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StartseiteCorso"Ich mache meine Variante von Popmusik"01.05.2017

Ironie als Stilmittel"Ich mache meine Variante von Popmusik"

Er spielt im Rundfunktanzorchesters Ehrenfeld für die ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" und ist am Piano auf dem aktuellen Album von Pete Doherty zu hören: Albrecht Schrader. Nun veröffentlicht der Musiker sein Debüt "Nichtsdestotrotzdem". Ob und wie das ankomme, das dürfe eigentlich gar keine Rolle spielen, sagte er im Corsogespräch.

Albrecht Schrader im Corsogespräch mit Sigrid Fischer

Der Musiker Albrecht Schrader bei einem Konzert im Monarch, Berlin. (imago / Votos-Roland Owsnitzki)
Der Musiker Albrecht Schrader bei einem Konzert im Monarch, Berlin. (imago / Votos-Roland Owsnitzki)
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Sigrid Fischer: Nichtsdestotrotzdem sitzt er donnerstags am Piano bei Böhmermann im Neo Magazin Royal als Teil des Rundfunktanzorchesters Ehrenfeld. Er war auch Teil vom Herrenmagazin-Album Sippenhaft,  und von Pete Dohertys aktuellem Album Hamburg Demonstrations – ebenfalls als Pianist.  Und jetzt ist Albrecht Schrader  nicht Teil von – sondern sein eigenes Soloprojekt: Nichtsdestotrotzdem erscheint am 5. Mai. Guten  Tag bei Corso – Kunst und Pop Albrecht Schrader.

Albrecht Schrader: Hallo. Guten Tag.

Fischer: Ja, "Mehr Pop geht nicht", das schreibt die Plattenfirma als letzten Satz in der Ankündigung zu diesem Album. Und ich habe es mal ironisch aufgefasst?

Schrader: Ja, muss man nicht. Also es ist auch ein durchaus unironisches Bekenntnis zu meiner Liebe zum Pop.

Fischer: Ja. Die Frage ist, was erwartet der Mensch, der den Begriff Popmusik hört. Also der hört, Albrecht Schrader macht Popmusik. Was denkt man dann? Bei Popmusik denkt man wahrscheinlich fälschlicherweise ja an sowas immer gleiches.

Schrader: Ja, das kann natürlich sein. Aber wenn mich Leute fragen, was machst du für Musik, dann sage ich immer, ich mache meine Variante von Popmusik.

Fischer: Das ist gut.

Schrader: Genau.

Stilmittel Ironie

Fischer: Variante von Popmusik. Aber man könnte auch sagen, Sie besetzen so eine Pop-Nische vielleicht, weil Sie zum Beispiel als Stilmittel auch viel die Ironie einsetzen in den Texten zum Beispiel. Und Ironie, sagt man immer, verstehen ja viele Leute nicht. Also damit schränkt man schon so ein bisschen die Zielgruppe ein vielleicht.

Schrader: Ja. Also wenn ich mal zum Beispiel Randy Newman nehme, der sehr, sehr ironische bis zynische Texte geschrieben hat, dann ist das ja einfach eine zusätzliche Ebene, die da ist. Also es gibt auch Leute, die diese Songs vollkommen geradlinig rezipieren und ganz toll finden. Und manche finden halt dann in diesen Texten da irgendwelche Zweitebenen. Und das finde ich spannend, wenn das passiert, sowohl bei mir, als auch hoffentlich bei meinen Hörerinnen und Hörern.

Fischer: Das ist die große Kunst. Genau, einige hören einfach drüber weg über diese zweite Ebene und andere kriegen sie.

Schrader: Ja.

Fischer: Übrigens, musikalisch finde ich das Album auch manchmal ironisch, zum Beispiel bei dem Titelstück, das wir gerade gehört haben. Und da habe ich mir gedacht, kann man eigentlich ironische Musik machen? Kann man das?

Schrader: Ja, ich glaube schon. Also da ist dann die Grenze zur Albernheit oder zur Parodie sehr gefährlich würde ich dann mal sagen. Also wenn man einzelne Parts etwas überzeichnet und herausstellt, so auch von ihrer Herkunft, dann kann das schon ironisch sein. Aber das ist eigentlich gar nicht meine Absicht.

Wir haben noch länger mit Albrecht Schrader gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Fischer: Wenn man so arbeitet wie Sie, dann darf man nicht unbedingt auf den Echo hoffen - Jan Böhmermann hat das ja neulich vorgemacht, wie Echo-Hits gemacht sind: Mehr so von der Stange.

Schrader: Ja.

"Es ist toll den eigenen Song im Radio zu hören"

Fischer: Aber dann folgen Sie wahrscheinlich der Liedzeile, die wir da eben gehört haben: 'Es kommt darauf an, dass du sagst, ist mir egal'.

Schrader: Ja. Es muss einem sehr, sehr, sehr, sehr vieles egal sein, wenn man überhaupt sich entscheidet, in diesen Zeiten, unter diesen Bedingungen Musik zu veröffentlichen. Die Art und Weise, wie das aufgenommen wird, die sollte einem so egal wie möglich sein finde ich. Also es ist natürlich unmöglich, dass es einem komplett egal ist, das darf es vielleicht auch nicht, man soll natürlich an seine Zuhörerschaft denken. Aber ob und wie das ankommt, das darf eigentlich gar keine Rolle spielen.

