch den politischen Aspekt, wenn der Fall nun im Senat behandelt wird."

Nun nach China und zum neuen Coronavirus. "Das Expertenteam der Regierung hat die Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch bestätigt", stellt CHINA DAILY aus Peking fest. "Zudem rollt die Reisewelle des chinesischen Neujahrsfestes an, für das Millionen Menschen das Land durchqueren oder nach Übersee fliegen. Insofern wird gemeinhin erwartet, dass in den nächsten Tagen neue Fälle, auch Todesfälle, gemeldet werden. Das Virus hat drei weitere asiatische Länder erreicht. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Wissenschaftler in aller Welt gemeinsam gegen die Bedrohung vorgehen."

MINGPAO aus Hongkong traut den chinesischen Behörden nicht so recht. "Helfen moderne Technologien wirklich bei der Eindämmung dieser Art des Virus in einer Jahreszeit, in der ohnehin verschiedene Atemwegserkrankungen verbreitet sind? Wie kann man sonst erklären, dass die Stadt Wuhan trotz moderner Medizin die Ausbreitung nicht in den Griff bekommt? Es fehlt offenbar an Seuchenschutzbewusstsein und –maßnahmen."

"Die größten Gefahren sind blinder Optimismus und die Überheblichkeit", findet XINJING BAO aus Peking. "Die Intransparenz der Behörden verursacht Verunsicherung. Wir fordern deshalb, dass die Regierung die Gesundheit der Bürger ernst nimmt und alles unternimmt, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Auch die Medien dürfen keine Panik verbreiten und sollen einen Beitrag zur Aufklärung leisten." Das war die chinesische Zeitung XINJING BAO.

Aus Sicht der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG dürfte eine Übertragung nur "bei engem Kontakt zu einer erkrankten Person möglich sein. Diese eingeschränkte Übertragbarkeit verhindert, dass sich ein Erreger rasend schnell ausbreiten kann. Und sie gibt Ärzten und Behörden die Möglichkeit, den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen."

"Das Risiko einer Pandemie erfordert entschlossenes Handeln der Weltgesundheitsorganisation WHO", steht für EL MUNDO aus Madrid fest. "Die internationale Gemeinschaft darf an nichts sparen, um die Ausbreitung dieser Gefahr zu stoppen."

"China hat immer noch die strenge Kontrolle über Nachrichten und soziale Medien und unterdrückt Informationen, die als schädlich erachtet werden", schreibt der britische GUARDIAN. "Forscher vom Imperial College London schätzen, dass 1.700 Menschen betroffen sein könnten - und damit eine viel höhere Zahl als bislang berichtet. Dennoch hat Peking schneller und entschlossener reagiert als beim SARS-Ausbruch 2003 - und besser informiert. Zudem erging an alle Beamten die Warnung, dass auf immerdar Schande über sie komme, sollten sie Fälle verbergen oder verspätet melden".

Das Virus wird mit einem Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht. THE AUSTRALIAN aus Sydney sieht ein ganz konkretes Problem. "In Wuhan finden Fußball-Qualifikationsspiele für Olympia 2020 statt. Australiens Frauen-Nationalelf spielt dort im Februar. Die chinesischen Behörden sagen bislang, dass sie die Qualifikation nicht verlegen wollen. Eine Entscheidung, die überdacht werden sollte", findet THE AUSTRALIAN.