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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie geballte Antithese zu Donald Trump12.08.2020

Joe Biden nominiert Kamala HarrisDie geballte Antithese zu Donald Trump

Kamala Harris sei die perfekte Kandidatin für den Posten der Vizepräsidentin, kommentiert Thilo Kößler. Mit ihrer Nominierung durch den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden fange der Wahlkampf nun richtig an. Beide stünden für die Rückkehr der Vernunft in die Politik.

Von Thilo Kößler

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Joe Biden und Kamala Harris, Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftsbewerber in den USA (imago images / UPI Photo)
Joe Biden hat mit Kamala Harris die richtige Wahl getroffen, meint Thilo Kößler in seinem Kommentar (imago images / UPI Photo)
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Joe Biden hätte gar keine bessere Wahl treffen können. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten in spe hat sich schon jetzt einen Eintrag in den Geschichtsbüchern gesichert: Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten tritt mit Kamala Harris eine Woman of Color, eine schwarze Frau, für das Amt der Vizepräsidentin an. Und sie könnte zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten werden und zur ersten schwarzen Präsidentin, sollte Joe Biden nach einer erfolgreichen Wahl die erste Amtszeit nicht zu Ende bringen können. Joe Biden, jetzt 77 Jahre alt, hat vorgesorgt. Und das macht diese Nominierung schon jetzt politisch so bedeutsam.

US-Wahl 2020 (dpa/Daniel Bockwoldt) Alle Beiträge zur Präsidentschaftswahl in den USA (dpa/Daniel Bockwoldt) 

Kamala Harris, die Senatorin aus Kalifornien, bringt alle Qualitäten mit, die ein derart exponiertes Staatsamt erfordert: Sie hat politische Erfahrung und weiß, nach welchen Regeln der Politikbetrieb in Washington funktioniert. Sie hat sich als Justizministerin und Generalstaatsanwältin von Kalifornien einen Namen als wetterfeste Führungspersönlichkeit gemacht. Und sie kann Wahlkampf. Sie ist streitbar und kämpferisch, eloquent und scharfsinnig.

Kamala Harris ist die richtige Antwort

Kamala Harris ist die richtige Antwort auf alle Krisen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die dieses Land umtreiben: Sie ist eine Frau – und damit die Antwort auf die Me-Too-Bewegung und die Forderung nach mehr Verantwortung für Frauen in Spitzenämtern. Sie ist eine Woman of Color – und damit die Antwort auf die Debatte über Polizeigewalt und Rassismus, auf die Probleme der Minderheiten und die Black-Lives-Matter-Bewegung. Und sie ist die Antwort auf das völlige Versagen der Trump-Administration in der Corona-Krise: Das Team Joe Biden und Kamala Harris steht für die Rückkehr der Vernunft und der Ernsthaftigkeit in die Politik.

Kamala Harris auf einem Podium (imago-images/Terry Schmitt) (imago-images/Terry Schmitt)Kamala Harris -"Furchtlose Kämpferin für die einfachen Menschen"
Kamala Harris wäre die erste woman of color in der Geschichte der USA für den Posten der Vizepräsidentin. Im Falle eines verfrühten Ausscheidens Bidens könnte sie zur ersten Präsidentin des Landes aufsteigen.

Mit ihrer Nominierung macht die Bewerbung Joe Bidens um die Präsidentschaft plötzlich tieferen Sinn. Das ganze Land befindet sich in einem Zustand der Trauer. Die USA trauern um die Toten der Corona-Krise. Um die Toten der Polizeigewalt. Um den Verlust von Anstand und Glaubwürdigkeit, um das verlorene Ansehen in der Welt, um die verlorenen Partner und Verbündeten auf der anderen Seite des Atlantiks – die USA fühlen sich unter Donald Trump zunehmend allein gelassen.

Joe Biden, dessen Leben vom Tod und von der Trauer um die eigene Frau und Kinder geprägt war, bietet sich in dieser tristen Lage als ein Präsident an, der aufrichtig mitfühlen kann. Joe Biden will sein Land trösten. Er möchte Konflikte lösen und nicht vom Zaun brechen. Er möchte einen statt spalten.

Wahlkampf von Biden fängt nun richtig an

Während Biden also das Versprechen auf Rückkehr zur Normalität, zu Berechenbarkeit, zu den verlorenen Werten verkörpert, steht Kamala Harris für den Willen und die Energie zu schrittweisen Veränderungen und Reformen mit Augenmaß. Sie steht für die linke Mitte.

Der Wahlkampf von "sleepy Joe", wie Donald Trump seinen Herausforderer Biden abfällig nennt, fängt mit Kamala Harris erst richtig an. Und er verspricht, ab sofort ziemlich kraftvoll und dynamisch zu werden. Biden und Harris – das klingt schon jetzt wie die geballte Antithese zu Donald Trump und Co.

Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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