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StartseiteCorsoWir sind Big Brother!20.03.2020

Is was?! Aufreger der WocheWir sind Big Brother!

Dieses Virus ist völlig am Markt vorbei! Unnötig, unerwünscht, trotzdem findet es statt. Es ist da wie ein Volksmusikkonzert im Fernsehen: Das mag ebenfalls keiner, wird aber auch übertragen. Na ja - es gab schon passendere Vergleiche. Das Virus ist leider eine neue Erfahrung, die ratlos macht.

Von Stefan Reusch

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Wandbild von "Big Brother": Szene aus der britischen Verfilmung von George Orwells "1984" in den 1950er-Jahren.  (imago / United Archives )
Hat der Virus ein Gesicht? Oder ist das eine Einladung zum Bolsonaro-Geburtstag? (imago / United Archives )
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Überraschende Neuigkeit am letzten Dienstag: Das Virus ist auf dem Vormarsch, es ist gefährlich, es gibt Tote in Deutschland. Und das war eine überraschende Neuigkeit? Am Dienstag? Ja. Für die Bewohner des Big-Brother-Camps schon. Sie waren seit Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Gänzlich ahnungslos! Die Glücklichen - möchte man sagen. Na ja. Das einzige, was sie uns voraus haben, ist: Sie wissen wie Ausgangssperre geht.

Wiedervereinigung

Im Umkehrschluss: Ihre Big-Brother-Exklusivität ist Geschichte. Von wegen: "Ohne Außenkontakt, auf engem Raum zusammenleben mit wildfremden Menschen." Das tun jetzt viele. Ganze Familien, voll die Vereinigungs-Challenge. Eben noch jeder ein eigenes Leben, jetzt ist man zusammengezogen, mit allen. Zusammengezurrt. Ganztags. Kurz: Die Big-Brother-Challenge wird Alltag. Hätte nicht wenigstens die Bachelor-Challenge-Alltag werden ... ach, Quatsch. Obwohl? Egal.

Fest steht: Mit den Big-Brother-Kandidaten wissen nun auch die letzten Menschen auf diesem Planeten: Das Virus ist da und gefährlich und ...  Abgesehen vom brasilianischen Präsidenten  Bolsonaro, der größte Narr der Corona-Zeit. Der Herr Coro-Narro - äh, Bolsonaro - will große Fete machen. Er hat Geburtstag, morgen, und seine Frau übermorgen, und das werden, sagt er, "zwei Tage Party sein".  Der Mann ist volksnah, sehr nah am Volk, ist halt ein fescher Handshake-Bussi-Bolsonaro, ein Rundum-sorglos-Virenschutz, der keine Festplatte braucht. Weil er auch keine hat. Sonst hätte er ja irgendwas gespeichert. Irgendwo. Er war in den letzten Wochen ja nicht von der Außenwelt abgeschlossen - warum eigentlich nicht?

Haben wir was?

Okay, okay, bitte, soll er feiern, wir haben jetzt andere Probleme. Wir haben mit diesem Mann ein Problem gemeinsam. Aber WIR haben ein anderes Problembewusstsein. Nee, auch nicht. Aber wir haben ... wir haben Frühling! Das heißt: Raus an die Luft, alle!. Endlich im Park sitzen - angrillen, anbaggern, anfassen!

Und jetzt, liebe Big-Brother-Insassen, ihr armen Schweine. Die einen erzählen euch was vom Ernst der Lage, die andern tanzen im Park als wäre er kein Vulkan – geht schnell wieder in euer Camp, schließt gut ab, sonst werdet ihr noch ganz bolsonarrisch.

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