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StartseiteWirtschaft am MittagHandelsstreitigkeiten und Brexit dämpfen Wachstum09.10.2018

IWF-Prognose für WeltwirtschaftHandelsstreitigkeiten und Brexit dämpfen Wachstum

Hohe Staatsverschuldung, Handelskonflikte und der Brexit könnten das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr deutlich dämpfen. Der Internationale Währungsfonds IWF senkt deshalb die Wachstumsprognose für das kommende Jahr ab - der Anfang vom Ende einer langen, weltweiten Aufschwungphase?

Von Eva Bahner

Das Logo des Internationalen Währungsfonds (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)
Internationaler Währungsfonds dämpft die Wachstumsaussichten. (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)
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1,9 Prozent Wachstum in Deutschland in diesem und im nächsten Jahr – der internationale Währungsfonds ist deutlich pessimistischer geworden im Vergleich zu April. Nicht nur für die exportabhängige Bundesrepublik, für die Weltwirtschaft insgesamt - und das sei, sagte Maurice Obstfeld, der Chefvolkwirt des IWF, ja auch keine Überraschung:

"Wir sind vorsichtiger geworden als noch vor 6 Monaten. Wenn die beiden größten Volkswirtschaften der Welt zerstritten sind - das ist eine Situation, unter der alle leiden."

Das Ende des Aufschwungs in Sicht?

Der eskalierte Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Konjunkturexperten nun veranlasst, erstmals seit zwei Jahren die Prognose für die Weltwirtschaft zu senken - auf 3,7 Prozent. Zwar ist das nur eine leichte Korrektur um 0,2 Prozent und das auf hohem Niveau. Dennoch könnte dieser Moment der Anfang vom Ende eines lang anhaltenden weltweiten Aufschwungs markieren.

Laut IWF sind die Volkswirtschaften insgesamt krisenanfälliger geworden - auch die Schwellenländer, die lange als Zugpferde dienten für die Weltkonjunktur. Auch wenn nicht alle wie Argentinien oder die Türkei mit massiven Währungsproblemen, Schuldenbergen und rapide steigenden Inflationsraten kämpfen - unter einem Kapitalfluss ausländischer Investoren leiden mittlerweile viele, auch das Gastgeberland Indonesien. Dennoch betonte Obstfeld:

"Wir können keine generelle Kapitalflucht raus aus Schwellenländern erkennen - noch sehen wir eine Ansteckungsgefahr für Länder, die besser aufgestellt sind."

Ungeordneter Brexit nicht einkalkuliert

Auch für die Eurozone hat der IWF seine Erwartungen heruntergeschraubt - auch wegen des Haushaltsstreits mit Italien. Und dann wäre da noch ein Szenario, das die IWF-Experten nicht einkalkuliert haben: Ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der Eurozone.

"Es wird einen Deal geben, ohne Zölle und Handelshemmnisse, so dass die meisten Zulieferketten bestehen bleiben."

Ein, wie Obstfeld zugab, optimistisches Szenario, von dem er aber hoffe, dass es eintreten werde - schon allein, weil beide Seiten ein gemeinsames Interesse hätten. Er hoffe, sagte der IWF-Chefvolkswirt, dass die Annahmen des IWF richtig sind. Sollten die Brexit-Verhandlungen nicht zum Erfolg führen, könnten die Prognosen vor allem für Europa schnell überholt sein.

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