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StartseiteTag für TagHip-Hop für Allah11.03.2020

Islam-PopHip-Hop für Allah

Macho-Gehabe, goldene Uhren, dicke Autos - das gehört zum Hip-Hop. Muslimische Musiker preisen auch das wilde Leben, aber es soll halal sein. Sie versprechen ihren Fans: Der Islam macht spirituell reich. Vom Chart-Hit "Havanna" gibt es eine Halal-Version - eine Hymne auf die heilige Stadt Medina.

Von Luisa Meyer

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Der muslimische Singer-Ssongwriter Maher Zain bei einem Konzert in Cape Townim Jahr 2018.  (imago images / ZUMA Press)
Der muslimische Singer-Songwriter Maher Zain (imago images / ZUMA Press)
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"No, I ain't sellin' no dope / Holy Quran in my coat / Hop in the Maro like Hamdulillah / Count this deniro like Hamdulilah / Check my apparel like Hamdulillah / I’m fly as a sparrow like Hamdulillah." (Shadi Akhi ft. Deen Squad: "Alhamdullilah")

"Nee ich verkauf kein Dope, hab den Heiligen Koran im Mantel", singt das kanadische Duo Deen Squad, zusammen mit dem Rapper Shadi Akhi. Im Musikvideo zum dem Song "Alhamdullilah" zieht Shadi Akhi an der Stelle einen goldverzierten Koran aus der Innentasche seiner Jacke. In den Liedern von Deen Squad geht es vor allem um den einen: "Allah!"

Sie singen von Spiritualität und Glaube als Rezept – zum Reich- und Erfolgreich-Werden.

"Hamdulillah, praise be to God / I was eating crumbs, now I'm living large."

"Lobe Gott, ich habe Krümel gegessen, jetzt habe ich ein großes Leben."

Wildes Leben halal

Der Traum vom großen Geld ist ein zentrales Motiv im Hip-Hop, auch bei christlichen und atheistischen Musikern. Die Sänger von Deen Squad posieren im Video mit schicken Autos – aber bei ihnen soll das wilde Leben bitte halal sein. Der Sänger Jae Deen ist zum Islam konvertiert, er hat Arabisch gelernt und den kompletten Koran abgeschrieben und übersetzt. Er zelebriert den Islam in seiner Musik als Lösung, als Sinn des Lebens.

Auch in diesem Lied, einer Neudichtung auf die Melodie von "Havanna oh nana". "Madinah ooh na-na", die Musiker preisen die im Islam heilige Stadt Medina.

"In Madina, ooh na-na / I pray you take me to Madina, ooh Allah / Oh ya rasool inta mawlana, oh na na / I pray you take me to Madina / My heart is in Madina." (Deen Squad: "Madina oh nana")

Hotspots USA und Frankreich

Diese Musik ist Teil einer globalen islamischen Popkultur – kurz Islam-Pop. Es gibt schon lange muslimische Musiker, die über ihren Glauben singen. Viele Größen des amerikanischen Hip-Hop sind Muslime: Afrika Bambaataa, Public Enemy, Mos Def, Lupe Fiasco. Ihre Ikone: Malcolm X, der schwarze Bürgerrechtler und bekennende Muslim. Zweiter Hotspot neben den USA für islamisch inspirierten Hip-Hop ist Frankreich.

In beiden Ländern geht es in der Musik um den Kampf gegen die soziale Benachteiligung, gegen Vorurteile. Und darum, einen Platz in einer Gesellschaft zu finden, die dem Islam nicht immer offen gegenübersteht. Gerade deswegen betonen viele Musiker – wie auch Deen Squad - das, was gut ist am Islam. Islamwissenschaftler Albrecht Fuess von der Uni Marburg sagt:

"Ich glaube, dass das hier durchaus eine Rolle spielt, sich in einer Minderheit einer Mehrheit anzuschließen. Einem Diskurs, der dann auf einem positiven Weg bringt, wo man sagt: Hier, es gibt doch das Spirituelle im Islam und das, was die Mehrheitsgesellschaft von uns denkt, ist ohnehin immer nur negativ. Dem brauchen wir gar nicht zu entsprechen. Lasst uns den eigenen Weg suchen und dann wird sich die Mehrheitsgesellschaft zu uns auch wieder öffnen, wenn wir gute Menschen sind und auch von Gutem singen."