Fischer: Spielen Radios Ihre Musik? Sie hatten ja diesen 'Leben in der Großstadt' mit Video dabei, also, kennt man.

Schrader: Das hat radiomäßig ganz gut funktioniert, ja. Was mich auch selber überrascht hat. Also es gab einige Sender, die ich auch selbst schätze, die das tatsächlich gespielt haben das Lied. Was das jetzt bei den Hörern noch für eine Rolle spielt, das kann ich irgendwie nicht einschätzen. Aber es ist so dieser Klassiker: Man freut sich, wenn der Song dann im Radio läuft. Also ich habe ihn tatsächlich auch dann einmal zufällig gehört, das war natürlich schon toll.

"Ich habe mich lange und intensiv mit Musik beschäftigt"

Fischer: Sie haben, unter anderem, historische Musikwissenschaft studiert. Und ich habe mich gefragt, steht die Tatsache, dass Sie das studiert haben in einer Beziehung zu der Musik, die Sie jetzt heute machen. Gibt es da noch eine Beziehung oder sagen Sie, nein, das war mein Studium.

Schrader: Das Musikwissenschaftsstudium hat mit meiner Praxis als Musiker eigentlich gar nichts zu tun. Das war halt ein geisteswissenschaftliches Studium. Was auf jeden Fall gut für mich war und was ich auch genossen habe, war, sich einfach mal eine Zeit lang sehr intensiv mit Musik zu beschäftigen. Und auch mal was, wo man selbst nicht drauf kommen würde. Also ich hätte mich mit französischer Hofmusik zu Ludwig XIV. privat glaube ich eher nicht beschäftigt. Und ein bisschen was habe ich davon erfahren und das hat mein Interesse natürlich auch angeregt.

Zusammenarbeit mit Pete Doherty

Fischer: Sie haben ja mit Pete Doherty Musik gemacht tatsächlich, im aktuellen Album "Hamburg Demonstrations" haben Sie das Klavier gespielt in einigen Stücken. Wie ist denn das zustande gekommen? Okay, Sie sind Hamburger, das ist in Hamburg aufgenommen. Ist das der einzige banale Grund?

Schrader: Naja, der Studiobetreiber und Produzent Johann Scherer ist ein Schulfreund von mir. Und dann kam das irgendwie. Er schrieb mir irgendwann eine SMS, 'ja es könnte sein, dass ich das Peter Doherty Album mache', und ich habe es einfach nicht so richtig geglaubt. An Ostern 2014 glaube ich kam eine SMS, 'wir fangen Montag an, kannst du nach Hamburg kommen'. Und dann habe ich mir schnell was gepackt, habe mir im Auto die Demos angehört und dann waren das sechs, sieben Tage, dann passierte das auf einmal.

Fischer: Und dieser Peter Doherty, der fand das dann auch alles toll?

Schrader: Ich sage mal ehrlich, ohne ihm auf die Füße treten zu wollen: Er war nicht so häufig da. Aber wenn er da war, hat es Spaß gemacht und es hat ihm auch sehr gefallen, ja.

Bandgründung für die Show

Fischer: Albrecht Schrader. Der Brot- und Butterjob, der passiert also Donnerstags. Wir können zusehen, bei Böhmermann, mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld. Was ist das eigentlich für eine Formation?

Schrader: Das sind mit mir und meinem Partner Lorenz Rhode - wir machen das zu zweit, die musikalische Leitung -  15 Musikerinnen und Musiker, die wir zusammengestellt haben,  und wir haben jede Woche ein neues Pensum an Musik. Es ist jedes Mal ganz aufregend. Montag, Dienstag, Mittwoch wird sehr, sehr hart daran gearbeitet und dann haben wir sehr wenig Zeit, um das einzustudieren. Und dann geht es On Air und dann kommt die nächste Sendung und so geht es...

Fischer: Also existieren Sie gar nicht außerhalb dieser Sendung?

Schrader: Nein, wir haben uns dafür gegründet. Das war eigentlich der Auftrag von der Redaktion, also: sucht mal. Also es ist total toll. Und jede Woche anders.

Engagement gegen Rechts

Fischer: Auf eine Sache muss ich Sie noch ansprechen Albrecht Schrader, Sie haben teilgenommen an der Aktion "Kein Kölsch für Nazis", die jetzt neu aufgelegt wurde zum AfD-Parteitag. Das war dann auch irgendwie doch nicht egal.

Schrader: Ich war leider krank, deswegen war das jetzt vielleicht nicht mein glänzendster Auftritt. Aber es war ein schönes Gefühl, daran teilzunehmen und auch an diesem insgesamt ja friedlich verlaufenden Tag irgendwie mitgemacht zu haben.

Fischer: Nichtsdestotrotzdem.

Schrader: Richtig.

Fischer: Passt immer dieses Wort. Das Debütalbum von Albrecht Schrader heißt aber so, erscheint jetzt am fünften Mai, also kommenden Freitag. Ab 22. Mai geht es damit auf Tournee: Berlin, Hannover, Hamburg, Heidelberg, Köln und so weiter und so weiter. Viel Erfolg damit.

Schrader: Dankeschön.

Fischer: Vielen Dank.

Schrader: Danke für das Gespräch.

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