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StartseiteWirtschaft am MittagAllianz will sich grünes Image leisten21.02.2020

Jahresbilanz AllianzAllianz will sich grünes Image leisten

Die Versicherungsbranche unter Druck: die Nullzinsen zehren an den Gewinnen, die Digitalisierung könnte viele Arbeitsplätze überflüssig machen. Die Allianz ist trotzdem enorm erfolgreich, wie Chef Oliver Bäte energisch bilanzierte. Sogar beim Thema Klimaschutz sieht er sein Unternehmen als Vorreiter.

Von Michael Watzke

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09.05.2018, Bayern; München: Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns Allianz SE, sitzt vor Beginn der Hauptversammlung des Versicherungskonzerns auf dem Podium. Foto: Sven Hoppe/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Allianz-Chef Oliver Bäte hat gut lachen: Seiner Versicherung geht es trotz Drucks auf die Branche gut. (dpa)
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Wie aufgedreht wirkte Allianz-Chef Oliver Bäte heute bei der Bilanz-Pressekonferenz. Und wenn er mal zu schnell redete, etwa "was das Thema operative Prawiladi...Entschuldigung: Profitabilität und Wachstum angeht…".

Dann schlug er sich vor laufender Kamera selbst auf die Wange. Sollte wohl zeigen: Wenn derzeit überhaupt jemand die Allianz schlagen kann, dann nur sie selbst.

"Wir haben im letzten Jahr die 140 Milliarden Umsatz geknackt. Fast acht Prozent Umsatzwachstum, das muss man sich mal vorstellen. Das ist also mehr als zwei Mal so viel wie das Weltwirtschaftswachstum. Das war eine der stärksten Wachstumszahlen in langer Zeit."

Aktienrückkauf, um den Kurs zu stützen

Und in dem Tempo machte Bäte fast zwei Stunden lang weiter - Rekord auf Rekord.

"Unser operatives Ergebnis: um drei Prozent gewachsen, auf 11,9 Milliarden Euro, das fünfte Rekordjahr in Folge. Und die Dividende, wollen wir der Hauptversammlung vorschlagen, soll um sieben Prozent steigen auf 9,60 Euro. Das hängt von der Zahl natürlich zusammen mit dem Aktienrückkauf, den wir gestern Abend bekannt geben mussten."

Denn - das erwähnte Bäte quasi nebenbei: die Allianz kauft eigene Anteilsscheine von bis zu 1,5 Milliarden Euro zurück. Das alles im Zeichen von Handelskriegen, politischer Krisen und sich abschwächender Weltwirtschaft.

"Da kommt jetzt noch das Thema Coronavirus in China dazu. Brexit ist immer noch in der Schwebe. Also das alles nicht zum Lachen."

Coronavirus aber bisher kein ernstes Problem

Und trotzdem schien Bäte aus dem Grinsen nicht mehr rauszukommen. Auch nicht durch das rückläufige Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung. Dort hat sich die für Versicherer entscheidende Schaden-Kosten-Quote verschlechtert. Keine Rolle spielt bisher das Coronavirus und die wirtschaftlichen Schäden, die der Erreger weltweit verursacht. Allianz-Finanzvorstand Giulio Terzariol erklärt, entscheidend sei die Ursache für eine Betriebs-Unterbrechung.

"Wenn die Ursache nicht ein echter Sachschaden ist, greift die Betriebsunterbrechung nicht. Es gibt spezielle Policen, die sowas machen können. Aber das sind nicht die Policen, die wir unterschreiben. Wir sehen in Betriebsunterbrechungen keine echte Belastung."

Bäte sieht Allianz als Vorreiter in Klima-Fragen

Pech für die betroffenen Unternehmen, Glück für die Allianz. Die will sich jetzt ein grünes Image zulegen und bei ihren Anlagen und Beteiligungen stärker auf ökologische Nachhaltigkeit setzen. Beim Thema Klimaschutz sieht Bäte sein Unternehmen als Vorreiter:

"Überall nimmt die Allianz Spitzenpositionen ein, und das freut mich sehr. Sogar meine Kids finden das cool."

Erfolg abhängig von externen Einflüssen

Weniger cool finden Bätes Kids möglicherweise, dass der Klimaschutz keine Auswirkungen auf die extrem hohe Profitabilität der Allianz haben darf. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Bäte ein operatives Ergebnis von 12 Milliarden Euro an.

"Natürlich kann es auch mal passieren, dass wir das nicht schaffen, sage ich noch mal dazu. Wenn wir sehr, sehr starke Naturkatastrophen bekommen oder alle Finanzmärkte zusammenkrachen, dann kann es auch mal sein, dass wir die Ergebnisse nicht schaffen. Bisher waren wir tüchtig und wir hatten auch ein bisschen Glück."

Dass die Naturkatastrophen mit dem Klimaschutz direkt zusammenhängen, weiß niemand besser als der CEO des größten Versicherungskonzerns der Welt: Allianz-Chef Oliver Bäte.

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