Die Nachrichten

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3. April 2020Die internationale Presseschau

Die Kommentatoren gehen auf die Absage des UNO-Klimagipfels wegen der Corona-Pandemie ein. Im Blickpunkt steht unter anderem auch der Umgang der EU und Russlands mit der Krise.

Weltweit wird an neuen Verfahren geforscht, um das Coronavirus festzustellen. (EyeEm / Dominik Moser)
Weltweit wird an neuen Verfahren geforscht, um das Coronavirus festzustellen. (EyeEm / Dominik Moser)

Zur Verschiebung des UNO-Klimagipfels um ein Jahr schreibt die spanische Zeitung EL PAIS: "Die globale Gesundheitskrise hat die Verlegung eines Treffens erzwungen, das von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Erde ist. Denn in Glasgow hätten sich die Staatsführer über die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels einigen sollen. Beim vorangegangenen Gipfel in Madrid wurden hierbei kaum Fortschritte erzielt. Der COP26 fällt nun auch noch in eine Zeit, in der die Welt drastische Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise ergreifen muss. Die Wirtschaft ist wie gelähmt, aber auch die Emissionen gehen dadurch zurück. Wenn die Konjunktur dann wieder anspringt und die Normalität in den Alltag zurückkehrt, wird es darum gehen müssen, strukturelle Entscheidungen zu treffen, damit die Emissionen sinken, ohne dass die Wirtschaft abgewürgt wird", erläutert EL PAIS aus Madrid.

Die Corona-Krise sollte auch dazu genutzt werden, dem Kampf gegen die Erderwärmung einen neuen Schub zu geben, heißt es in der Zeitung POLITIKEN aus Kopenhagen: "Jobs, die durch Corona in der alten Industrie verloren gehen, müssen in zukunftsträchtigen Branchen neu entstehen. Wer vor dem Konkurs geschützt wird, muss im Gegenzug Pläne für eine grüne Umstellung vorlegen. Schon nach der Finanzkrise 2008 haben wir eine solche Chance verpasst. Damals flossen Milliardensummen in die Weltwirtschaft, landeten aber nur zu oft bei traditionellen, klimaschädlichen Industrien. Diese Gefahr droht jetzt erneut, wenn zum Beispiel US-Präsident Trump Milliarden für notleidende Fluggesellschaften bereitstellt und der Ölindustrie günstige Kredite bietet. Europa muss das besser machen und nicht nur die Gefahren, sondern auch die Chancen der Corona-Krise erkennen", empfiehlt POLITIKEN aus Dänemark.

Die Wiener Zeitung DIE PRESSE sorgt sich um die Eurozone: "Wenn die Folgen von Corona mit den Folgen des großen Finanzkrachs von 2008/09 vergleichbar sind, dann werden Frankreich und Spanien am Ende der Krise so stark verschuldet sein wie Italien heute - nämlich mit rund 140 Prozent der Wirtschaftsleistung. Und Italien wird dort stehen, wo sich Griechenland heute befindet - mit 180 Prozent des BIPs in den Miesen. Wie die Eurozone unter diesen Bedingungen ihre Geschäfte weiterführen soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen schleierhaft", kommentiert die österreichische Zeitung DIE PRESSE.

Zum Umgang Russlands mit der Corona-Pandemie hält WEDOMOSTI aus Moskau fest: "Der Kreml, so scheint es, hatte lange geglaubt, die Pandemie werde Russland nicht so hart treffen, und signalisierte den Bürgern, alles sei unter Kontrolle. Das ist auch der Grund, weshalb einige Moskauer die arbeitsfreie Woche als bezahlte Ferien interpretierten und in den Urlaub fuhren. Jetzt reißt man das Ruder herum und ergreift harte Maßnahmen. Der russische Staat glaubt offenbar nicht, dass die Menschen sich aus eigenem Antrieb für eine begrenzte Zeit verantwortungsbewusst an gewisse Regeln halten können. Daran ist der Staat selbst schuld. Denn hätte er den Bürgern von Anfang an die Wahrheit gesagt, wäre das Verhalten der Menschen anders gewesen", glaubt die russische Zeitung WEDOMOSTI.

THE NEW TIMES aus Ruanda blickt auf die Lage in dem afrikanischen Land: "Bisher haben sich 84 Personen mit dem Virus infiziert. Ruanda sollte sich glücklich schätzen und dafür danken, dass es sich trotz begrenzter Ressourcen früh auf die Bekämpfung der Pandemie vorbereitet hat. Da alle Schulen auf unbestimmte Zeit geschlossen sind, hat das Bildungsministerium in Partnerschaft mit der UNESCO Unterrichtsstunden entwickelt, die im Fernsehen ausgestrahlt werden. Das E-Learning-Projekt war bereits in Arbeit. Allerdings verlief die Einführung nicht so schnell wie gewünscht. Nun sollte die Pandemie als Aufforderung verstanden werden, das Projekt zu beschleunigen", betont THE NEW TIMES aus Kigali.

