Sonntag, 08.12.2019
 
StartseiteInformationen am MorgenWahlkampf statt Gedenken 26.04.2019

Italienischer Feiertag zur Befreiung vom FaschismusWahlkampf statt Gedenken

Normalerweise gedenkt Italien am 25. April der Befreiung vom Faschismus. Nur Innenminister Matteo Salvini machte stattdessen in Sizilien Wahlkampf für seine rechte Lega. Dieses Verhalten veranlasste nicht nur Staatspräsident Sergio Mattarella dazu, sich zu äußern.

Von Jörg Seisselberg

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Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Partei Lega. (dpa / picture alliance / Leon Tanguy / MAXPPP)
Innenminister Matteo Salvini betont an diesem Gedenktag lieber die Einheit Italiens (dpa / picture alliance / Leon Tanguy / MAXPPP)
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Gedenken an die Befreiung Italiens vom Faschismus? Von wegen. Statt sich am nationalen Feiertag zu beteiligten, wie für einen Minister üblich, machte Matteo Salvini demonstrativ Wahlkampf in Sizilien für seine rechte Lega – und wurde dafür am Abend in Bagheria von seinen Anhängern gefeiert.

"Die offiziellen Feierlichkeiten des 25. April sind seit 50, 60 Jahren immer das gleiche. Sie sind ein Schaulaufen für einige Leute der italienischen Linken, die das Land ermüdet haben", sagt der 35-jährige Antonio aus Bagheria, "Salvini hat es richtig gemacht, daran nicht teilzunehmen".

Der nationalen Feierstunde des Antifaschismus die kalte Schulter zeigen - Salvini begeht auch diesen politischen Tabubruch, wie so viele in den vergangenen Monaten, mit einem Lächeln. Zufrieden schaut der Lega-Chef von der Bühne auf der zentralen Piazza Madrice in Bagheria auf die mehreren tausend Anhänger, die ihm zujubeln.

"Ich freue mich hier zu sein. Allen zum Trotz, die in diesem Tagen billige Polemik gemacht haben nach dem Motto: Was macht Salvini am 25. April in Sizilien? Hoch lebe Sizilien!", sagt Salvini.

Er halte es für nicht mehr zeitgemäß, hat Salvini gesagt, den 25. April auch im Jahr 2019 noch zu einem "Derby" zwischen Antifaschisten und Faschisten zu machen. Nicht nur Partisanenverbände rügten Salvini für seine Wortwahl und sein demonstratives Desinteresse an Italiens nationalem Feiertag. Auch Co-Vizepremier Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung geht auf Distanz zu Regierungspartner Salvini und sagt:

"Für mich ist ganz klar, auf welcher Seite ich am 25. April stehe. Auf der Seite derjenigen, die uns befreit haben, auf der Seite unserer Partisanen. Und nicht auf Seiten derjenigen, die behaupten, der 25. April sei kein Tag der Befreiung gewesen."

"Vor allem ein Tag der Einheit"

Vor der Wahlkampfveranstaltung am Abend hatte Salvini gestern unter anderem ein neues Kommissariat in der einstigen Mafia-Hochburg Corleone eingeweiht. Dies, so der Innenminister, sei am 25. April sein Zeichen, dass Italien von einer neuen Okkupation befreit werden müsse, von der durch die Mafia.

Die Frage von Journalisten, ob der Antifaschismus für ihn nach wie vor ein Grundwert der italienischen Demokratie sein, wischte Salvini in zwei Sekunden vom Tisch:

"Ja, nächste Frage."

Salvini betonte zwar erstmals öffentlich – ebenfalls auf Nachfrage von Journalisten –, dass er den Holocaust für das größte Verbrechen der Menschheit hält. Gleichzeitig aber machte der Führer der Lega deutlich: Mit einem nationalen Feiertag, der heute noch den Sieg der Antifaschisten über die Faschisten feiert, könne er nichts anfangen:

"Ich würde es gut finden, wenn der 25. April ein Tag der Einheit wäre. Ein Tag des Respekts, auch der Erinnerung. Aber vor allem ein Tag der Einheit, der Aussöhnung im Namen des Italiens, das kommt."

Staatspräsident Mattarella, noch von der jetzt in der Opposition sitzenden Demokratischen Partei ins Amt gebracht, verteidigt Italiens Tag der Befreiung. Ohne Salvini beim Namen zu nennen, warnt Italiens Staatsoberhaupt davor, den Wert des Antifaschismus zu relativieren:

"Das Datum des 25. April hat diese Bedeutung: Ein Volk, das in der Lage war, sich zu befreien und sein Schicksal wieder in die Hand zu nehmen auf den materiellen und moralischen Trümmern einer Diktatur, die Feind ihrer Bürger war. Es ist eine ständige Mahnung an diejenigen, die daran interessiert sind, die Geschichte umzuschreiben."

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