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StartseiteKommentare und Themen der WocheWeltklima: Die Zeit zum Handeln ist gekommen08.08.2019

IPCC-BerichtWeltklima: Die Zeit zum Handeln ist gekommen

Der Weltklimarat hat in seinem Sonderbericht eine klare Diagnose gestellt: Zahl, Dauer und Intensität von Wetterkatastrophen werden zunehmen. Die weltweit 820 Millionen unterernährten Menschen drohen um mehr als die Hälfte anzuwachsen. Die Politik muss endlich handeln, kommentiert Georg Ehring.

Von Georg Ehring

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Die verwüsteten Straßen von Beira in Mosambik nach dem Zyklon im März 2019: Weltweit werden solche Wetterkatastrophen zunehmen. (CARE / AP Photo / Josh Estey)
Die verwüsteten Straßen von Beira in Mosambik nach dem Zyklon im März 2019: Weltweit werden solche Wetterkatastrophen zunehmen. (CARE / AP Photo / Josh Estey)

Schon bei zwei Grad Erwärmung schaffen Hitzewellen, Dürren und plötzliche Regengüsse große Risiken für die Lebensmittel-Versorgung. Das ist vielleicht der Kernsatz im Sonderbericht des Weltklimarates IPCC über die Folgen des menschengemachten Klimawandels für die Landnutzung. Es geht also wirklich ans Eingemachte. Zumal wir derzeit auf noch höhere Temperaturen zusteuern: Die Welt bewegt sich mit Riesenschritten in Richtung drei Grad Erwärmung und auch dabei bleibt es nur, wenn alle Staaten ihre selbst gesetzten Klimapläne auch umsetzen. Also auch die USA und Brasilien, die das gar nicht vorhaben und Deutschland, das sich wie viele andere Staaten auch zwar hohe Ziele setzt, aber den Worten dann kaum Taten folgen lässt. Bei drei Grad Erderwärmung droht laut IPCC allerdings nicht nur weit verbreiteter Hunger, es drohen auch Verwüstung auf breiter Fläche, riesige Waldbrände und Wasserknappheit in trockeneren Regionen.

Vernünftig, aber auch weltfremd

Die Wissenschaft hat also wieder einmal einen Weckruf  gestartet – den wievielten eigentlich? Fünf umfassende Sachstandsberichte hat allein der Weltklimarat seit 1990 verfasst, alle mit alarmierenden Ergebnissen. Dazu diverse Sonderberichte, im vergangenen Jahr ging es um einen Stopp der Erwärmung bei 1,5 Grad – verglichen mit zwei Grad hätte das unter anderem den Vorteil, dass auch unsere Enkel noch die Chance hätten, ein Korallenriff live zu erleben.

Was ist also zu tun? Die Empfehlungen der Wissenschaftler wirken vernünftig, doch zum Teil leider etwas weltfremd. Zum Beispiel die Empfehlung, dort neue Wälder zu pflanzen, wo die Lebensmittelproduktion nicht verdrängt würde – das wäre zwar vernünftig. Doch die Urwälder werden weiter in ungeheurem Tempo abgeholzt und dies müsste zunächst gestoppt werden.

Handeln in Deutschland noch wichtiger

Weniger Fleisch essen – auch das wäre vernünftig und es hätte immerhin den Vorteil, dass es jeder in Eigenregie umsetzen  kann, auch ohne auf eine Mehrwertsteuererhöhung zu warten. Angesichts der Klimakrise ist es erforderlich, lieb gewonnene Konsumgewohnheiten, nein, nicht nur zu überdenken, sondern über Bord zu werfen. Denn von weltweit wachsender Lebensmittelknappheit sind auch wir irgendwann betroffen. Zumindest in Form von Preiserhöhungen - solange wir Geld genug haben, bei Missernten Lebensmittel im hoffentlich gerade weniger betroffenen Ausland einzukaufen.

Mehr Effizienz in der Landwirtschaft, weniger Verschwendung und ein Ende der Überdüngung, all diese Empfehlungen sind vernünftig. Doch auch wenn eine bessere Landnutzung Teil der Lösung ist: Gerade bei uns in Deutschland ist es noch wichtiger, den Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell und drastisch zu verringern. Und damit sind wir beim Schwarzbrot der Klimapolitik, also bei den Aufgaben, vor denen sich auch unsere Bundesregierung schon so lange drückt: Kohlekraftwerke abschalten, Verbrennungsmotoren für Autos auslaufen lassen, die Wärmedämmung von Häusern fördern. Die Techniken sind vorhanden – vielleicht fördert jetzt der Sonderbericht des IPCC den politischen Willen, sie auch entschlossen zu nutzen.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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