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StartseiteCorsoDer satirische Wochenrückblick08.04.2016

Is was!?Der satirische Wochenrückblick

Es sind keine guten Zeiten für Radiosprecher und -moderatoren. Denn: Verschlusslaute wie in Panama Papers oder komplizierte Namen wie Sigurður Ingi Johansson und Sigmundur Davíð Gunnlaugsson - das mögen wir gar nicht. Aber man sucht sich die Themenlage nicht aus.

Von Sigrid Fischer

Der Schriftzug «Panama» am Briefkasten eines Wohnhauses  (dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand)
Über Briefkastenfirmen wird weiterhin heftig diskutiert. (dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand)

Pan Pan Panama Papers, Gunnlaug-Gunnlaug-Gunnlaugsson

Es nervt ja schon lange, dass man oft kilometerweit bis zum nächsten Briefkasten laufen muss, weil die Post fast alle abmontiert hat. Aber bis nach Panama?? Wo sie die offenbar alle wieder hingehängt hat? Das ist viel verlangt, trotzdem setzen sich scharenweise Menschen dahin in Bewegung, auf der Suche nach noch mehr Rendite und unbehelligt von staatlicher Kontrolle. Kein Registrierungszwang, kein Rückführungsabkommen über die verschobenen Vermögen, weder Orban noch Seehofer halten die Wirtschaftsflüchtlinge auf. Und keiner sieht unsere Sicherheit bedroht durch diese Parallelwelt, zu der auch die Justiz keinen Zutritt hat. Warum die Medien da jetzt allerdings so einen Aufriss machen – mit unzähligen Eigenprodukten? Als ob sie da eine sensationelle Neuigkeit aufgetan hätten. Hey, sogar der Finanzminister gibt zu, dass er längst Bescheid weiß. Schäuble:

"Wir sehen natürlich immer wieder, dass solche Möglichkeiten massenhaft missbraucht werden."

Aber das ist noch kein Grund, etwas dagegen zu unternehmen. Im globalen Wettbewerb haben unsere Banken schließlich das gleiche Recht, Fiskalterrorismus zu unterstützen, wie alle anderen auch. "Terrorisme fiscal", das steht vorne auf der aktuellen Charlie Hebdo-Ausgabe. Bis jetzt ohne strafrechtliche Verfolgung. Ja, Satire hat ihre Grenzen, je schmählicher, desto sträflicher, das hat Jan Böhmermann letzte Woche erklärt und vorgemacht. Der ZDF-Justiziar hatte wohl gerade Urlaub. Und jetzt ermittelt die Staatsan-waltschaft Mainz gegen ihn wegen des Verdachts der Beleidigung von Erdoganen - was? Ach nee, wegen der Beleidigung von Organen ausländischer Staaten. Des einen Leid, der anderen Freud: die deutsche Kanzlerin hat sich über den Böhmer-Schmäh gefreut. Jetzt konnte sie sich im deutsch-türkischen Satirestreit doch noch zu Wort melden und Partei ergreifen - für den türkischen Präsidenten. Bravo, Böhmermann! Grimmepreisverdächtig - geht anders. Zum Beispiel Varoufake, sieht man bei der Verleihung heute Abend, übrigens ohne Böhmermann, er geht nicht hin, wegen innerer Erschütterung. 'Nen Schuss Selbstkritik dazu, könnte helfen. Einen für Euch, einen für uns, der Flüchtlingstauschhandel zwischen EU und Türkei ist auch nicht preiswürdig, der ist unwürdig, sagen die Gegner. Wie EU-Abkommen in der EU generell gerade nur auf Gegner stoßen.

NEE - es sind diese drei Buchstaben, vor denen die EU zittert

Wer breite Zustimmung will, soll es mal mit unverfänglichen Weihnachtsplatten probieren, mehrsprachig, und das Echo wird gewaltig sein. So wie gestern Abend: einen für die Helene, einen für die Fischer, noch einen für die Helene, noch einen für die Fischer…

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