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17. Juli 2018Die internationale Presseschau

Einige Kommentatoren ziehen Bilanz der Fußball-WM oder des EU-China-Gipfels. Der Fokus der internationalen Presse liegt aber ganz klar auf dem Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin.

Besten Freunde? US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin (picture-alliance / dpa / Mikhail Metzel)
Besten Freunde? US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin (picture-alliance / dpa / Mikhail Metzel)

Der russische KOMMERSANT ist der Ansicht, dass sich in Helsinki zwei ebenbürtige Kontrahenten gegenüberstanden: "Aus verständlichen Gründen gab es bei diesem Gipfel weder einen Vertrag von Helsinki noch eine Abschluss-Erklärung. Dennoch war klar: De facto haben die beiden mündlich einen neuen Vertrag abgeschlossen, der eine große politische Bedeutung hat. Und das kann man als einen wichtigen Sieg für beide Politiker bezeichnen", findet der KOMMERSANT, der in Moskau erscheint.

Dagegen kann der BOSTON GLOBE aus den USA nur einen Sieger ausmachen: Putin. Der habe, so formuliert es die Zeitung, in Helsinki seien "Pudel gestreichelt" - sprich, er habe Trump vorgeführt: "Die Botschaft der gemeinsamen Pressekonferenz wird um die Welt gehen: Egal, was die US-Geheimdienste über Russland und Putin sagen, Trump wird es nicht glauben. Er scheint bereit zu sein, die Vergangenheit zu vergessen - eine Vergangenheit, die die unrechtmäßige Annexion der Krim beinhaltet, den Krieg gegen die Ukraine und die Einmischung in Wahlen - und Putin in den Kreis der geachteten Staaten wieder aufzunehmen."

"Putin ist dort, wo er sein wollte. Auf Augenhöhe mit Trump", befindet DE TELEGRAAF aus Amsterdam. "Und Gleiche unter Gleichen machen sich keine Vorschriften. Donald Trump machte, ähnlich wie beim Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un, wieder einmal deutlich, dass er eine Vorliebe für sogenannte starke Führer hat. Ein Ausdruck, der zu harmlos ist, um dem korrupten Regime von Putin gerecht zu werden, und lächerlich angesichts des diktatorischen Regimes von Kim Jong Un. Im Fall Putins scheint Trump gar fast dem Kurs Moskaus zu folgen. Putin reibt sich die Hände, denn die EU wird durch einen Handelskrieg geschwächt, und die Einheit der Nato wird durch den unberechenbaren amerikanischen Kurs bedroht." So weit DE TELEGRAAF aus den Niederlanden.

Auch die TIMES aus London macht sich Sorgen: "Während Trump grob zu seinen offenkundigen Verbündeten in Europa war, verhielt er sich Putin gegenüber kriecherisch. Es ist klar, dass die Bündnisse, auf denen sich die Weltordnung gründet, in Gefahr sind."

Die WASHINGTON POST widmet dem Thema gleich mehrere Kommentare und verweist vor allem auf Trumps öffentlich vorgetragene Zweifel an der russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahl. So heißt es unter anderem: "Trump hat gerade die ausgefeilteste Dankes-Note in der Geschichte überreicht. Während ihm Millionen Menschen auf der ganzen Welt zusahen, sagte er laut: Danke, Wladimir Putin, dass Du mir im Wahlkampf geholfen hast!" Und in einer weiteren Stimme ist zu lesen: "Bis jetzt haben die führenden Republikaner still dabei zugesehen, wie ein Präsident ihrer eigenen Partei ein bislang geschätztes Prinzip nach dem anderen über Bord wirft. Bald werden sie überhaupt kein Fundament mehr haben. Und dann werden sie für nichts mehr stehen. Außer für Trump", prognostiziert die WASHINGTON POST.

Die meisten anderen US-Zeitungen äußern sich ebenfalls kritisch über ihren Präsidenten. "Warum spricht Donald Trump nicht für Amerika", fragt die NEW YORK TIMES und beklagt: "Bisher gibt es keinerlei Anzeichen, dass die USA irgendeinen Vorteil aus Trumps Unterwürfigkeit gegenüber Putin ziehen - obwohl Trump nun zumindest einen neuen glänzenden Fußball sein Eigen nennen kann. Klar ist nur: Ein Präsident, der so dermaßen überfordert ist, bringt Amerika in große Schwierigkeiten."

