Mittwoch, 23.09.2020
 
Seit 13:35 Uhr Wirtschaft am Mittag
StartseiteComputer und KommunikationInternet für alle22.06.2013

Internet für alle

In norddeutscher Stadt wird flächendeckendes und kostenloses WLAN eingeführt

In Norderstedt nahe Hamburg hat der örtliche Breitband-Anbieter Wilhelm Tel den Startschuss für das Projekt "MobyKlick" gegeben – ein öffentliches WLAN, das in Kürze die ganze Stadt abdecken soll. Der Internetempfang soll zudem sicher und kostenlos sein.

Von Jan Rähm

Auch auf der grünen Wiese kann in Norderstedt jetzt kostenlos gesurft werden.  (Stock.XCHNG / Victoria Clare)
Auch auf der grünen Wiese kann in Norderstedt jetzt kostenlos gesurft werden. (Stock.XCHNG / Victoria Clare)

Während Städte wie Berlin in einem regional sehr begrenzten Testversuch sind, Städte wie München öffentliche WLANs noch planen und Städte wie Augsburg solche Netze für die Bevölkerung gar ablehnen, hat das norddeutsche Norderstedt in der Nähe von Hamburg Nägel mit Köpfen gemacht.

"Heute, es war gerade wieder in einer Zeitung hier zu lesen, ist der Weg in das freie Internet, in das jedermann zugängige WLAN-Netz, eines der zentralen Themen. Viele Städte schreiben darüber, dass das doch wünschenswert wäre, dass das möglicherweise eine Aufgabe der Zukunft wäre und wir sind heute insofern einen Schritt voraus, als wir dieses bereits heute in unserer Stadt anbieten können und innerhalb eines Jahres die gesamte Stadt damit dann auch versorgt haben werden."

Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote ist sichtlich zufrieden, den Start des drahtlosen Internetzugangs namens "MobyKlick" zu verkünden. Mit MobyKlick sollen Norderstedts Bürger und Besucher kostenlos ins Internet kommen. Zwei Modelle gibt es. Das eine zielt auf die Nutzer des lokalen Glasfaser-Breitbandanbieters Wilhelm Tel ab. Laut Aussage des Unternehmens sind das fast alle Bürger der Stadt. Sie bekommen Zugangsdaten zum bestehenden Vertrag dazu und können so dauerhaft ins neue drahtlose Netz. Das zweite Modell betrifft Besucher. Sie bekommen per Gutscheinkarte oder per SMS aufs Handy einen Zugang für 24 Stunden – Verlängerung optional möglich. Beide Nutzergruppen können das in mehrerer Hinsicht besondere Netz kostenlos und ohne Volumenbegrenzung benutzen. Wilhelm-Tel-Geschäftsführer Theo Weirich:

"Zum einen hat dieses Netz eine sehr hohe Bandbreite. Also wir bieten einen Standard an 100 Mbit/s symmetrisch, wenn es ideal ist. Das hängt davon ab, wie weit man von der Zelle entfernt ist oder wie viel gerade in dieser Zelle aktiv sind."

Zweite Besonderheit des Netzes: Es ist Roaming-fähig. Das bedeutet, dass die Nutzer nahtlos und unterbrechungsfrei von Funkzelle zu Funkzelle wechseln können. Möglich macht das ein Controller, der alle Knoten steuert, erklärt der technische Planer Malte Kock.

"Das heißt, alle Access Points, die wir jetzt in der Stadt und den ganzen Geländen verteilt haben, werden zentral verwaltet. Das heißt, ich habe auch einen zentralen Punkt, der über alle Geräte Bescheid weiß. Im Hintergrund werden praktisch auch Messungen gemacht, wenn ein Gerät aus einem Bereich rausläuft und von einer anderen Antenne quasi übernommen wird, sorgt der Controller dafür, dass halt dieser Client von dem einen Access Point disconnected wird und zum nächsten Access Point auch übernommen wird."

So sollen sogar Telefonate über das Internet oder Video-Streams unterbrechungsfrei möglich sein. Die Dritte Besonderheit: Das Netz von MobyKlick ist zweigeteilt. Ein Teil ist unverschlüsselt, der andere verschlüsselt. Der unverschlüsselte und damit ungeschützte Teil ist zum spontanen Surfen – zum Beispiel auf dem Portal des Netzes. Darüber können Besucher auch die Zugangsdaten bekommen, um dann in den verschlüsselten Teil zu wechseln. Dort ist kein Nutzer für den anderen sichtbar. Malte Kock:

"Wir versuchen halt so weit es geht, Ende-zu-Ende den Kommunikationsweg zu verschlüsseln, um von vornherein die Angriffsfläche für Phishing, für irgendwelche Sachen, die versuchen, auf der Luftschnittstelle Daten abzugreifen und Kundendaten zu kompromittieren, versuchen wir damit einfach einzudämmen."

Nicht nur Datensicherheit war den Norderstedter Netzbetreibern wichtig. Sie gehen auch sparsam mit Daten um. Besucher brauchen nicht viel mehr als ihre Handynummer preisgeben. Die Daten der Wilhelm Tel Kunden liegen im Zweifel sowieso vor. Theo Weirich meint, der sogenannten Störhaftung sei damit Genüge getan.

"Mittlerweile in den zwei Jahren, wo wir das aufgebaut und getestet haben, hat sich ja die Gesetzeslage, ja zumindest was Vorratsdatenspeicherung und entsprechende Registrierung von Nutzerdaten angeht, noch nicht gefestigt. Wir brauchen aber eine gewisse Störerhaftung. Da wollen wir entgegenwirken, in dem wir sagen, die Tickets werden dann über SMS zugeteilt. Und wenn ich eine SMS an einen User verschicke, also an ein Handy, dann kenne ich seine Mobilfunknummer und kann notfalls bei einem richterlichen Durchsuchungsbefehl freigeben."

Ebenfalls kein Problem sei die Finanzierung. Denn erstens mache der stadteigene Betrieb Wilhelm Tel gute Gewinne und zweitens sei das Netz gar nicht so teuer.

"Das Wireless-LAN-Netz hier aufzubauen, kostet uns knapp unter einer Million - also noch weniger als eine Million. Und das ist verschwindend gering für den Nutzen, den es uns bringt, denn wir verkaufen damit ja auch Dienste."

Bis Ende dieses Jahres sollen Norderstedts Straßen und Plätze flächendeckend mit dem Public WLAN versorgt sein. Dann will Wilhelm Tel seine Glasfaser-Ausbaugebiete in Hamburg mit dem kostenfreien WLAN ausrüsten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk