Sonntag, 20.10.2019
 
Seit 10:05 Uhr Gottesdienst
StartseiteKommentare und Themen der WocheSäbelrasseln mit ausgestreckter Hand 22.09.2019

Irans Außenpolitik Säbelrasseln mit ausgestreckter Hand

Irans Präsident Hassan Rohani hat den Staaten am Persischen Golf eine „Koalition der Hoffnung“ angeboten – einen Plan für Sicherheit und Frieden. Eine Kehrtwende in der iranischen Außenpolitik sei das noch lange nicht, kommentiert Karin Senz, sondern lediglich Strategie.

Von Karin Senz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Rohani sitzt in einem Sessel und lächelt, hinter ihm eine iranische Flagge. (SPUTNIK/AFP/Alexey DRUZHININ)
Der iranische Präsident Hassan Rohani hat einen Friedensplan für die Straße von Hormus vorgeschlagen (SPUTNIK/AFP/Alexey DRUZHININ)
Mehr zum Thema

USA und Iran Trump demonstriert Zurückhaltung im Iran-Konflikt

Politologin Stelzenmüller "Trump steht unter Druck wie nie zuvor"

Der Tag Wankt Trump in einen Iran-Krieg?

Annäherung Iran und USA Ökonom: "Eine Beruhigung in der Weltwirtschaft"

CDU-Politiker zu Iran-Krise Nicht zurückhalten, sondern politisches Signal setzen

USA und Iran Die Krise am Persischen Golf wird weiter eskalieren

Der iranische Außenminister Muhammad Dschawad Sarif hat in einem Interview diese Woche sein Land ganz gut beschrieben: Es sei durch die harten Bedingungen kreativ und zäh geworden. Allerdings sind die Iraner nicht kreativ, sondern auch gerissen, gefährlich gerissen. Das zeigt sich jetzt wieder besonders. Sie wollen sich für mögliche Verhandlungen eine gute Position verschaffen. Und daran arbeiten sie mit allen Mitteln.

Präsident Hassan Rohani bietet eine "Koalition der Hoffnung" an – wie er sie selbst nennt. Mit anderen Ländern der Region wolle er für die Sicherheit am Persischen Golf und im Golf von Oman sorgen. Und Ruhani ging noch weiter. Man wolle allen Nachbarn die Hand reichen als Zeichen der Freundschaft und Brüderlichkeit. Auch Irans Erzfeind Saudi-Arabien ist ein Land dieser Region.

Keine außenpolitische Kehrtwende

Eine Kehrtwende in der iranischen Außenpolitik ist das noch lange nicht. Es ist Strategie. Rohani hat das Poltern nur einem anderen überlassen.

Keine 24 Stunden vorher drohte der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, bei einem Angriff mit einem massiven Gegenschlag. Man werde nie einen Krieg auf iranischem Boden zulassen. Das Land des Angreifers würde zum Hauptschlachtfeld. Salami spottete sogar: "Heutzutage sind wir so mächtig", sagte er, "dass wenn irgendwo was passiert, es immer uns zugeschrieben wird."

Der Iran hat Öltanker in der Straße von Hormuz festgehalten. Erst heute, nach über zwei Monaten, soll die britische Stena Impero weiterfahren dürfen. Ihren eigenen Supertanker, der vor Gibraltar beschlagnahmt worden war, haben sie dagegen schon vor über einem Monat frei bekommen. Sie haben schriftlich versichert, dass das Öl an Bord nicht nach Syrien geht. Seit Anfang des Monats gibt es keine Position des Schiffs mehr. Die USA behaupten, das Öl sei nach Syrien verkauft worden, legen dafür aber keine Beweise vor. Man fragt sich, wie ein Supertanker, der vollbeladen nicht durch den Suez-Kanal passt, einfach verschwinden kann.

Der Iran reizt die USA bis aufs Blut – immer mit dem Hintergedanken, dass Trump keinen Krieg im Nahen Osten brauchen kann. Dabei lotet er Schritt für Schritt die Grenzen aus – bis jetzt erfolgreich. Trump droht zwar, verlegt Truppen und militärisches Gerät in die Region, reagiert aber auf die Angriffe auf saudische Ölanlagen nur mit weiteren Sanktionen. Wie in vielen Fällen bleibt er Beweise schuldig für seine Behauptung, der Iran sei der Drahtzieher gewesen. Manch einer mutmaßt, das könnte Absicht sein. Denn bei eindeutigen Beweisen müsste er wohl schon wegen des Drucks im eigenen Land Vergeltung üben.

Verhandlungsposition des Iran gestärkt

All das stärkt die Verhandlungsposition des Iran. Aber auch Teheran steht zuhause unter Druck. Denn die eigene Bevölkerung leidet unter den Sanktionen. Die Zeichen stehen auf baldige Gespräche – wenn auch nicht zwischen Rohani und Trump am Rande der UN-Vollversammlung, wie ja mal spekuliert wurde. Dafür scheint es noch zu früh. Aber die Außenminister der verbliebenen Partner des Atomabkommens wollen in New York mit Sarif zusammenkommen, heißt es.

Bei Verhandlungen muss der Iran sich bewegen und etwas anbieten. Wenn der Tanker Stena Impero heute weiterfahren darf, wäre das ein erstes Signal – so direkt vor der Reise Rohanis zur UN. Aber auch größere Brocken, wie das Engagement bei den Kriegen in Syrien und im Jemen liegen auf dem Tisch – das ist das optimistische Szenario.

Das pessimistische ist, dass eine der provokanten Aktionen plötzlich doch Trumps Schmerzgrenze verletzt. Dann geht es nicht mehr um Verhandlungspositionen, dann braucht es auch keine Koalition der Hoffnung mehr. Denn dann geht es um Krieg mit vielen Opfern.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk