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StartseiteSport am WochenendeDas Ringen um Fernsehpräsenz27.08.2017

Internationale TitelkämpfeDas Ringen um Fernsehpräsenz

Von Hockey über Ringen bis hin zum Reiten - acht Welt- und Europameisterschaften finden in dieser Woche statt. Von vielen hört man nur höchstens nachrichtlich in den Sportsendungen , wenn deutsche Athleten Medaillen gewonnen haben. Doch die Bestrebungen, für eine größere TV-Präsenz zu sorgen, werden konkret.

Von Jessica Sturmberg

Ringen: Frank Stäbler ist Weltmeister. (imago - Aleksandar Djorovic)
Weltmeisterschaft im Ringen: Der Deutsche Frank Stäbler wurde in Paris Weltmeister. (imago - Aleksandar Djorovic)
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Die Fans des deutschen Hockeys hatten sich diese Woche bei der Europameisterschaft in Amsterdam mit zwei vierten Plätzen wohl mehr erhofft, aber zumindest hatten sie die Möglichkeit, alle Spiele live im Fernsehen zu verfolgen – Sport1 zeigte alle Partien in seinem frei empfangbaren Kanal.

Damit waren sie die einzigen, deren diesjähriger Saisonhöhepunkt vollständig live im Fernsehen gezeigt wurde. Von der Kanu-WM und der Reit-EM gab es heute Live-Übertragungen im ZDF, ansonsten Zusammenfassungen, Ringen bekam bei Eurosport abends eine halbe Stunde die Höhepunkte des Tages.

Reitsport-Fans müssen für "ClipMyHorse" zahlen

"Wir haben leider im Free-TV keine Präsenz in Deutschland dieses Jahr bei der EM und damit können wir als erfolgreichster Olympischer Sommersport, wo Männer und Frauen auch noch zusammen antreten. Damit können wir nicht glücklich sein", sagt Sönke Lauterbach, Geschäftsführer der Deutscher Reiterlichen Vereinigung.

Wer die Wettkämpfe in Göteborg live sehen wollte, konnte dies nur im Internet beim kostenpflichtigen Angebot unter "ClipMyHorse" verfolgen.

Auf kommentierte Livebilder im Internet setzen auch die Ringer, die alle ihre Wettkämpfe bei der WM in Paris auf der Homepage des Weltverbandes zeigten. Anders als die Reiter kostenfrei. Auch Badminton und Amateur-Boxen setzen auf Live-Streams. Auf diese Weise erreichen die Sportarten zwar keine Massen, aber zumindest ihre Anhänger.

Für Interessierte ist die Suche nach Übertragungswegen mühsam

Für einen generell Sportinteressierten ist die Suche nach den Übertragungswegen der verschiedenen Titelkämpfe äußerst mühsam. Wer bietet was auf der Homepage, kostet das was, welchen Browser braucht man dafür und wie gut muss die Internetverbindung sein? Und, was vielleicht bei den langen Liveübertragungen der öffentlich-rechtlichen Sender im Winter schon mal passiert, dass man einfach zufällig bei einer Sportveranstaltung hängen bleibt - bleibt hierbei ganz aus.

"Das Problem ist, ein Medium zu finden, das hinreichend stark verfolgt wird" sagt der Sportökonom von der Uni Hamburg und Ruder-Olympiasieger von 1988, Wolfgang Maennig.

Um eben diese Aufmerksamkeit ähnlich wie bei den Wintersportübertragungen zu ermöglichen, ist die European Broadcasting Union EBU, der Zusammenschluss aller öffentlich-rechtlichen Sender in Europa auf verschiedene Sportarten zugegangen und hat eine gemeinsame mediale Vermarktung der Höhepunkte angeboten.

Gebündelte Titelkämpfe 2018 in Glasgow in ARD und ZDF

Unter dem Titel European Championships übertragen nächstes Jahr ARD und ZDF erstmals die fast zeitgleich stattfindenden Europameisterschaften in den Sportarten Leichtathletik, Schwimmen, Radsport, Rudern, Triathlon, Turnen und Golf. Bis auf die Leichtathletik findet alles in Glasgow statt.

