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StartseiteKommentare und Themen der WochePrognose als Wendepunkt09.10.2018

IWF zur WeltwirtschaftPrognose als Wendepunkt

Der von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg bremst die Weltwirtschaft, sagt der Internationale Währungsfonds. Dabei haben die Experten die Folgen eines harten Brexits noch gar nicht berücksichtigt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten also noch gravierender sein, kommentiert Eva Bahner.

Von Eva Bahner

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Blick über ein Container-Schiff der Firma CMA CGM. (AFP / Jean-Sebastien Evrard)
Die Weltwirtschaft steuert laut IWF-Vorhersagen in unsichere Gewässer: Handelskriege, Brexit, anziehende Zinsen und eine prozyklische US-Fiskalpolitik bringen Schwellenländer in ernsthafte Schwierigkeiten. (AFP / Jean-Sebastien Evrard)
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Noch ist der Wendepunkt nicht da, noch wächst die Weltwirtschaft - und zwar in einem beachtlichen Tempo. Noch sind es also nur Vorhersagen, mit denen der IWF nun aufhorchen lässt. Pessimistische Vorhersagen, die nicht unbedingt zutreffen müssen. Doch das der Anfang vom Ende des lang anhaltenden Aufschwungs naht, ist so gut wie sicher.

Zum ersten Mal haben die Konjunkturexperten des Internationalen Währungsfonds nun den bereits eskalierten Handelsstreit zwischen den USA und China unter die Lupe genommen und ausgerechnet, wieviel Wachstum dieser kosten wird. Und die Kosten sind beträchtlich, nicht nur in den beiden Volkswirtschaften, die sich gegenseitig mit Zöllen überziehen. Auch in anderen unbeteiligten Ländern, die vom Export abhängen, Deutschland zum Beispiel. Hierzulande hat sich die Wirtschaftsboom-Stimmung innerhalb kürzester Zeit nahezu verflüchtigt, erste Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung gibt es bereits. Und dabei könnten die 1,9 Prozent Wachstum, die der IWF nun für dieses und das nächste Jahr vorhersagt, sogar noch zu optimistisch sein.

Harter Brexit noch nicht einkalkuliert

Unkalkulierbar und deshalb auch vom IWF ausgeblendet, ist nämlich ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, das Scheitern der Brexit-Verhandlungen also. Ein externer Schock, der schon in sehr naher Zukunft verheerende ökonomische Folgen haben könnte, für Großbritannien, für Deutschland und für die gesamte EU.

Ebenso wenig kalkulierbar wie ein Brexit ist das Risiko Trump. Der US-Präsident ist dabei, die internationale Wirtschaftsordnung, die auf dem Bekenntnis der Industrie-und Schwellenländer zum Freihandel basiert, zu zerstören - und die internationalen Institutionen, die diese versuchen, aufrecht zu erhalten, zu schwächen, in erster Linie die Welthandelsorganisation. Dass der weltweite Aufschwung nun womöglich früher endet als er eigentlich müsste, ist insofern auch Trump zuzuschreiben.

Druck auf Schwellenländer steigt

Und auch seine prozyklische Fiskalpolitik, seine milliardenschwere Steuerreform, gefährdet das weltweite Wachstum. Nämlich dann wenn sich die amerikanische Notenbank gezwungen fühlen sollte, vehementer gegenzusteuern gegen eine Überhitzung der US-Konjunktur. Steigende Zinsen bringen einige Schwellenländer schon jetzt in ernsthafte Schwierigkeiten, weil renditehungrige Investoren das Weite suchen, ihr Kapital in den sicheren Dollar-Raum umschichten.

Dazu kommt: mit steigenden Zinsen und einem starken Dollar wird es für Schwellenländer teurer, die im Ausland aufgenommenen Schulden zurückzuzahlen. Noch scheint von dem Devisendebakel, das in Ländern wie Argentinien und der Türkei zu beobachten ist, keine Ansteckungsgefahr auszugehen. Doch sollten Schwellenländer unter ihrer Schuldenlast reihenweise zusammenbrechen, hätte der IWF bald wieder mehr zu tun, als Wirtschaftsprognosen nach unten zu korrigieren. Dann wäre der milliardenschwere Kredit an Argentinien nur der Anfang einer Schwellenländerkrise, die das Zeug hätte die gesamte Weltwirtschaft abrupt auszubremsen.

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