Die Zeitung L'EST REPUBLICAIN aus Nancy befasst sich mit Überlegungen, eine Corona-Tracking-App einzusetzen: "Wenn Schutzmasken, Beatmungsgeräte und Medikamente ausgehen, fehlt es den Regierungen nicht an Fantasie, um neue außergewöhnliche Überwachungsbefugnisse einzufordern. In Italien wie auch in Frankreich, wo die Bevölkerung sich mit einer schafähnlichen Disziplin den Maßnahmen der Ausgangssperre gebeugt hat, regt sich Widerstand. Kritik gibt es wegen des Versuchs der Regierungen, Infizierte, aber auch Nicht-Infizierte über ihre Smartphones zu orten. Man muss sich fragen, ob der Gesundheitsnotstand alles rechtfertigt", heißt es in der französischen Zeitung L'EST REPUBLICAIN.

Die chinesische Zeitung FAZHI RIBAO rät zum Tragen eines Mundschutzes: "In Europa ändert sich gerade die Einstellung, was das Tragen eines Mundschutzes angeht. Diese Anpassung an neue Realitäten ist mehr als notwendig. Noch vor kurzem wurden Asiaten in Europa, die als erste mit einem Mundschutz rumliefen, entweder belächelt, oder gar angefeindet. Diese Zeiten sind nun vorbei. Jetzt profitieren immer mehr Länder von den wertvollen Erfahrungen, die China bei der Bekämpfung des Coronavirus bereits gesammelt hat", hebt FAZHI RIBAO aus Peking hervor.

Die WASHINGTON POST geht der Frage nach, was das sogenannte "Social Distancing" - also das Vermeiden von persönlichen Kontakten - bringt: "Die Strategie, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, funktioniert nicht, wenn die Menschen die Notwendigkeit von Social Distancing ignorieren. Werden die Einschränkungen nicht eingehalten, wird es mehr Brennpunkte geben wie New York. Eine Studie der Universität von Chicago, die auf früheren Modellen der Pandemie basiert, kommt zu dem Schluss, dass eine moderate soziale Distanzierung zwischen dem 1. März und dem 1. Oktober 1,7 Millionen Leben retten würde. Sollte das Abstand-Halten nur einen Bruchteil dazu beitragen, wäre es einen Versuch wert", meint die WASHINGTON POST aus den USA.

In Zeiten von Corona seien viele Konflikte in Vergessenheit geraten, moniert HABERTÜRK aus Istanbul: "Im Jemen zum Beispiel sind 80 Prozent der Menschen von Lebensmittelhilfen abhängig. Der Krieg dort geht weiter. Deswegen gibt es keinerlei Zahlen zu Covid-19. Aus der syrischen Provinz Idlib wurden zwar bisher keine Fälle gemeldet, aber das Coronavirus könnte sich dort rasant ausbreiten. Die vollen Flüchtlingslager sind aus Sicht der Menschen höchst risikoreich. Im Gazastreifen hat die Hamas einige Einschränkungen eingeführt. Manche befürchten dort Zustände wie in Italien, denn der Gazastreifen gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten. Und es fehlt an allem. Im größten Flüchtlingslager in Bangladesch leben geschätzt 650.000 Rohingya. Offiziell gab es bisher noch keinen Corona-Fall. Sollte die Krankheit jedoch ausbrechen, wird die Ausbreitung kaum zu kontrollieren sein", erwartet die türkische Zeitung HABERTÜRK.

Polen, Ungarn und Tschechien haben nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs mit ihrem Nein zur Flüchtlingsaufnahme gegen EU-Recht verstoßen. Dazu schreibt die tschechische Zeitung HOSPODARSKE NOVINY: "Die EU-Staaten hatten auf der Grundlage geltender europäischer Verträge zeitlich begrenzte Quoten verabschiedet. Niemand hat Tschechien daran gehindert, unter den anderen Mitgliedern genügend Verbündete zu gewinnen und den Vorschlag der Quoten zu blockieren. Das hat Tschechien nicht geschafft und sich schließlich geweigert, seine Pflicht zu erfüllen. Punkt. Auf einem anderen Blatt steht, dass es politisch unsensibel war, Ländern in einer derart emotional aufgeladenen Angelegenheit eine Politik aufzunötigen, mit der sie nicht einverstanden sind. Entscheidend ist jetzt, dass die Europäische Kommission einen neuen Reformvorschlag für eine gemeinsame Asyl- und Migrationspolitik vorlegt. Alle sollten aus den vergangenen Fehlern lernen", empfiehlt HOSPODARSKE NOVINY aus Prag.