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StartseiteKultur heute"Kunst ist in Italien viel politischer als anderswo"19.08.2019

Italienische Kulturpolitik"Kunst ist in Italien viel politischer als anderswo"

Einige Museumsdirektoren haben in Italien eine Nationalisierung und Zentralisierung der Kulturpolitik beklagt. Für den Direktor der Uffizien, Eike Schmidt, zeigt sich in der Regierungspolitik eher der Streit der Koalitionsparteien. Der Kampf werde auch in der Kultur ausgetragen, sagte Schmidt im Dlf.

Eike Schmidt im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Eike Schmidt, amtierender Direktor der Uffizien in Florenz vor dem Gemälde 'Primavera' von Sandro Botticelli. (imago stock & people)
Eike Schmidt, amtierender Direktor der Uffizien in Florenz und künftiger Leiter des Wiener KHM. (imago stock & people)
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In den italienischen Museen findet gerade das große Stühlerücken statt. Und fast alle Betroffenen sind keine Italiener. Jüngster Fall: Die Direktorin der Gallerie dell’Academia in Florenz, Cecilie Hollberg, wurde vergangene Woche per Telefonanruf entlassen. Der Direktor des Herzogspalast-Museums in Mantua, Peter Assmann, wechselt nach Innsbruck. Assmann kritisierte kürzlich eine Nationalisierung in der italienischen Kulturpolitik, seine Kollegin Cecilie Hollberg sprach von Zentralisierung. Der Direktor der Uffizien in Florenz, Eike Schmidt, widersprach im Dlf diesen Äußerungen. 

Lega für mehr Autonomie der Regionen, Fünf-Sterne-Bewegung für Zentralisierung

"Da steckt keine klare Gleichschaltungsstrategie dahinter, wie Peter Assmann das vermutet", erklärte Schmidt. Vielmehr spiegele sich in den kulturpolitischen Entscheidungen der Kampf zweier sehr gegensätzlicher Koalitionsparteien wider. "Da wird viel gekämpft. Mal gewinnt der eine, mal der andere." Die Lega sei für mehr Autonomie der einzelnen Regionen, die Fünf-Sterne-Bewegung wolle die Zentralisierung stärken.

Grundsätzlich hätten sich in Italien die politischen Parteien schon immer in die Kultur eingemischt. "In Italien ist die Kunst viel politischer als anderswo." In den aktuellen Entscheidungen sieht der Museumsleiter eher eine Ministeriums- als eine Museumsreform. Denn hier gehe es vor allem um eine Zentralisierung der administrativen Strukturen. Auch sind laut Schmidt nicht nur die Museen, sondern auch Behörden wie die Denkmalpflege- und die Ausfuhrgenehmigungsbehörde von Neuregelungen betroffen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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