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"Jenaer Erklärung"Forscher stellen klar: Es gibt keine menschlichen Rassen

Drei menschliche Schädel im Phyletischen Museum der Universität Jena. (dpa / picture alliance)
"Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung." (dpa / picture alliance)

Mit einer Erklärung darüber, dass es keine menschlichen Rassen gibt, haben sich Jenaer Forscher von ihren Vorgängern aus dem 20. Jahrhundert distanziert.

Das gilt primär in Bezug auf den "deutschen Darwin", den Jenaer Zoologen und Evolutionsbiologen Ernst Haeckel. Der Begründer der Stammesgeschichtsforschung, wie es in der mehrseitigen Jenaer Erklärung heißt, habe durch seine vermeintlich wissenschaftliche Anordnung von Menschen-"Rassen" in einem "Stammbaum" in fataler Weise zu einem angeblich wissenschaftlich begründeten Rassismus beigetragen.

Die vorrangig biologische Begründung von Menschengruppen als Rassen – etwa aufgrund der Hautfarbe, Augen- oder Schädelform – führte demnach zur Verfolgung, Versklavung und Ermordung von Abermillionen von Menschen. Auch heute noch werde der Begriff Rasse vielfach im Zusammenhang mit menschlichen Gruppen verwendet. Es gebe dafür aber keine biologische Begründung und es habe diese auch „tatsächlich nie gegeben. "Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung", stellen die Forscher klar. Unter anderem weisen sie darauf hin, dass beim Menschen die größten genetischen Unterschiede innerhalb einer Population und nicht zwischen den Populationen zu finden seien. 

Konsequenter Nichtgebrauch des Begriffs Rasse

Verfasst wurde die Erklärung von den Professoren Martin S. Fischer, Uwe Hoßfeld, Johannes Krause und Stefan Richter. Die Forscher von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Rostock veröffentlichten sie anlässlich der 112. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, wo sie auch verabschiedet wurde. Die Tagung in Jena dauert noch bis Freitag.

Die Evolutionsforscher halten es somit auch für falsch, den Begriff "Rasse" zu verwenden. Sie sind sich allerdings sicher, dass es nicht ausreichen werde, das Wort "Rasse" einfach aus dem Sprachgebrauch zu streichen. Dadurch werde weder Intoleranz noch Rassismus verhindert. Sie verabredeten aber einen "konsequenten Nichtgebrauch" des Begriffs.

Willkürlich gewählte Eigenschaften führten zur Einteilung in Rassen

Fischer vom Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena führte im Deutschlandfunk aus: "Wir gehen heute davon aus, dass es tatsächlich keine biologische Grundlage für einen Rassebegriff mehr gibt. Der Rassebegriff ist nichts anderes als ein gedankliches Konstrukt und entbehrt jeder Realität, weshalb wir den Rassebegriff grundsätzlich ablehnen und deshalb auch dafür kämpfen, dass dieser Rassebegriff einfach nicht mehr in Zusammenhang mit Wissenschaft benutzt wird."

In der Erklärung heißt es weiter, die Einteilung der Menschen in Rassen sei zuerst eine gesellschaftliche und politische Typenbildung gewesen, gefolgt und unterstützt durch eine anthropologische Konstruktion auf der Grundlage willkürlich gewählter Eigenschaften wie eben Haar-und Hautfarbe. Diese Konstruktion habe dazu gedient, offenen und latenten Rassismus mit angeblichen natürlichen Gegebenheiten zu begründen und eine moralische Rechtfertigung zu schaffen. Durch die Erforschung der genetischen Vielfalt der Menschen seien Rassenkonzepte "endgültig als typologische Konstrukte entlarvt" worden.