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StartseiteTag für Tag„Hier der Turban, dort das Dirndl" 22.08.2019

Interreligöse Tafel bei „Religions for Peace“„Hier der Turban, dort das Dirndl"

Wie können Vertreter unterschiedlicher Religionen zusammenarbeiten? Ohne Konflikte. Darum geht es bei der Weltversammlung von „Religions for Peace“ in Lindau. Viele der 900 Delegierten trafen sich mit der Lindauer Bevölkerung zu einer gemeinsamen „Tafel“ unter freiem Himmel.

Von Thomas Wagner

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Die interreligöse Tafel zur Konferenz "Religions for Peace" in Lindau (Deutschlandradio / Thomas Wagner)
Bei der interreligösen Tafel kommen die Lindauer Bevölkerung und Delegierte der Konferenz "Religions for Peace" zusammen (Deutschlandradio / Thomas Wagner)
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Der Marktplatz der Bodensee-Stadt Lindau gestern Abend: Über 700 Frauen und Männer nehmen sich Essen und Trinken von der langen Tafel, die sich durch die Mitte zieht. Etliche tragen Turban, manche kommen in Priestergewändern auf den Platz – und  das ist längst noch nicht alles:

"You have the very interesting dress? – Oh, it’s an interesting design!"

Ein bayerisches Dirndl hat Shakirava Neila aus der zentralasiatischen Kirgistan noch nie aus der Nähe gesehen. Sie ist eine von über 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Weltversammlung der Vereinigung "Religions for Peace – Religionen für den Frieden".

"Gemeinsam etwas anpacken"

"Ich bin hier mit meinem Kollegen, der ist Moslem. Ich selbst bin Christin und arbeite als Pastorin bei der protestantisch-methodistischen Kirche", sagt Shakirava Neila. "Wir helfen gemeinsam den Kindern armer Familien. In diesem Moment sprechen wir - die Vertreter unterschiedlicher Religionen - mit keinem Wort über unsere Glaubensunterschiede. Wenn wir gemeinsam etwas anpacken, ist das wie eine große Brücke der Freundschaft."

So sollte es eigentlich sein, so will es auch "Religions for Peace". Nur: Nicht überall auf der Welt werden solche interreligiösen Brücken der Freundschaft stabiler. Antoni Sami ist Kapuziner in Indien:

"Die Beziehungen zwischen den Religionen ist gut. Aber in den letzten Jahren beginnt langsam ein Fundamentalismus. Manche sagen: Indien ist nur für Hindus, andere müssen einfach zurücktreten – das ist schade!"

Für den indischen Kapuzinermönch gibt es nur eine Gegenstrategie: Im Gespräch bleiben.

"Viele, wie sagt man, 'prejudices‘, viele Missverständnisse, muss man wegnehmen. Das geht nur über arbeiten, sprechen, besuchen."

"Religionen waren nicht immer Instrumente des Friedens"

"Beim Essen stören möchte ich nicht. Aber da gäbe es viele Fragen. Sabine, komm, Du kannst Englisch. Die dahinten wollten nur Apfelsaft und Wasser."

Unbeschwerte Stimmung entlang der Tafel mitten in der Lindauer Innenstadt. Aber:

"Religionen waren nicht immer Instrumente des Friedens, auch sind sie es nicht immer. Sie können missbraucht werden."

Gibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zu bedenken. Gerade vor diesem Hintergrund seien interreligiöse Treffen wie das in Lindau bedeutsam.

"Es ist wichtig, dass solche Initiativen da sind und auch eine Verpflichtung eingehen, in ihren Religionen dafür zu sorgen, dass Religionen Instrumente von Dialog, Respekt und Frieden sind – und nicht von Hass, Gewalt und Unterdrückung."

"Konkrete friedensstiftende Maßnahmen umsetzen"

Konflikte als Folge religiöser Gegensätze zu beenden, ist ein sehr konkretes Ziel in Lindau. William Vendley, Generalsekretär von "Religions for Peace", glaubt, dass man diese Woche am Bodensee ein gutes Stück weitergekommen sein wird:

"Die religiösen Anführer von Myanmar sitzen gerade zusammen, beraten, unter dem Schutzschirm dieser Versammlung. Und genauso machen das im Moment die religiösen Vertreter vom Kongo. Und sie werden danach zurückkehren in ihre Herkunftsländer, mit besserem Verständnis füreinander, um gemeinsam konkrete friedensstiftende Maßnahmen umzusetzen."

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