Samstag, 13. August 2022

Italiens Neue Musik im Faschismus
Von Sympathisanten zu Gegnern

Luigi Dallapiccolas "Canti di prigionia" gelten als antifaschistisches Dokument der Musikgeschichte. Dabei war der Komponist keineswegs von Anfang an ein Gegner der Politik Mussolinis. Wie und warum wurden er und manche seiner italienischen Kollegen zu Gegnern der Diktatur?

Von Klaus Gehrke | 21.08.2021

    Pappfiguren zeigen Franko (l-r), Stalin, Hitler, Mussolini und Petain.
    Pappfiguren europäischer Diktatoren - aufgestellt bei einer Protestaktion gegen eine Tagung rechtspopulistischer ENF-Politiker im Januar 2017 in Koblenz (dpa / Boris Roessler)
    Als Benito Mussolini nach seinem "Marsch auf Rom" 1922 Italien in einen faschistischen Staat umzuwandeln begann, sympathisierten anfangs viele Musikschaffende mit den kulturpolitischen Zielen seiner Partei. Dazu gehörte auch die Überwindung des spätromantischen Verismo und die Hinwendung zu neuen musikalischen Ausdruckstechniken.
    In den 1930er Jahren wurden so in Italien Werke aufgeführt, die im nationalsozialistischen Deutschland längst als "entartet" diffamiert waren. Erst als in Italien zunehmend nationalsozialistische Ideologien übernahm, gingen viele Komponisten auf Distanz.
    Was sahen heute prominente Komponisten wie Luigi Dallapiccola, Alfredo Casella oder Goffredo Petrassi damals im Faschismus? Wann und warum wurden sie zu desen Gegnern? Und wie ist der Blick auf sie und ihr Werk in Italien heute? Autor Klaus Gehrke sprach darüber mit Prof. Christoph Flamm von der Universität Heidelberg und Dr. Stefan König vom Max-Reger-Institut Karlsruhe.