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StartseiteCorsoWie der US-Präsident Satirikern Jobs verschafft24.04.2017

Jobmotor TrumpWie der US-Präsident Satirikern Jobs verschafft

Immer mehr Comedians machen sich über US-Präsident Trump und seine Regierung lustig. Imitatoren haben dabei ein scheinbar leichtes Spiel. Aber: Ist das noch Kunst oder schon Aktivismus?

Von Sammy Khamis

Der 51-Jährige Glen Pannell sammelt unter dem Künstlernamen "Mike Hot-Pence" am 11.12.2016 in New York Geld für Organisationen, deren Arbeit durch die künftige Regierung unter Donald Trump gefährdet sein könnte. (Foto: Stephanie Ott / dpa) (dpa / Stephanie Ott)
Protest durch Parodie - "Mike Hot-Pence" sammelt Spenden für gemeinnützige Organisationen (dpa / Stephanie Ott)
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"Wie sich rote Krawatten zu Zeit verkaufen? Unglaublich. Auch blaue Anzüge und weiße Hemden. Das hilft unserer Wirtschaft."

Das ist die Stimme Donald Trumps. 13 Jahre lang hat John Di Domenico an ihr gearbeitet - das ist länger, als Trump jemals mit einer seiner Frauen verheiratet war. Di Domenico ist Schauspieler, Comedian und der wohl beste Doppelgänger Donald Trumps, den es derzeit gibt. Der bekannteste ist die Hollywood-Legende Alec Baldwin.

"John di Domenico ist ein großartiger Kerl. Alec Baldwin? Kein Fan von ihm, ein echter Fiesling."

"Mike Hot-Pence"

Ok gut, das war wieder die Stimme Di Domenicos und der ist mindestens so voreingenommen, wie Donald Trump selbst. Der Präsident und sein gesamtes Kabinett geben mehr als genug Anlass, sich über sie lustig zu machen.

Das sieht auch Glenn Pannell so. Pannell ist Grafikdesigner in New York und so etwas wie Doppelgänger und Gegenentwurf zu Vize-Präsident Mike Pence. Für den homosexuellen Glenn Pannell ist das Fluch und Segen zugleich:

"Nach der Wahl war ich völlig durch den Wind. Ich hab mich einige Wochen zurückgezogen. Aber ich musste etwas unternehmen. Und da war es naheliegend, meine Ähnlichkeit zu Vizepräsident Mike Pence zu nutzen - so entstand 'Mike Hot-Pence.' Ich bin dann auf die Straßen New Yorks und habe für genau die Organisationen Geld gesammelt, die Mike Pence ablehnt. Beispielsweise für "Planned Parenthood", die sich dafür einsetzen, dass Schwule und Lesben Kinder adoptieren dürfen. Aber ich sammle auch für den Umweltschutz. Und wie gesagt - das sind alles Organisationen, die genau den Menschen Hilfe bieten, die unter der Trump-Pence Regierung leiden werden."

Glenn Pannell sagt, es sei ein Albtraum, auszusehen wie Mike Pence; der einzige Vorteil sei es, in Hotpants rumlaufen zu können. Denn, wenn er als sein Alter Ego unterwegs ist, nennt er sich "Mike Hot-Pence". Von der Hüfte an aufwärts trägt er Sakko, Hemd und Krawatte, aber von der Hüfte abwärts trägt er Hotpants - deswegen auch der Name.

"Mein Job ist ein Ritt auf der Rasierklinge"

John Di Domenico hingegen ist kein Aktivist, er ist Profi. Seit September 2016, also zur Hochzeit des Wahlkampfes, hat er kaum einen freien Tag. Mit Anzug, Perücke und orangenem Make-Up tritt er in Talkshows auf, gibt Interviews oder vertont die Tweets des Präsidenten:

"Das ganze Land ist gespalten. Deswegen ist es mein Anliegen als Performer und Schauspieler, einen Trump zu spielen, der Linke und Konservative zugleich unterhalten kann. Ich will nicht noch weiter spalten. Mir ist klar, dass ich niemanden in seiner politischen Meinung umstimmen kann. Mein Job ist also schwierig, ach, was heißt schwierig, es ist ein Ritt auf der Rasierklinge."

1300 Tage mit ein bisschen Hoffnung

Glenn Pannell sagt: "Ich mache mir ernsthafte Sorgen. Wirklich. Die nächsten Jahre werden sehr düster. Das geht nicht nur mir so. Ich bin nicht naiv, sondern ich versuche jetzt etwas zu ändern. Und wenn meine Ähnlichkeit zu Mike Pence etwas Nützliches hat, dann möchte ich damit die Welt ein kleines bisschen besser machen - vor allem für die Menschen, für die die nächsten Jahre nicht einfach werden."

Einfach werden die Jahre mit dem Gespann Trump, Pence oder auch Kellyanne Conway und Steve Bannon sicher nicht - aber solange sich Glenn Pannell für Minderheiten einsetzt und John Di Domenico Witze über den Präsidenten macht, solange werden es zumindest 1300 Tage mit ein bisschen Hoffnung und genügend Lachern - denn so lange ist Donald Trump mindestens noch im Amt.

"Ich liebe das deutsche Volk, ein hinreißendes Volk, ein bezauberndes Volk, das muss ich Ihnen sagen. Und dieser Angela Merkel - ein großartiger Kerl", scherzt John Di Domenico.  

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