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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie Smart Speaker Ergebnisse filtern29.05.2019

Internetbasierte SprachassistentenWie Smart Speaker Ergebnisse filtern

Auf Befehl spielen sie die Wunschmusik, lesen Zeitungsartikel: Sogenannte Smart Speakers sollen das Leben erleichtern. Sie können aber auch Bedürfnisse lenken – etwa bei der Wahl des Geschäfts für den Online-Einkauf. Französische Experten sehen genau da eine Gefahr: Filterblasen könnten entstehen.

Von Suzanne Krause

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Der Smart Speaker Google Home Max, aufgenommen am 31.08.2018 waehrend der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. (picture-alliance / dpa / Franziska Gabbert)
Die Eigenheiten der Smart Speaker brächten das Risiko mit sich, die Verbraucher einzukapseln, sagen die französischen Überwachungsgremien für den audiovisuellen Bereich in einer Studie (picture-alliance / dpa / Franziska Gabbert)
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Als Smart-Speaker-Eldorado gelten die Vereinigten Staaten. Jeder vierte US-Haushalt ist heute mit einem solchen Gerät ausgestattet. Auf Befehl spielt es die Wunschmusik, liest Zeitungsartikel und den örtlichen Wetterbericht vor, erzählt den Kindern Märchen. Ebenso leitet es die Einkaufsliste an die E-Kommerz-Plattform weiter, schließt das Garagentor und dimmt die Zimmerbeleuchtung. Diese letzteren, Domotik genannten Funktionen sind in Frankreich noch nicht erhältlich. Bislang würden die Franzosen, ähnlich wie die Deutschen, eh nur Basis-Angebote ihrer intelligenten und internetbasierten Sprachassistenten nutzen, sagt Hervé Godechon. Godechon ist beim Hohen Audiovisuellen Rat CSA für die Studie zuständig.

"Die wichtigste Studien-Lehre ist wohl folgende: aktuell gelten Smart Speaker bestenfalls als Spielzeug, schlimmstenfalls als Objekt, das Misstrauen weckt. Ich denke jedoch, dass in Smart Speakers wesentlich mehr steckt."

Smart Speakers: Steuerung rein durch Sprache

Immerhin seien die intelligenten persönlichen Assistenten die einzige Anwendung von künstlicher Intelligenz, die rein durch Sprache gesteuert werde, sagt Godechon.

"Beim sogenannten intelligenten Lautsprecher handelt es sich um eine neue Gerätschaft mit bislang eher noch schwammiger Kontur im Bereich Anwendung. Misstrauen im Umgang damit bringt wenig, besser ist es, sich damit auseinanderzusetzen, welche Anwendungen das Gerät ermöglicht, wie die Herausgeber von Inhalten entlohnt werden, welche Regeln es braucht."

77 Prozent der Nutzer intelligenter Lautsprecher haben Pay-TV-Abonnement

Smart Speaker, so die Studie, kurbeln den Konsum von kulturellen Online-Angeboten sichtbar an. 77 Prozent der regelmäßigen Nutzer von intelligenten Lautsprechern besitzen ein Abonnement bei einem Pay-TV-Kanal, einem Online-Videodienst oder auch einer Streaming-Musikplattform. Deutlich mehr als bei den Franzosen, die nur über herkömmlichen Internetzugang verfügen – da sind es lediglich 46 Prozent.

Als zukunftsträchtiges Medium gilt das Hightech-Gerät auch Hörbuch-Verlagen, Radio- und Fernsehsendern sowie Pressehäusern. Als problematisch jedoch bezeichnen die französischen Überwachungsgremien eine Eigenheit des intelligenten sprach-basierten Lautsprechers: Er ist keine Suchmaschine, sondern eine Antwort-Maschine. Die auf Zuruf nur eine einzige Referenz anbietet – die zumeist zuvor wie eine Smartphone-App installiert wurde.

"Der Kunde muss wissen, was er will. Dafür muss er wissen, welche Produkte auf dem Markt sind und wie man im App-Store an sie herankommt. Entscheidend dabei ist die Frage, wie ein Herausgeber von Inhalten da aufgelistet wird. Da kommen kommerzielle Abkommen ins Spiel. Wir als Regulierungsorgan müssen darauf achten, dass jeder Anbieter seinen Platz findet und nicht nur die Größten wie Amazon und Google vertreten sind."

Die Entwicklung neuer Service-Dienste für Smart Speaker sei unerlässlich, um ein breitgefächertes Angebot zu garantieren, heißt es in der französischen Studie. Denn, Zitat: 'Die Eigenheiten der Smart Speaker, insbesondere die Interaktion per Sprache  und die Fokussierung auf gewisse Akteure, bringen das Risiko mit sich, die Verbraucher einzukapseln. Dieses Risiko wird verschärft durch den niedrigen Informationsstand bei den Verbrauchern und dadurch, dass Nutzer die vorgegebenen Einstellungen nur selten ihrem persönlichen Gebrauch anpassen.' Zitat Ende. Soll heißen: Diese Technologie kann zum Aufbau von Filterblasen beitragen.

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