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Internationale Pressestimmen zu Brüssel"Der Krieg der Islamisten gefährdet in Europa die Zukunft der arabischstämmigen Bürger"

Von Annette Meisters
Titelseiten von Zeitungen nach den Anschlägen von Brüssel (afp / Philippe Huguen )
Titelseiten von Zeitungen nach den Anschlägen von Brüssel (afp / Philippe Huguen )

Die Brüsseler Terroranschläge beschäftigen die Kommentatoren der Zeitungen in aller Welt. In den Pressestimmen ist die Forderung an die Politiker Europas deutlich vernehmbar, endlich zu handeln und den Terrorismus gemeinsam zu bekämpfen.

"Man hatte sich an die gedrückte Stimmung gewöhnt - in der Hoffnung, dass die Terroristen auf weitere sinnlose und barbarische Taten verzichten oder dass sie zumindest rechtzeitig gefasst würden. Aber nein: Brüssel ist direkt ins Herz getroffen worden. Dieses Blutbad erinnert uns grausam und schmerzhaft daran, dass der Kampf gegen den Terrorismus niemals zu Ende sein wird", heißt es in LA LIBRE BELGIQUE.

"Wird das jemals enden?", fragt der CORRIERE DELLA SERA aus Mailand. "Uns stockt der Atem angesichts der Einfachheit, mit der man töten kann, wenn man bereit ist, selbst dabei zu sterben. Um die Zwillingstürme in New York zum Einsturz zu bringen, musste Osama bin Laden 2001 ein Terrorkommando in die USA einschleusen. In Europa ist das nicht nötig. Der IS bewegt sich frei wie ein Fisch im Teich radikaler arabischer Gemeinden. Deshalb muss der erste Schritt sein, diesen Teich auszutrocknen. Natürlich durch Integration, aber auch durch strenge und wirksame Polizeiarbeit", fordert der CORRIERE DELLA SERA aus Italien.

Die rumänische Zeitung ADEVARUL aus Bukarest kritisiert, dass die Politik angesichts der Bedrohung untätig bleibe: "Es gibt keinerlei Zweifel, dass die Terroristen weitere Anschläge verüben werden. Dennoch begnügen sich die Verantwortlichen in der EU mit Beileidsbekundungen. Die permanente Unentschlossenheit der Europäer ist ein Segen für diejenigen, die Europa den Krieg erklärt haben."

Auch der Kommentator der französischen Zeitung LE FIGARO aus Paris klingt verärgert: "Die Deutschen, die Österreicher, die Griechen - sie alle haben Frankreich vorgeworfen, zu sehr auf das Thema innere Sicherheit zu setzen. Währenddessen waren sie selbst besessen von einer humanitären Debatte und der Schwierigkeit, den Andrang Hunderttausender Migranten zu bewältigen. Nun hat die Realität sie eingeholt: Gut möglich, dass sie als nächstes auf der Liste der Terroristen stehen."

Auch die russische NEZAWISSIMAJA GAZETA aus Moskau plädiert nach den jüngsten Anschlägen für mehr Sicherheit. Sie fordert, den Behörden Zugang zu den privaten Daten der Bürger zu verschaffen. "Denn man mag die Sicherheitsvorkehrungen noch so sehr erhöhen: Wenn Anschlagspläne nicht schon in der Planungsphase unterbunden werden, nützen auch keine Armee und keine Grenzkontrollen mehr. Es wird zu spät sein."

"Sicherheitsmaßnahmen allein reichen nicht", entgegnet die Zeitung DE TIJD aus Brüssel. "Wir kriegen den Terrorismus nur klein, wenn die Gesellschaft insgesamt, also auch die Muslime, geschlossen gegen ihn vorgehen."

Die Zeitung DE MORGEN aus Brüssel fordert dazu größere Anstrengungen: "Vernachlässigte Jugendliche, die mit einem Bein im kriminellen Milieu stehen, dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie in der Nachfolge von Terroristen wie Abdeslam und Abaaoud eine heldenhafte Karriere machen können. Wir müssen diesen jungen Menschen eine Alternative zum Gefühl der Entwurzelung und Entfremdung bieten. Nur so lässt sich verhindern, dass sie dem IS in die Arme laufen."

Nach Meinung der bulgarischen Zeitung STANDART hat Belgien viel versäumt: "Die Regierung ließ zu, dass sich Immigranten-Ghettos bildeten. Die dort lebenden Väter und Großväter haben noch eine gewisse Achtung vor der Autorität des Staates, der sie aufnahm und ihnen vor vielen Jahren eine Chance gab. Doch bei den jungen Menschen gibt es nichts anderes als Zorn. Sie haben den Frust von drei Generationen akkumuliert und sind schlecht ausgebildet. Deswegen werden sie zur leichten Beute für Islamisten", analysiert die Zeitung STANDART aus Sofia.

