Montag, 15.10.2018
 
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IT-GeschichteX Punkt Null

Vom World Wide Web zum Web 2.0, von der industriellen Revolution zur Industrie 4.0 – die Entwicklung von IT prägte fundamentale gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformationen. Ob Künstliche Intelligenz oder Entwicklungen aus der Biologie zum nächsten Schritt führen werden, ist noch ungewiss.

Von Achim Killer

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In einen tragbaren Computer, einen sogenannten PDA (Personal Digital Assistent), mit Funkanbindung überträgt eine Mitarbeiterin im Zentrum für Klinische Forschung Berlin-Buch (kfbb) Daten eines Patienten, die zur Erfassung und Auswertung an die zentrale Datenbank der kfbb übertragen werden (Foto vom 18.01.2005). Die kfbb ist ein privates Institut auf dem etwa 32 Hektar großen Campus, das sich auf die Durchführung ambulanter klinischer Therapiestudien im Zusammenhang mit dem Test und der Einführung neuer Arzneimittel spezialisiert hat. Derzeit laufen Untersuchungen zu Kniearthrose, Cholesterinerhöhung, chronischer Bronchitis, Reizdarmsyndrom, Reizmagen und Rückenschmerzen. Mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, Labortests, EKG und Blutdruckmessungen werden die Patienten während der Studie begleitet. Foto: Soeren Stache +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Die Verbreitung tragbarer Computer, sogenannter PDA´s (Personal Digital Assistent), markieren den Beginn des Web 2.0 zur Jahrtausendwende. (dpa-Zentralbild)
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Der Begriff Web 2.0 wurde zum ersten Mal von Darcy DiNucci verwandt. Sie ist Vize-Chefin des Design-Studios Ammunition, das Internet-Auftritte, aber auch Gebrauchsgegenstände gestaltet. 1999 schrieb DiNucci in einem Artikel in einer Fachzeitschrift: 

"Was wir jetzt sehen, ist das erste Aufflackern des Web 2.0. Wir werden sehen, wie dieser Embryo sich entwickelt. (...) Unter dem Web werden wir künftig nicht mehr Bildschirmseiten voller Text und Grafik verstehen, sondern ein Medium für Interaktivität."

DiNucci hat vorausgesehen, dass die Anwender über die Kommunikationsprotokolle des World Wide Web nicht nur surfen, sondern auch vielschichtig kommunizieren – mit Hilfe von Taschencomputern, heute Smartphones, damals PDAs, Personal Digital Assistants, und im seinerzeit noch nicht so bezeichneten Internet der Dinge.

Die üblichen Verdächtigen

Ein halbes Jahrzehnt später machten der Journalist Eric Knorr, der Manager Scott Dietzen und der Verleger Tim O’Reilly den Begriff Web 2.0 richtig populär. Sie betonten die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen, und die so genannten Web-Dienste, die im Hintergrund Daten verarbeiten und zusammentragen, bis sie schließlich der Anwender zu Gesicht bekommt. Tim O’Reilly:

"Wenn man über das Web 2.0 spricht, fällt einem vielleicht eine Szene aus Casablanca ein. "Major Strasser wurde erschossen", sagt Louis, "verhaften Sie die üblichen Verdächtigen." In unserem Fall sind die üblichen Verdächtigen schlanke Start-ups, werbefinanzierte Geschäfte, Crowdsourcing und Soziale Medien. Das verbinden die Leute mit dem Konzept des Web 2.0, das wir 2004 vorgestellt haben. Für mich aber bedeutet Web 2.0, dass das Internet eine Plattform geworden ist."

Der ehemalige SAP-Chef und langjährige Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Professor Henning Kagermann gilt als Erfinder des Begriffs "Industrie 4.0". Demnach wurde die erste industrielle Revolution – also 1.0 – im 18. Jahrhundert durch die Dampfmaschine ausgelöst und die zweite durch Fließband und Massenproduktion im 20. Jahrhundert. Seit dessen zweiter Hälfte wird die Produktion digitalisiert. Einen qualitativen Unterschied bildete das Aufkommen von autonomen, vernetzten Systemen, so Kagermann:

"Und das hat uns dazu bewogen, zu sagen, das ist so einschneidend, dass wir hier davon reden können, dass es sich jetzt um eine nächste und damit eben die 4. industrielle Revolution handelt."

Nächste Transformation aus der Biologie

Das wenig geläufige Industrie 3.0 ist älter und betraf vor allem erneuerbare Energien. Künstliche Intelligenz ist Teil des Konzepts der 4. industriellen Revolution. Deren Weiterentwicklung würde auch zur 5. und 6. führen, postulieren einige. Kagermann hält davon wenig:

"Der Mensch neigt dazu, zu fragen was kommt denn nach 4.0. Das ist legitim. Und wir haben aus Sicht der Akademie auch hier eine Antwort gegeben und haben gesagt, dass wahrscheinlich – das muss aber noch vertieft werden – die nächste fundamentale Transformation im Wesentlichen aus dem Bereich der Biologie kommen wird."

Die erste und die zweite industrielle Revolution sind erst im Nachhinein von Historikern so bezeichnet worden. In ihrer Folge entwickelten sich bürgerliche Gesellschaft und Wohlfahrtsstaat. Die 4. industrielle Revolution ist mittlerweile ein offizielles Programm der deutschen Bundesregierung:

"Es ist tatsächlich die erste gewesen, die angesagt wurde. Aber auch das ist ja spannend, dass wir glauben, mittlerweile solche Dinge ja auch vorhersagen zu können und die Geschichte wird zeigen, ob wir recht hatten", so Kagermann.

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