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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel12.10.2021

IWF-Chefin Georgieva Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Weil sie einen Bewertungsbericht zugunsten Chinas geschönt haben soll, war Kristalina Georgieva unter Druck geraten. Doch Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) darf sie bleiben. Das Festhalten an der Bulgarin könnte sich allerdings schon bald als Fehler erweisen, kommentiert Eva Bahner.

Ein Kommentar von Eva Bahner

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Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva. (dpa / picture alliance / Clemens BilanPool)
Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva. (dpa / picture alliance / Clemens BilanPool)
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Kristalina Georgieva darf also bleiben an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, und mit ihr auch all die Fragen und Zweifel, die die Affäre um das manipulierte Länderranking der Weltbank aufgeworfen hat. Die Entscheidung des IWF-Führungsgremiums, an der Bulgarin festzuhalten, könnte sich schon bald als Fehler erweisen, auch wenn ihr Fehlverhalten als Weltbank-Geschäftsführerin nicht direkt nachgewiesen werden kann.

Die nun aufgeflogene Datenmanipulation zugunsten Chinas, eines großen Geldgebers, fordert Konsequenzen, strukturelle, aber auch personelle, denn die Glaubwürdigkeit der beiden internationalen Organisationen steht auf dem Spiel. Objektivität und Unabhängigkeit, Sorgfalt und Gründlichkeit gehören zum Markenkern von Weltbank und IWF, dieser wird durch die Manipulationsvorwürfe, die die amerikanische Anwaltskanzlei in ihrem Bericht erhebt, in Frage gestellt.

Manipulationsvorwürfe wiegen schwer

Wasser auf die Mühlen all derjenigen, die zusammen mit dem früheren US-Präsidenten Trump die mächtigen Finanzinstitutionen in Washington schon immer skeptisch beäugt haben, die nun zurecht fragen, ob dort überhaupt unabhängige Forschung möglich ist, wenn große Anteilseigner wie China oder die USA unter Umständen dadurch vergrault werden.

Dazu kommt: Die Forschungsberichte und Analysen von IWF und Weltbank, sind kein Selbstzweck, sie dienen oft als Grundlage für weitreichende Entscheidungen von Investoren, Regierungen und nicht zuletzt des IWF selbst, wenn es darum geht klammen Staaten mit großen Krediten unter die Arme zu greifen.

Die Personalie Georgiewa kann zum Zerwürfnis führen

Die Manipulationsvorwürfe wiegen schwer, gerade jetzt, wo der Multilateralismus ein zartes Comeback erlebt, nach den bleiernen Jahren der Trump-Ära. Jetzt zur Tagesordnung über zugehen aus Mangel an Beweisen wird nicht reichen, zumal die Zweifel an der Transparenz der Datenerhebung bleiben, vor allem bei den Amerikanern, die die Bulgarin nun unter verschärfte Beobachtung stellen.

Die Personalie Georgiewa hat das Zeug zu einem dauerhaften Zerwürfnis zu führen zwischen den USA und den europäischen Ländern, die geschlossen hinter ihr stehen.

Es braucht gerade jetzt eine starke koordinierende Stimme

Das Timing für einen Führungswechsel wäre zugegebenermaßen denkbar schlecht gewesen, in dieser Woche, in der sich FinanzministerInnen und Notenbank-Chefs erstmals seit Beginn der Pandemie wieder persönlich begegnen in Washington.

Dennoch braucht es gerade jetzt eine starke koordinierende Stimme, wo die Erholung der Weltwirtschaft an Kraft verliert, Lieferketten noch immer gestört sind, und die Inflation in Industrieländern steigt. Und das alles vor dem Hintergrund, dass geopolitische Rivalitäten zwischen den USA, China und auch Europa in Zukunft noch zunehmen dürften.

Ohne das Vertrauen der USA wird sich die IWF-Chefin hier kein Gehör mehr verschaffen können. Schon allein deshalb ist ein personeller Neuanfang notwendig.

Eva Bahner, Wirtschaftsredaktion, Funkhaus Köln, 27.06.2019 (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

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