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StartseiteKommentare und Themen der WocheAppell an die ökonomische Vernunft vonnöten13.10.2018

IWF- und WeltbanktagungAppell an die ökonomische Vernunft vonnöten

Das Jahrestreffen des Internationalem Währungsfonds und der Weltbank auf Bali stand ganz im Zeichen des Handelsstreits zwischen den USA und China. Obwohl sich der IWF nicht klar positioniert habe, seien solche Treffen wichtig, um im Gespräch zu bleiben, kommentiert Eva Bahner vom Deutschlandfunk.

Von Eva Bahner

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Jahrestagung des IWF 2018 auf Bali, Indonesien: (von li nach re) Joko Widodo, indonesischer Staatschef, IWF-Chefin Christine Lagarde und weitere (AFP / Sonny Tumbelaka)
Es bräuchte eine Vermittler im Handels- und Währungsstreit zwischen den USA und China, meint Eva Bahner (AFP / Sonny Tumbelaka)
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Auf einen Aufschwung folgt ein Abschwung. Das ist der Lauf der Dinge. Doch dieser Abschied von diesem fast zehn Jahre anhaltenden Wirtschaftsboom, getragen vor allem von niedrigen Zinsen, könnte schmerzhafter werden als sonst. Noch ist er nicht da, der Abschwung. Noch wächst die Weltwirtschaft und zwar recht kräftig, doch möglicherweise nicht kräftig genug, um allen lauernden Gefahren der nahen Zukunft standhalten zu können.

Ein chaotischer Brexit, der Haushaltsstreit mit Italien, Schwellenländer, die Schwierigkeiten haben, ihre Dollar-Schulden zurückzuzahlen, weil die Zinsen der amerikanischen Notenbank steigen; dramatische Währungskrisen in der Türkei und in Argentinien- Krisenherde gibt es derzeit viele, die einen globalen Schock auslösen könnten. Doch die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft ist der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Diese Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen hat das Zeug, sollte sie sich weiter drehen, den weltweiten Handel einbrechen und das Wachstum abrupt enden zu lassen. Auch in Europa und vor allem im Deutschland, das wie kein anderes Land vom Außenhandel abhängt.

Die Angst vor bösem Erwachen geht um

Es ist dieser Konflikt der beiden Wirtschaftsmächte, der für große Unsicherheit sorgt, die sich in dieser Woche auch an den Börsen spiegelte. Die Angst vor einem bösen Erwachen geht um, einem abrupten Ende der jahrelangen Börsen-Party. Dramatisch fallende Kurse sind das eine, das andere, und das wiegt viel schwerer, ist die Unsicherheit und Ohnmacht, mit der die internationale Staatengemeinschaft dem Scharmützel, das sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt derzeit liefern, zusehen.

Der Aufruf des Internationalen Währungsfonds auf der Herbsttagung auf Bali zur Deeskalation mag vernünftig sein, doch erreicht er auch das Weiße Haus, wo ein US-Präsident herrscht, der nicht aufhört, in Tweets zu provozieren? Einen Donald Trump, der nicht davor zurückschreckt, seinen eigenen Notenbank-Chef als verrückt zu bezeichnen, nur weil er das tut, was er tun muss, nämlich die Zinsen anheben? Wohl kaum.

Es besteht zwar immer noch die Hoffnung, dass sich nach den US-Wahlen und dem Wahlkampfgetöse sich die USA und China versöhnen. Das Wettrennen mit China jedoch um die Vormachtstellung in der Wirtschafts- und Finanzwelt wird weitergehen. Und auch China kommt gut voran.

Sorgenvolle Entwicklungen weltweit

Nicht nur in der Entwicklung neuer Technologien, sondern auch in der Gewinnung neuer verbündeter – oder besser gesagt abhängiger Länder. Peking verbessert im Rahmen der neuen Seidenstraßen-Initiative die Infrastruktur in vielen Entwicklungsländern, vor allem in Afrika und Asien, mit dem Ergebnis, dass diese nun bei der chinesischen Regierung massiv in der Kreide stehen. Nach Argentinien hat nun auch Pakistan Hilfe beim IWF beantragt, nicht zuletzt wegen der Schulden, die das Land bei China hat. Eine Entwicklung, die auch der Internationale Währungsfonds mit Sorge beobachtet, denn der Schuldenstand weltweit ist ohnehin schon auf Rekordniveau.

Das Machtgefüge hat sich also radikal verschoben, was es für die westliche Welt schwieriger macht, dem bevor stehenden Abschwung zu begegnen. Nicht nur, dass die G20, die Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, in einer Sinn-Krise steckt, auch multilaterale Systeme der Konfliktlösung, wie zum Beispiel das der Welthandelsorganisation, versagen im akuten Krisenmanagement. Und so bleibt die Vermittlerrolle, die es nun dringend bräuchte im Handelsstreit zwischen den USA und China unbesetzt.

Eine klare Position will auch der internationale Währungsfonds nicht immer einnehmen im Wettrennen der beiden Supermächte. Dennoch ist die Bretton-Woods-Institution und auch Treffen wie das in dieser Woche in Indonesien wichtig, um im Gespräch zu bleiben, gerade jetzt, wo der Abschwung naht. Christine Lagarde, die IWF-Chefin, sollte also nicht müde werden, ihre 189 Mitgliedstaaten zur Zusammenarbeit aufzurufen und zur ökonomischen Vernunft.

Noch gibt es Hoffnung, dass dieser Zoll-Konflikt nicht in einem Handelskrieg endet und die Weltwirtschaft eine sanfte Landung hinlegen kann nach dem langen Höhenflug. Doch eine Gewissheit dafür gibt es nicht.

Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

  

 

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