Mittwoch, 12.12.2018
 
Seit 11:35 Uhr Umwelt und Verbraucher
StartseiteKommentare und Themen der WocheErfolg nur durch vertrauensvollen Dialog28.11.2018

IslamkonferenzErfolg nur durch vertrauensvollen Dialog

Die Zusammensetzung der Islamkonferenz in Deutschland, bei der erstmals auch liberale Experten teilnehmen, löst Debatten aus. Dabei gibt es weitaus Wesentlicheres als die Frage nach dem Dazugehören, meint Gudula Geuther. Erfolgreich könne das Treffen nur durch durch Kompromisse von allen Seiten haben.

Von Gudula Geuther

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Teilnehmerin fotografiert das Podium mit Serap Güler (l-r, CDU), Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Bülent Ucar, deutsch-türkischer Islamwissenschaftler und Religionspädagoge, Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, und Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern (Kay Nietfeld/dpa)
Auftaktveranstaltung zur 4. Deutschen Islam-Konferenz des Bundesinnenministeriums (Kay Nietfeld/dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Sadiqu al-Mousllie "Die Religiösität wird nun mal in Moscheen gelebt"

Dialog zwischen Staat und Muslimen "Türkei sitzt wieder in der Islamkonferenz"

Politologe Hamed Abdel-Samad zur Islamkonferenz "Der Islam in Deutschland muss sich von ausländischen Geldgebern lösen"

Vierte Islamkonferenz Deutschlands Muslime und das Problem der Repräsentation

Die Muslime gehören zu Deutschland, sie haben die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen, daran kann es keinen vernünftigen Zweifel geben. Das hat Horst Seehofer schon früher gesagt. Heute aber hat er den dümmlichen Satz vom Islam, der nicht zu Deutschland gehöre, weggelassen. Und er hat die Zielvorstellung von einem Islam der Deutschen Muslime formuliert. Es gibt wirklich Wesentlicheres im Verhältnis von deutschem Staat und Islam als die frucht- und folgenlose Frage nach dem Dazugehören. Aber es ist gut, dass der Bundesinnenminister die Größe gezeigt hat, diese konkrete Hürde zu überwinden. Denn wenn die Islamkonferenz Erfolg haben kann, dann nur durch einen halbwegs vertrauensvollen Dialog. Und durch Kompromisse von allen Seiten.

"Deutscher Islam" nur mit den großen Verbänden

Wie schwierig Dialog und Kompromisse sind, zeigt der Streit um die Zusammensetzung der Konferenz, der so alt ist wie das Forum. Da sind die - zumeist konservativen - Verbände, die nur einen kleinen Teil der Muslime vertreten, aber einen großen Teil der Moscheegemeinden. Und um die geht es schließlich auch, wenn von Religion die Rede ist. Und da sind die liberalen oder säkularen Muslime, die selbst kaum je einen Imam beschäftigen werden. Und die doch mitsprechen müssen, wenn es um die Rolle des Islam in der Gesellschaft geht – zumal ihre Positionen oft näher an den Vorstellungen des Grundgesetzes sind. So schmerzhaft die Gespräche sind - Seehofer hat deshalb Recht, wenn er die Konferenz wieder breiter und bunter anlegt. Und zwar weiterhin auch mit den großen Verbänden. Denn nur mit ihnen kann es einen "deutschen Islam" geben.

Wie der aussehen kann, ist offen, das liegt in der Hand der Muslime. Für viele liegt die Zielvorstellung hier in der Angleichung im Staatskirchenrecht. Schon ist von einer "Moscheesteuer" die Rede, angelehnt an die deutsche Kirchensteuer. Das passt wenig zu einer Religion, die viel mehr auf das Individuum setzt als etwa der Katholizismus. Viel wichtiger als solche Fernziele wird es ohnehin erst einmal sein, die drängendsten Probleme konkreter anzugehen: Wie kann verhindert werden, dass wie derzeit ein großer Teil der Moscheegemeinden aus dem Ausland gesteuert wird, namentlich aus der Türkei? Dass Imame für begrenzte Zeit geschickt werden, die nicht unabhängig sind, die kein Deutsch sprechen?

Es braucht Alternativen zur Finanzierung

In Sachen Islamausbildung hat sich viel getan seit Gründung der Konferenz, aber nach wie vor können islamische Theologiestudenten in Deutschland keine praktische Ausbildung zum Imam absolvieren. Auch hierfür braucht es die Zusammenarbeit mit den Verbänden. Und es braucht Alternativen zur Finanzierung aus der Türkei. Der deutsche Staat, das hat Horst Seehofer heute betont, unterstützt die Moscheegemeinden mit Hilfen bei der Integration. Weiter wird ein Staat nicht gehen können. Gefragt sind die Muslime, vielleicht mit Stiftungen, mit Spenden oder Mitgliedsbeiträgen. Die Politik kann hier nur moderieren, aber das ist schon viel. Es hat Rückschritte, aber auch viele Fortschritte gegeben, seit Wolfgang Schäuble das Format vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. Zähe Strecken wird es auch diesmal geben. Eine Alternative aber gibt es nicht.

(Deutschlandradio / Bettina Straub)Gudula Geuther (Deutschlandradio / Bettina Straub)Gudula Geuther, Jahrgang 1970, studierte Rechtswissenschaften in München und Madrid. Nach Abschluss des Referendariats berichtete sie vom Rechtsstandort Karlsruhe erst unter anderem für Reuters und die taz, dann für das Deutschlandradio. Nach kurzer Zeit als Deutschlandradio-Landeskorrespondentin in Hessen arbeitet sie heute als Korrespondentin für Rechts- und Innenpolitik im Deutschlandradio-Hauptstadtstudio.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk