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StartseiteKultur heute"Es brennt auch vor der eigenen Haustür"26.09.2018

Internationaler PEN-Kongress"Es brennt auch vor der eigenen Haustür"

Beim PEN-Weltkongress in Indien zeigt sich wieder: Die Freiheit des Wortes ist vielerorts in Gefahr. Regula Venske vom Deutschen PEN weist mit einer Resolution auch auf Deutschland hin. Die erschwerten Arbeitsbedingungen von deutschen Journalisten stießen auf großes Interesse, sagte sie im Dlf.

Regula Venske im Gespräch mit Maja Ellmenreich

Regula Venske lächelt in die Kamera. (dpa, Bernd Thissen)
Die Berichterstattung von Journalisten im Kontext rechter Demonstrationen werde erschwert, sagte Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland im Dlf (dpa, Bernd Thissen)
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Als Soldat sehe er sich – als ein Soldat des Friedens allerdings. Mahatma Gandhi. Er kämpfte ohne Gewalt, seine Waffe war das Wort.

Gandhis Prinzipien der Wahrheit und der Gewaltfreiheit sind zentrale Themen beim 84. Internationalen PEN-Kongress, der gestern im indischen Pune begonnen hat. Mit dem Schriftstellertreffen beginnt nämlich das Gandhi-Gedenkjahr – sein Geburtstag wird sich im Oktober 2019 zum 150. Mal jähren. Für das PEN-Zentrum Deutschland ist dessen Präsidentin Regula Venske in Pune. Mit ihr habe ich am Nachmittag telefoniert.

Frau Venske, regelmäßig trifft sich ja die internationale PEN-Gemeinschaft zum Kongress. In diesem Jahr in Indien – mit einem besonderen Fokus auf Mahatma Gandhi. Steht seine Person exemplarisch für das, wofür sich der PEN als Autorenverband seit bald einem Jahrhundert einsetzt?

Regula Venske: Das kann man schon sagen. Es ist der Writers-in-Prison-Beauftragte ja auch ein Inder und der beruft sich immer wieder auf Ghandi und die friedliche gewaltfreie Art, Widerstand zu leisten. Wir haben gestern aber auch ein Theaterstück gesehen über Gandhis Frau - das war auch sehr interessant - und haben an ihrer Gedenkstätte eine Schweigeminute eingelegt und ich habe auch ein paar Blumen dort niederlegen dürfen. Ja, die beiden sind sehr wichtig, und dann ist man aber auch stolz darauf, dass mit Ganesha, dem indischen Gott, eigentlich der erste PEN-Autor schon da war, denn er hat das große nationale Epos aufgeschrieben, und das ist ein wunderbarer Mythos. Indien ist voller Literatur, voller Sprachen, und es geht sehr stark auch um die Vielfalt der Sprachen.

Erschwerte Berichterstattung deutscher Journalisten

Ellmenreich: Es geht um die Vielfalt der Sprachen, sagen Sie. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Brennpunkte, wenn es um die Freiheit des Wortes geht, eigentlich an alleroberster Stelle auf der Tagesordnung stehen.

Venske: Das stimmt. Da haben wir eine ganze Reihe von Resolutionen, die erst in den nächsten Tagen natürlich richtig diskutiert und verabschiedet werden. Da sind auch die üblichen Verdächtigen dabei. Aber zum ersten Mal – dies ist jetzt ja das fünfte Jahr, dass ich teilnehme an einem solchen Kongress – habe ich selber eine Resolution über Deutschland mitgebracht und die ist schon auf sehr viel Interesse gestoßen, und da geht es darum, dass Berichterstattung von Journalisten im Kontext rechter Demonstrationen, sei es im Kontext von Pegida oder anderen vergleichbaren Demonstrationen, seither erschwert wird und dass es einige Politiker gibt und andere wichtige Autoritäten, die sich da entsprechend zu äußern. Da habe ich eine Resolution vorbereitet, über die man dann reden kann, wenn sie verabschiedet ist.

Ellmenreich: Was genau passiert denn mit der Resolution? Die steht in der Welt, wird verabschiedet und damit äußert sich PEN auch international zu den Vorfällen in Deutschland? Oder was ist das Ziel?

Venske: Wir stehen ja nicht alleine da. Es macht ja den anderen Kollegen aus anderen Ländern auch Sorgen und natürlich gibt es eine bestimmte, der Freiheit des Wortes nicht sehr zuträgliche Bewegung in vielen europäischen Ländern, aber auch sonst in anderen Ländern der Welt, und da stehen wir auch dann wiederum nicht alleine da, sondern man diskutiert hier insgesamt über das, was an allen Ecken und Enden brennt, und das ist nicht immer nur in der Ferne, sondern manchmal ja auch vor der eigenen Haustür.

Aber ich komme noch mal auf das Obertagungsthema zurück: Freiheit, Wahrheit und Vielfalt. Es geht auch immer wieder um das Positive, um die Freiheit, um die Wahrheit, um den Wert der Vielfältigkeit und der Vielfalt. Das finde ich schon sehr eindrucksvoll jetzt nach diesen zwei Tagen, die ich hier bin, dass unsere Gastgeber da wirklich auch selber mit sehr, sehr gutem Beispiel vorangehen und es wirklich eine Liebe zur Literatur ist, die uns verbindet, und Leidenschaft. Es geht auch sehr freundlich und fröhlich zu.

Erfolge der Autorenvereinigung

Ellmenreich: Das heißt, es ist nicht nur eine einzige Litanei, ein Wehklagen über die Beschneidungen der Freiheit des Wortes, sondern es gibt auch positive Best-Practice-Beispiele womöglich?

Venske: Natürlich. Gerade hat die Internationale PEN-Präsidentin Jennifer Clement einen Brief vorgelesen, den sie bekommen hat von der palästinensischen Autorin Dareen Tatour, die seit fünf Tagen aus dem Gefängnis entlassen ist, und das war ein sehr bewegender Brief. Sehr bewegend auch ein Brief von Liu Xia, den die Präsidentin des unabhängigen chinesischen PEN-Zentrums vorgelesen hat, dann in englischer Übersetzung, in dem sich Liu Xia bei dem Internationalen PEN und bei einigen Zentren insbesondere - da wurden auch wir vom deutschen PEN genannt - bedankt hat über alles, was wir über die Jahre hinweg für sie und auch Liu Xiaobo getan haben. Diese Briefe und Worte, die sind schon sehr berührend und das sind sehr bewegende Momente dann auch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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