Zwischen Sendungsbewusstsein und Kampf gegen Vorurteile

Manche Musiker wollen damit auch für den Islam werben – aber nicht nur.

Albrecht Fuess sagt: "Ich denke schon, dass eben gerade religiös musikalische Menschen durchaus ein Sendungsbewusstsein haben und das auch über ihre Lieder transportieren wollen und natürlich auch Leute inspirieren wollen, ihr Lebenskonzept erstmal gut zu finden und dann vielleicht sich diesem sogar anzuschließen. Aber ich glaube noch nicht einmal, dass das wirklich der Hauptgrund ist, sondern ich glaube wirklich, dass diese Personen selbst für sich eben eine Religiosität gefunden haben, die dann eben auch mit einer Musik in Vereinbarung bringen."

Religiös inspirierte Musik gibt es im Pop genauso von christlicher Seite. Das neue Album von Kanye West, "Jesus is King", Jesus ist der König, klingt genauso radikal religiös wie die Songs von Deen Squad.

Während die Kanadier von Deen Squad klassische Hip-Hop-Motive mit islamischer Spiritualität verbinden, schlägt die amerikanische Rapperin Mona Haydar rebellische Töne an – sie singt übers Kopftuch:

"So even if you hate it / I still wrap my hijab / Wrap my hijab / Wrap my hijab / Wrap, wrap my hijab" (Mona Haydar: "Hijabi")

Die Botschaft: "Mir ist völlig egal, was ihr darüber sagt, ich trag Kopftuch und das ist gut so." Haydar singt von einem feministischen Planeten:

"Make a feminist planet / Women haters get banished / Covered up or not don’t ever take us for granted"

"Frauenfeinde werden verbannt. Verschleiert oder nicht, haltet uns nie für selbstverständlich."

Auch in Deutschland singen einige muslimische Künstler über ihre Religion. Zum Beispiel Ammar 114 – die 114 steht für die Zahl der Suren im Koran.

"Willst du wissen, was Islam ist, schlag den Koran auf und lies. Dort findest du mehr als Hölle und Paradies. Studier' das Leben des Propheten Mohammed."

Von Hip-Hop bis Wohlfühl-Pop

Vom Islam inspirierte Populär-Musik geht weit über Rap und Hip-Hop hinaus. Einer der weltweit erfolgreichsten Künstler ist Maher Zain, der in Schweden lebt und spirituellen, gefühligen Wohlfühl-Pop macht. Sein Song "Ya Nabi Salam Alayka" preist den Propheten Mohammed – und wurde auf YouTube über 280.000.000 Mal gehört. Musikalisch orientiert er sich dabei am Naschid, traditionellen religiösen Gesängen.

Diese Musik kommt auch bei Muslimen in Deutschland wie Nesreen Hajaj gut an. Sie sagt:

"Wenn ich diese Musik von denen höre, gibt mir das irgendwie so eine gewisse Ruhe und holt mich wieder so ein bisschen ab und gibt mir Kraft. Das Ding ist ja: Das Schöne ist bei deren Musik, dass es einem nicht so fremd ist. In meiner Jugend, haben wir auch die normalen Standards gehört: Craig David, Beyoncé, Jennifer Lopez. Vom Beat her machen die ganzen muslimischen Sänger das ja ganz ähnlich. Ich finde, es ist etwas ganz Spannendes, das einem sehr viel Mut geben und auch ein bisschen die Religion von einer künstlerischen Seite aus betrachten lassen und Spiritualität einfach anders ausdrücken."

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