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18. Juli 2018Die internationale Presseschau

Das dominierende Thema auf den Kommentarseiten der Zeitungen ist weiterhin das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin.

16.07.2018, Finnland, Helsinki: Donald Trump (l), Präsident der USA, und Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, geben eine gemeinsame Pressekonferenz. (Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa)
16.07.2018, Finnland, Helsinki: Donald Trump (l), Präsident der USA, und Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, geben eine gemeinsame Pressekonferenz. (Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa)

Die mexikanische Zeitung LA CRONICA DE HOY konstatiert: "Trumps Treffen mit Putin wird in die Geschichte eingehen - wenn auch aus wenig schmeichelhaften Gründen. Die Begegnung in Helsinki wird für alle Zeiten als der Tag in Erinnerung bleiben, an dem der Präsident der Supermacht USA als sogenannter Anführer der freien Welt seinen Kopf vor dem gefährlichsten Gegner senkte, den sein Land derzeit hat. Es ist unglaublich, wie sich der Chef des Weißen Hauses bei Putin anbiederte und gegen sein eigenes Land, seine Institutionen und sein Volk wandte. Seinen eigenen Geheimdienst stellte er als überflüssig und korrupt dar, während er kein einziges kritisches Wort über Russland verlor. Stattdessen bezeichnete er die EU als Feind, ohne zu begreifen, wie isoliert die USA ohne die Europäer wären. Kein Zweifel: Trumps Europa-Reise war eine Katastrophe", betont LA CRONICA DE HOY aus Mexiko-Stadt.

"Das Treffen zwischen Putin und Trump in Helsinki vermittelt eine klare Botschaft", ist in der kolumbianischen Zeitung EL ESPECTADOR zu lesen:  "Die USA verzichten auf ihre Führungsrolle in der Welt. Und als sei das nicht schon schlimm genug, gehen sie auch noch auf Konfrontationskurs zu ihren alten Verbündeten. Trump hat dem kanadischen Premier Trudeau den Handelskrieg erklärt und die britische Regierungschefin May für ihren Brexit-Kurs kritisiert. Über Putin aber schweigt er. Dabei ließ US-Sonderermittler Mueller erst vor wenigen Tagen die Bombe platzen: Nicht weniger als zwölf russische Spione stehen mittlerweile unter Anklage. Es besteht genug Grund zur Annahme, dass Moskau in den US-Wahlkampf eingegriffen und damit die Souveränität des Landes verletzt hat. Trump aber sagt nicht viel dazu", stellt EL ESPECTADOR aus Bogotá fest.

Die Zeitung PRAVDA aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava mutmaßt: "Vielleicht hat Putin wirklich kompromittierendes Material über Trump. Die Vorstellung, dass ein Autokrat den 'Anführer der demokratischen Welt' in der Hand hat, ist entsetzlich. Aber noch schlimmer ist die Tatsache, dass sich Europa nicht mehr auf seinen traditionellen Verbündeten verlassen kann."

"Die atlantische Allianz ist am Ende, der Westen nur noch eine rein geografische Bezeichnung", fügt LA REPUBBLICA aus Rom an: "Trumps Amerika zeigt sich egoistisch, eifersüchtig, isolationistisch und bedrohlich. Es hat die Nachkriegsgeschichte vergessen, die gegenseitigen moralischen und politischen Verpflichtungen, die nicht alle in Geld übersetzbar sind."

DE VOLKSKRANT aus Amsterdam hält Trump für eine echte Gefahr für Europa: "Der US-Präsident unterstützt offen Populisten, die die EU unterminieren."

Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN erinnert:  "Schon vor dem Treffen wurde vermutet, dass der russische Präsident als Sieger daraus hervorgehen würde. Auf jeden Fall ist aber jetzt nach dem Treffen deutlich geworden, wer die Verlierer sind: die liberale Weltordnung, die Wahrheit, die EU und die Ukraine. Nach Trumps katastrophaler Europareise ist klar: einen besseren Amtsinhaber im Weißen Haus hätte sich Putin kaum erträumen können. Europa braucht neue Freunde. Deutschland hat bereits mit einer Neubewertung des transatlantischen Verhältnisses begonnen - und diese Neuorientierung ist auch dringend nötig", glaubt DAGSAVISEN aus Oslo.

Auch die britische FINANCIAL TIMES äußert sich kritisch: "Trumps Auftritt in Helsinki hat endgültig klargemacht, dass er sein eigenes politisches Überleben und seine persönliche Eitelkeit über alles stellt. Nur wenige Tage zuvor hatte der stellvertretende US-Justizminister Rosenstein bei der Anklage der zwölf russischen Geheimdienstagenten korrekterweise betont, dass dies kein parteistrategisches Thema sein sollte. Trump versteht diesen wichtigen Punkt jedoch nicht. Er ordnet alles seinen persönlichen Interessen unter - einschließlich der Wahrheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Würde der USA", klagt die FINANCIAL TIMES aus London.

