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StartseiteKommentare und Themen der WocheSpielregeln der Weltwirtschaft zählen nicht mehr11.10.2018

IWF-Tagung auf BaliSpielregeln der Weltwirtschaft zählen nicht mehr

Weltweit verdunkeln sich die wirtschaftlichen Aussichten. Aber anstatt gegenzusteuern, kippen Regierungen wie die der USA oder Italiens noch mehr Öl ins Feuer, kommentiert Theo Geers. Auf ökonomischen Sachverstand werde genauso gepfiffen wie auf europäische Schuldenregeln.

Von Theo Geers

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Eine Illustration zeigt einen Geschäftsmann, der durch eine Art Fernglas in die Zukunft schaut.  (imago / Neil Leslie)
Schlechte Aussichten: Die USA und China liegen im Handelskrieg, Anleger ziehen Kapital aus Schwellenländern ab, hohe Schuldenlasten plagen viele Staaten (imago / Neil Leslie)
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Natürlich ist es nicht der Internationale Währungsfonds selbst, der gerade die Börsenkurse weltweit  zurückgehen lässt.  Aber auf Bali, wo in diesem Jahr die turnusmäßige Herbsttagung des IWF stattfindet, ist das Grummeln schon zu spüren, das die Anleger gerade extrem nervös werden lässt. Auf Bali wird immer deutlicher, dass sich am Konjunkturhimmel einiges zusammen braut. Da ist der Handelskrieg, den Donald Trump mit China angezettelt hat.  Da sind steigende Zinsen in den USA, die Anleger veranlassen, Kapital aus Schwellenländern wie der Türkei abzuziehen. Da ist auch ein Land wie Italien mit seiner gigantischen Staatsverschuldung, die offenkundig nicht beherzt angegangen werden soll. All das liefert schon für sich allein genug Grund zur Sorge. Was aber inzwischen fast noch stärker verunsichert,  ist die Beobachtung, dass ökonomische Vernunft offenkundig immer weniger zählt.

US-Präsident Donald Trump reißt Deutschland mit

Seit über 200 Jahren, seit den Zeiten von David Ricardo,  wissen wir beispielsweise , dass freier Handel zu  Wohlfahrtsgewinnen führt und Zölle zu Wohlfahrtsverlusten. Doch ein Donald Trump pfeift darauf, er zieht in den Handelskrieg mit China und er reißt Länder wie Deutschland, deren Unternehmen in den USA wie in China aktiv sind, sehr wahrscheinlich mit.

Ebenso klar ist, dass die Staatsverschuldung in sehr vielen Staaten viel zu hoch ist und trotz niedriger Zinsen in den letzten Jahren sogar noch weiter gestiegen ist. Nur: Wann wenn nicht jetzt, wo es konjunkturell gut läuft, sollten diese Schulden reduziert werden?

Deutschland macht es gerade vor, dass es geht und wie es geht. Doch Italien, das mit 2,3 Billionen Euro die dritthöchste Staatsschuld der Welt mit sich herumschleppt, denkt gar nicht daran, den Schalter umzulegen. Im Gegenteil – auf ökonomischen Sachverstand wird genauso gepfiffen wie auf europäische Schuldenregeln. Wo dieses Land die Feuerkraft hernehmen will, sollte es zu einem Abschwung kommen, bleibt schleierhaft. Hinzu kommt das Ansteckungsrisiko für die anderen Euroländer, das von Italien ausgeht.

Zweifel am ökonomischen Konsens

Da braucht es nur noch einen Donald Trump, der sich einen Dreck um die die Unabhängigkeit einer Notenbank schert, indem er der amerikanischen Fed mal so eben vorwirft, sie sei verrückt geworden, nur weil sie das tut, was der wirtschaftliche Sachverstand gebietet. Wenn das Wachstum zu stärker steigenden Preisen führt, muss eine Notenbank mit steigenden Zinsen dagegen halten. Aber auch darauf trampelt ein Trump ungeniert herum. Und so wachsen auf Bali die Zweifel weiter, ob der ein oder andere ökonomische Grundkonsens, der bisher die Welt zusammen hält, überhaupt noch gilt. Auch das lässt Börsenkurse fallen. Und das macht am Ende nicht nur Aktionäre ärmer.

 

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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