Donnerstag, 24.01.2019
 
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IT-Messe Cebit wird eingestelltEnde mit Ansage

Es war einmal die größte IT-Messe der Welt, jetzt ist die Cebit Geschichte. Damit zieht die Deutsche Messe Konsequenzen aus sinkenden Besucherzahlen und weniger Ausstellern. Ein längst überfälliger Schritt, kommentiert Falk Steiner. Denn die Cebit sei ein Relikt einer längst vergangenen Zeit.

Von Falk Steiner

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Ein Kleinbüro im Aktenkoffer wird auf der Computermesse CeBit in Hannover als Neuheit vorgestellt. In dem handlichen Koffer sind ein Laptop, Drucker, Mobiltelefon und Modem untergebracht. Über Telefon lässt sich mit jedem Rechner kommunizieren. Aufnahme vom 22.03.1990. Foto: Holger Hollemann +++(c) dpa - Report+++ (picture-alliance/ dpa / Holger Hollemann)
Damals das Neueste vom Neuen: Auf der CeBit 1990 wird ein Kleinbüro im Aktenkoffer vorgestellt, inklusive Mobiltelefon und Modem. (picture-alliance/ dpa / Holger Hollemann)
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Cebit wird eingestellt Die Digitalisierung ist jetzt überall

Es ist keine Überraschung, dass die Cebit nun doch eingestellt wird. Überraschend ist nur, dass die Cebit erst im Jahr 2019 nicht mehr stattfindet. Schon ihr Name war weitgehend Programm: die Abkürzung stand ursprünglich für "Centrum der Büro- und Informationstechnik" und die Messe fand seit 1986 jährlich statt, zeitweise sogar ergänzt um Zusatzmessen im Herbst für den Konsolen- und Heimcomputerbereich. Sie hören es vielleicht schon heraus: Die Cebit ist in ihrem innersten Kern ein Relikt einer längst vergangenen Zeit, in der die Bildschirme Farben lernten, die Drucker die Nutzung von Einzelblättern und ein Supercomputer die Rechenleistung hatte, die heute in jeder Hosentasche zuhause ist. Sie begann zu einer Zeit, als nebenan in Braunschweig und Paderborn noch Computer gefertigt wurden – Commodore fertigte östlich, Nixdorf westlich von Hannover. Aus dieser Zeit stammt das Grundkonzept und Image der Messe. Jener Zeit, in der die Cebit offiziell nicht für den wilden, absurden Teil der Digitalwelt stand, der zeitgleich vor allem in den USA stattfand, sondern für biedere Bürotechnik, für die Frage, ob Computersysteme oder vernetzte Schreibmaschinen sich durchsetzen würden.

Relikt einer längst vergangenen Zeit

Wer jemals von einer der vielen Firmenpartys auf dem Messegelände spätnächtens heimkehrte, in eine während der Messetage zu unverschämten Preisen untervermieteten Privatwohnung, der weiß genau was die Cebit ausmachte: Irgendwie war es schon interessant, aber warum, das ließ sich oft kaum so genau sagen. Verträge zwischen Herstellern und Vertrieblern werden längst nicht mehr per Handschlag auf Messen besiegelt. Und Neuheiten wurden zuletzt kaum mehr dort präsentiert, hierfür sind andere Messen und Hersteller-Events wesentlich wichtiger.

Die Cebit war dabei immer auch ein Abbild der deutschen Perspektive auf die IT. Die Politik ließ sich gerne dort sehen, allen voran natürlich Gerhard Schröder, der einstige niedersächsische Ministerpräsident und spätere Bundeskanzler. Und auch die heutige Kanzlerin war regelmäßig zu Gast, hielt Eröffnungsreden und ging von Stand zu Stand. Fotografisch für die Nachwelt dokumentiert sind nicht nur ihre Berührungen mit neuen Technologien, sondern unter anderem auch der Moment, an dem sie, die SMS-Kanzlerin, wohl die Nachricht vom Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs auf der Cebit 2011 erhielt.

Nie wirklich mit der Digitalisierung angefreundet

Jederzeit, überall, das alles zeigte die Cebit zwar irgendwie, aber so richtig angefreundet mit der Digitalisierung des Lebensalltags hatte sich die Cebit als Messethema nie. Und konnte damit nach der Jahrtausendwende die Realitäten der Besucherinteressen einfach nicht mehr abbilden und als es dann doch versucht wurde, war es zu spät. Die Messe aus einer Zeit, die es so längst nicht mehr gibt, hatte den Anschluss verloren. Schade, irgendwie, sagt das Gefühl. Aber warum genau? Auch das lässt sich nicht so richtig sagen.

Falk Steiner (Deutschlandradio / Bettina Straub)Falk Steiner (Deutschlandradio / Bettina Straub)Falk Steiner arbeitet seit 2013 im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio. Als Korrespondent bearbeitet er dort vor allem Themen der Digital- und der Sicherheitspolitik im weiteren Sinne. Zuvor arbeitete er als Freier Journalist unter anderem für Zeitungen, Magazine, Radiosender und digitale Medien sowie zwei Jahre beim Bundesverband der Verbraucherzentralen zum digitalen Wandel aus Verbrauchersicht. Zuvor war er bei einer Berliner Agentur und bei Zeit Online in Hamburg tätig. Studiert hat er Politikwissenschaft in Bonn und Berlin.

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