Für Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, ein wegweisendes Projekt:

"Dieses Angebot ist eine große Chance für all die Sportarten, die in den letzten Jahren nur eine geringe oder gar keine Präsenz mehr erhalten haben. Wir fühlen uns hier als Leichtathleten diesem Projekt verpflichtet, weil es für uns alle die Chance ist, Zuschauer zu interessieren. Insofern denke ich, kann daraus eine wirklich Win-Win-Situation entstehen."

Allerdings wurde damit eine umfassende und aufwändige Abstimmung zwischen den Sportarten nötig. Ob sich das auch auf weitere Sportarten wie das Reiten übertragen ließe, da ist Reitverbandsgeschäftsführer Sönke Lauterbach skeptisch:

"Das beginnt damit, dass unsere Jahreskalender sehr unterschiedlich sind, das nächste ist, jetzt haben wir verschiedene Championate in verschiedenen Sportarten parallel, da sind dann die Sender sehr schnell an der Kapazitätsgrenze, denn wir würden ja erwarten, dass die zu allen Wettkampfstätten fachkundige Teams schicken, die dann von dort berichten. Ich glaube, dass es letztlich bei einer Art Konkurrenzkampf bleiben würde und insofern kämpft momentan jeder Sport weiter für sich, für seine Präsenz bei seiner Klientel."

Problem: Bedürfnisse der Verbände sind unterschiedlich

Dass sich das eine gemeinsame mediale Vermarktung etabliert, bezweifelt auch Sportökonom Maennig:

Wolfgang Maennig, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Hamburg und ehemaliger Olympiasieger im Rudern, spricht am 18.11.2015 in seinem Büro in Hamburg. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)Wolfgang Maennig, Sportökonom. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)"Die Bedürfnisse der Verbände sind doch so unterschiedlich, dass es auf Dauer schwer wird, das zu koordinieren. Ich denke es gibt eigentlich zwei Lösungen. Das eine ist, dass die Sportarten selbst die Übertragungen leisten und über das Internet an ihre Interessenten bringen oder die ganz große Lösung, die sich über das IOC andeutet. Dass das IOC einen eigenen Sportkanal etabliert, auf dem sieben Tage, 24 Stunden aller möglicher olympischer Sport gesendet wird, langfristig dann auch die Olympische Spiele gesendet werden und dann haben sie eigentlich genug Sendeplatz und genug Reichweite, dass auch die Weltmeisterschaften alle gezeigt werden können."

Für öffentlich-rechtliche Sender wächst der Konkurrenzdruck

Das wäre die Lösung im Sinne von IOC-Präsident Thomas Bach. Wohin sich die Medienlandschaft entwickeln wird, ist derzeit schwierig vorherzusehen. Bisher ist der Wunsch, zumindest bei den ganz großen Höhepunkten im frei empfangbaren Fernsehen für ein breites Publikum präsent zu sein, bei den Sportarten noch stark ausgeprägt. Auf nationaler Ebene wünscht sich Michael Scharf, Präsident des Modernen Fünfkampfes in Deutschland, in dieser Weise eingebunden zu sein.

Michael Scharf, Präsident des Modernen Fünfkampfes in Deutschland. (Deutschlandradio - Jessica Sturmberg)Michael Scharf, Präsident des Modernen Fünfkampfes in Deutschland (Deutschlandradio - Jessica Sturmberg)

"Ich könnte mir vorstellen, dass man auf einer deutschen Ebene Deutsche Meisterschaften miteinander koppeln, bündeln kann in einer Woche der Deutschen Meisterschaften, um es da kompakter zu machen und da Fernsehpräsenz zu haben."

Entsprechende Pläne für 2019 hat ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky angekündigt. Denn auch für Öffentlich-Rechtlich geht es beim wachsenden Konkurrenzdruck um neue Ideen und Konzepte bei der Zukunft der Sportberichterstattung.

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