Sonntag, 09.12.2018
 
StartseiteKommentare und Themen der WocheFriedensverhandlungen mit wenig Aussicht auf Erfolg06.12.2018

JemenFriedensverhandlungen mit wenig Aussicht auf Erfolg

Ein Ende des Krieges im Jemen sei trotz der aktuellen Verhandlungen noch weit entfernt, kommentiert Carsten Kühntopp. Denn beide Seiten - sowohl die Regierung als auch die Houthi Rebellen - seien davon überzeugt, bei einem Kompromiss viel verlieren, aber wenig gewinnen zu können.

Von Carsten Kühntopp

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Der UNO-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths (l.),  schüttelt die Hände jemenitischer Delegierter. (AFP/TT News Agency/STJERNKVIST)
Beginn der Verhandlungen: Der UNO-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths (l.), schüttelt die Hände jemenitischer Delegierter. (AFP/TT News Agency/STJERNKVIST)
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Wie grauenvoll der Krieg im Jemen ist, zeigt schon eine einzige Statistik: Im Schnitt kommt alle zehn Minuten ein jemenitisches Kind ums Leben – entweder ist es verhungert oder es ist an einer Krankheit gestorben. Der Bürgerkrieg, der seit fast vier Jahren wütet, hat den Jemen in die Hölle gestoßen.  Dennoch sind die Erfolgsaussichten der Gespräche zwischen Regierung und Rebellen, die in Schweden begonnen haben, nicht gut.

Es ist zwar wahrscheinlich, dass beide Seiten vertrauensbildende Maßnahmen beschließen, wie den zum Auftakt verkündeten Gefangenenaustausch; diese Maßnahmen könnten im besten Fall dazu führen, dass die Gewalt weniger wird und dass die Not und das Leiden der Menschen gelindert werden. Doch zu Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts scheinen beide Seiten nicht bereit zu sein, noch nicht.

Beide Seiten wollen Zeit gewinnen

Sowohl die Regierung, als auch die Houthi-Rebellen glauben, derzeit Oberwasser zu haben und der jeweils Stärkere zu sein: Nach Einschätzung der Regierung sind die Houthis mittlerweile militärisch geschwächt. Aus ihrer Sicht bietet es sich deshalb an, jetzt keine Zugeständnisse zu machen. Aus Sicht der Aufständischen hingegen ist Saudi-Arabien, der wichtigste Unterstützer der Regierung, wegen der Kashoggi-Affäre tief verunsichert. Die Houthis dürften deshalb darauf setzen, dass sich die Weltmeinung weiter gegen die Saudis dreht und der Druck auf sie steigt. Für die Rebellen dürfte daraus ebenfalls folgen: Jetzt hart bleiben und ausharren.

Entschieden wird dieser Krieg an anderer Stelle

Beide Seiten glauben also, bei einem Kompromiss viel verlieren, aber wenig gewinnen zu können. Regierung und Aufständische gleichermaßen kalkulieren darauf, dass die Zeit auf ihrer jeweiligen Seite ist, dass ihre Verhandlungspositionen morgen besser sein werden, als heute. Angesichts dieser negativen Dynamik wird es der UN-Vermittler äußerst schwerhaben. Er ist Realist und hofft, in Schweden zumindest den Weg ebnen zu können zu substanziellen Friedensverhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt.

Ohnehin sind die angereisten Unterhändler nicht mehr Herr im eigenen Haus. Das Schicksal des Jemen entscheidet sich nicht im Land selbst, sondern in Riyadh und in Teheran, in Abu Dhabi und in Washington. Denn längst ist der Jemen zu einem Preis geworden im regionalen Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Mit ihrer Unterstützung für die Houthis wollen die Iraner die Saudis piesacken, und die wollen verhindern, dass sich im eigenen Hinterhof ein Vorposten des Iran etabliert.

Frieden wird es im Jemen also erst dann geben, wenn die jemenitischen Akteure ihren Konflikt nicht länger als Nullsummenspiel begreifen – und wenn die rivaliserenden Regionalmächte bereit sind, sich zu arrangieren. Weder das eine, noch das andere ist in Sicht. 

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