"Was Trump mit seiner eigenartigen Anbiederung an Putin bezweckt, bleibt ein Rätsel", schreibt auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. "Sicher ist nur, dass sich der Kreml keinen besseren Akteur im Weißen Haus wünschen kann als ihn - einen Mann, der es in kürzester Zeit geschafft hat, das westliche Bündnis zu zerrütten und die einst so wichtigen Beziehungen mit Berlin, London und Paris toxisch zu machen, der aber auch die amerikanischen Institutionen untergräbt und zugleich naiv darüber hinwegsieht, wie Russland die USA auf dem nahöstlichen Schachbrett ausmanövriert. Könnte Trump im Gegenzug irgendeinen Gewinn vorweisen, ein greifbares Zugeständnis Moskaus, so ließe sich diese Strategie vielleicht noch halbwegs rechtfertigen. Doch wie schon von seinem bombastischen Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un in Singapur kehrt Trump auch aus Helsinki nur mit dem vagen Versprechen auf Fortschritte in der Zukunft zurück", bilanziert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.

Die Zeitung DIE PRESSE aus Wien betont dennoch: "Ob das gefällt oder nicht: Ohne Zutun Moskaus wird es keinen tragbaren Frieden im Osten der Ukraine geben. Und will man eine Lösung für Syrien finden, kann man an Russland nicht vorbei. Hier brauchen sowohl die USA als auch die EU-Staaten Moskau."

Die finnische Zeitung KALEVA aus Oulu räumt ein: "Wenn es gelingt, die Krisen in der Ukraine und in Syrien zu lösen, den Terrorismus erfolgreich zu bekämpfen und die atomare Abrüstung voranzutreiben, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung. Mit schlechten Beziehungen zwischen Russland und den USA ist niemandem gedient. Allerdings wollen die Europäer auch nicht, dass die Großmächte über ihren Kopf hinweg und an der internationalen Gemeinschaft vorbei miteinander reden."

Die slowenische Zeitung DNEVNIK befasst sich mit dem EU-China-Gipfel in Peking, der ganz im Zeichen der protektionistischen Handelspolitik der USA stand: "Es dominierten die europäischen und chinesischen Bemühungen zur Intensivierung der Zusammenarbeit, die für beide Seiten von großem Interesse ist. Allerdings sollten, wie von der EU gefordert, dafür Handelsregeln festgelegt werden. Genau an diesem Punkt stimmen die EU und China noch nicht überein. Die Annäherung endet derzeit bei Fragen der Investition und des Marktzugangs", stellt DNEVNIK aus Ljubljana klar.

"Die Differenzen zwischen Peking und Brüssel hinsichtlich der Kapitalgrenzen für ausländische Beteiligungen in China und des Schutzes des geistigen Eigentums sind zwar noch vorhanden", merkt TAKUNGPAO aus Hongkong an. "Dennoch überwiegen die gemeinsamen Interessen. Nicht zu überhören ist die Botschaft in der gemeinsamen Erklärung, dass China und Europa für eine offene Weltwirtschaft stehen und gegen Protektionismus und Unilateralismus sind. Auch wenn Washington nicht genannt ist, so weiß doch jeder, wer gemeint ist", notiert die chinesische Zeitung TAKUNGPAO.

Zum Abschluss noch zwei Stimmen zum Fußball. Die GULF NEWS aus Dschidda halten fest: "War das nicht eine bemerkenswerte Fußball-Weltmeisterschaft? Sie hat unter anderem gezeigt, dass die Videoassistenten ihren festen Platz in den Spitzenspielen dieses Sports haben. Als Konsequenz sollte der Videobeweis in allen wichtigen Ligen eingeführt werden. Abseits des Spielfelds muss man den russischen Berhörden gratulieren. Was wurde vor diesem monatelangen Fußballfest nicht alles geschrieben über das Risiko von Ausschreitungen unter Hooligans. Gott sei Dank war das Turnier frei von dieser Pest des modernen Sports. Die Fans feierten munter zusammen und genossen größtenteils spannende Partien", fassen die GULF NEWS aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammen.

Und LA RAZON aus Mexiko-Stadt schreibt: "Die Fußball-WM in Russland ist vorbei, und zu den bemerkenswerten Ergebnissen gehört auch, dass es keine lateinamerikanische Mannschaft bis ins Halbfinale geschafft hat. Experten verweisen darauf, dass der Misserfolg der Teams auch das Scheitern der politischen und gesellschaftlichen Systeme reflektiert. Auf der anderen Seite zeigt Europa, dass sich gute Regierungsführung, Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt nicht nur auf die Politik beschränken, sondern durchaus auch auf den Sport übertragen lassen. Und während in Europa die meisten Fußballverbände vorbildliche Arbeit leisten, lassen sie in Lateinamerika viel zu wünschen übrig." Das war die mexikanische LA RAZON, mit der die heutige internationale Presseschau endet.