Auch die in London erscheinende, arabischsprachige Zeitung AL-HAYAT sieht die Muslime als Opfer - allerdings aus einem anderen Grund: "Der Terror trifft Araber und Muslime, weil man nun wieder dazu neigen wird, sie insgesamt für Terroristen zu halten. Der Krieg der Islamisten gefährdet in Europa vor allem die Zukunft der arabischstämmigen Bürger."

"Die Rechtspopulisten in Europa spüren schon den Wind in ihren Segeln", bemerkt in diesem Zusammenhang die polnische GAZETA WYBORCZA. "Ob Front National in Frankreich, FPÖ in Österreich oder AfD in Deutschland – sie werden den Regierenden Untätigkeit vorwerfen angesichts der wachsenden islamistischen Gefahr und des Flüchtlingsstroms aus dem Nahen Osten. Sie werden fordern, Europa in eine Festung zu verwandeln – durch die Abschaffung des Schengenraums. In Berlin gelingt es Kanzlerin Merkel im Moment noch, genügend Unterstützung für ihre Politik der offenen Grenzen zusammenzuhalten. Doch käme es in Deutschland zu einem ähnlichen Anschlag wie in Brüssel, würde sich die Lage dramatisch ändern", mutmaßt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.

Die NEW YORK TIMES rät Europa, sich für einen langen Kampf gegen den Terror zu wappnen: "Das wird mehr Sicherheitsmaßnahmen, eine engere Zusammenarbeit der bedrohten Staaten, Mut und Standfestigkeit erfordern - aber sicher keine hysterische Panikmache wie die des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump. Unmittelbar nach den Anschlägen von Brüssel erneuerte er seine Forderung, Muslime nicht mehr in die Vereinigten Staaten zu lassen und wieder zur Folter zu greifen. Solche Äußerungen dienen nur den Zielen der Terroristen. Sie verbreiten Angst und spielen die Bürger gegeneinander aus." So weit das Fazit der NEW YORK TIMES und so viel zu den Anschlägen in Brüssel.

Barack Obama hat seinen Besuch in Kuba beendet. Die Reise wurde vielfach als historisch bezeichnet, weil es das erste Mal seit 88 Jahren war, dass ein US-Präsident den Karibikstaat besuchte. Die WASHINGTON POST bezweifelt allerdings, dass Obama viel bewirkt hat: "In seiner Rede an das kubanische Volk sprach er von Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Nichts von alledem existiert im heutigen Kuba. Vieles thematisierte Obama aber auch gar nicht - etwa die Dominanz des sozialistischen Regimes und die allgegenwärtige Geheimpolizei. Ob Kuba eine freiere und offenere Gesellschaft wird, muss sich also noch zeigen - nach Obamas Besuch, wenn all der Pomp vorüber ist", heißt es in der WASHINGTON POST.

Die kubanische Zeitung VANGUARDIA glaubt nicht, dass die Verhältnisse in den USA so viel besser sind als in Kuba: "Obama hat erklärt, eine demokratische Gesellschaft bedeute, dass ein Afroamerikaner aus einer armen Familie in das höchste politische Amt aufsteigen könne. Aber auch bei uns haben die Enkel verarmter Landarbeiter aus der Zeit vor der Revolution eine Ausbildung erhalten und sind in verantwortungsvolle Positionen gelangt. Dabei hat es unsere Gesellschaft nie für nötig befunden, andere Länder anzugreifen, um ihre Werte durchzusetzen. Gewiss, uns fehlt es an Ressourcen wegen der Sanktionen, und es gibt Probleme. Aber wir sind auch mutig und kreativ, und das kann uns niemand nehmen", betont die Zeitung VANGUARDIA aus Santa Clara.

Die Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan schöpft aus der Annäherung zwischen Kuba und den USA Hoffnung für die eigenen Beziehungen zu China. Die Entwicklung zeige - Zitat -, "dass es in der Diplomatie eben keine ewigen Feinde oder Freunde gibt. Der kleine Inselstaat neben dem großen Löwen hat lange unter der Isolation und den amerikanischen Sanktionen gelitten. Die Regierung in Havanna wurde aber nicht in die Knien gezwungen, sondern hat eigene Wege gefunden. Auch Taiwan ist ein kleines Land neben einem Riesen und kann deshalb einiges von Kuba lernen: Nur die Unabhängigen und die selbstständig Handelnden werden respektiert", schreibt die Zeitung LIANHE BAO im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Taiwan und China.

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