Die WENHUI BAO aus Schanghai hebt hervor: "Trumps Zuneigung zu Russland scheint unerschütterlich. Wenn Moskau kritisiert wird, springt Trump Putin sofort zur Seite. Dabei sind die Differenzen beider Länder bei vielen ernsten Themen unüberwindbar. Wegen Trumps überfreundlicher Haltung in Helsinki wird seine Persönlichkeit und Fähigkeit als Präsident nun mehr denn je in Frage gestellt", merkt WENHUI BAO aus Schanghai an.

"Es wird Zeit, den Trump-Krebs herauszuschneiden" titelt die WASHINGTON POST und fragt: "Was ist die Erkenntnis des Treffens in Helsinki? Entweder ist Trump schlichtweg zu ungeschickt für das Amt des Präsidenten oder er ist aufgrund seines Charakters ungeeignet, weil er sich offensichtlich statt mit Verbündeten lieber mit Schurken umgibt. Vielleicht trifft auch beides zu. Wie auch immer - Trump ist zu weit gegangen, sein Verhalten ist inakzeptabel. Er ist eine Gefahr für die USA," urteilt die WASHINGTON POST.

Die türkische Zeitung SABAH ist nicht verwundert darüber, dass dem US-Präsidenten in der Heimat Verrat vorgeworfen wird: "Wer seine Kritiker immer wieder beleidigt, sollte sich nicht wundern, dass diese mal zurückschlagen. Der Supermacht USA fehlt zurzeit ein Mann wie John F. Kennedy. Das Land braucht einen Präsidenten, der dem Land die Richtung weist," meint SABAH aus Istanbul.

"Trump ist ins Straucheln geraten", beoachten die DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE aus Straßburg: "Das Ausmaß der Empörung nach der Pressekonferenz in Helsinki hat ihn überrascht und ins Wanken gebracht."

Trotz der heftigen Kritik an Trumps Auftritt in Helsinki rechnet DE TIJD aus Belgien nicht mit einem Sturz des US-Präsidenten: "Dafür sind die Demokraten viel zu uneinig. Sie scheinen keinen starken Herausforderer aufbieten zu können. Und von den Republikanern hat er auch nichts zu befürchten. Dort ist die Zwietracht noch größer. Solange sich dies nicht ändert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Trump noch eine Amtsperiode hinzufügen kann", spekuliert DE TIJD aus Brüssel.

Die russische Zeitung MOSKOWSKIJ KOMSOMOLETS kritisiert die Fixierung auf die angebliche Manipulation des US-Wahlkampfs: "Der Gipfel hätte den Beziehungen zwischen Russland und den USA neue Impulse geben sollen. Man hätte über die auslaufenden Atomwaffen-Verträge reden müssen, über Syrien und die Ukraine. Stattdessen wurde bei der abschließenden Pressekonferenz nur wieder über die vermeintliche russische Einmischung in die US-Innenpolitik geredet. Die Folge war wieder eine Welle antirussischer Hysterie", klagt MOSKOWSKIJ KOMSOMOLETS aus Moskau.

Zum Ende der Presseschau noch ein Blick auf das von Japan und der EU unterzeichnete Freihandelsabkommen. NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio begrüßt die Vereinbarung: "Japan und die EU müssen gegen den amerikanischen Protektionismus Stellung beziehen und im Kampf für Freihandel gemeinsam voranschreiten. Der japanische Premier Abe und EU-Präsident Tusk sind sich ihrer Rolle bewusst. Das war bei der Unterzeichnung des Vertrags offensichtlich. Und das ist gut so. Diese Zusammenarbeit ist mehr denn je gefragt. Japan und die EU müssen Ihre Beziehungen ausbauen und für Stabilität in der Welt sorgen", unterstreicht NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Japan.

"Das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union ist ein Symbol des Widerstands gegen Trumps Protektionismus", notiert die polnische GAZETA WYBORCZA und schreibt weiter: "Es umfasst einen Wirtschaftsbereich, der zusammengenommen 30 Prozent des Welthandels repräsentiert. Es ist damit der größte bilaterale Freihandelsvertrag auf diesem Planeten. Und Freihandelsverträge sorgen für vertiefte politische Beziehungen und stärken den Frieden." Mit dieser Stimme der GAZETA WYBORCZA aus Warschau endet die internationale Presseschau.