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StartseiteInformationen am MorgenKampf gegen Genitalverstümmelung06.02.2016

Johanniter-Hilfe in DschibutiKampf gegen Genitalverstümmelung

In Dschibuti in Ostafrika sind schätzungsweise 90 Prozent der weiblichen Bevölkerung von Genitalverstümmelung betroffen. Doch die Regierung hat der Frauenbeschneidung den Kampf angesagt. Unterstützt wird sie seit 2012 von der deutschen Johanniter-Unfallhilfe und jetzt auch von einer hessischen Stiftung.

Von Ludger Fittkau

Mädchen mit schwarzen Röcken und weißen T-Shirts spielen unter freiem Himmel ein Theaterstück. (dpa / Plan International dpa/lno)
Kinder in Sierra Leone führen ein Theaterstück gegen die Genitalverstümmelung afrikanischer Mädchen auf (Archivbild). (dpa / Plan International dpa/lno)
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Sie fahren stundenlang durch Steinwüsten, oft sieht es aus wie in einer Mondlandschaft. 50 Grad im Schatten sind im Sommer hier keine Seltenheit. Um in die abgelegenen dschibutischen Dörfer der Distrikte Tadjourah und Obock zu gelangen, müssen oft beschwerliche Reisen einkalkuliert werden, weil die Straßen so schlecht sind. Das 18-köpfige Team der deutschen Johanniter-Unfallhilfe nimmt diese Strapazen auf sich, um in sieben Dörfern über weiblicher Genitalverstümmelung, Frauenrechte und Frauengesundheit auf zu klären . Maja Bünsche, Projektkoordinatorin der Johanniter:

"Im Bereich Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung sind die Johanniter in Obock und in Tadjourah die einzige Organisation, die aktiv ist. Andere internationale Organisationen sind auch in der Gegend, vor allem in Obock und fokussieren sich momentan hauptsächlich auf das Flüchtlingscamp für jemenitische Flüchtlinge in Obock. Das ist ganz im Nordwesten Tadjourahs gegenüber vom Jemen."

Weibliche Genitalverstümmelung ist in Dschibuti schon seit 1995 gesetzlich verboten. Das ist anders als in anderen Ländern, wo die Regierungen die Beschneidung der Frauen weiterhin dulden. Trotz des Verbots und verstärkter Aufklärungskampagnen der Regierung seit 2006 wird allerdings auch in Dschibuti bis heute weiter beschnitten. Dagegen richtet sich in den nächsten zehn Monaten eine neue Aufklärungsaktion der Johanniter, die mit Mitteln der Bundesregierung, Spendengeldern sowie mit Unterstützung der Else Krömer-Fresenius-Stiftung im hessischen Bad Homburg finanziert wird. Dschibuti unterstützt die neue Aktion ausdrücklich, so Maja Bünsche von den Johannitern:

Kampagnen zeigen erste Wirkung

"Für unsere Arbeit ist dies natürlich besonders hilfreich, dass die Regierung den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung unterstützt und wir dort nicht allein auf weiter Flur stehen. Und vor allem das Ministerium für Frauenförderung, mit denen kooperieren wir sehr eng zusammen bei der Durchführung dieser Kampagnen."

In den Dörfern werden Aufklärungskomitees gegründet und geschult, die ihr Wissen in Versammlungen und bei Hausbesuchen an die Gemeindemitglieder weitergeben. Neben den Dorfältesten sind auch ehemalige Beschneiderinnen und Mütter von unbeschnittenen Mädchen in den Komitees aktiv. "Die aktive Beteiligung der Dorfgemeinschaft ist wichtig, um langfristig etwas zu verändern", betont die Projektkoordinatorin der Johanniter. Aufklärungs-Apps auf Smartphones können in den abgelegenen Regionen nicht zur Anwendung kommen, erläutert Maja Bünsche:

"Da geht es schon damit los, dass die reine Telefonnetz-Abdeckung teilweise kaum vorhanden ist. Geschweige denn, dass über Smartphones Internet nutzbar ist. Hinzukommt, in den kleinen Dörfern und Ansiedlungen gibt es das ein oder andere Telefon. Aber dort in den ländlichen Bereichen ist das Smartphone noch nicht ein so alltäglicher Gegenstand wie es das für uns beispielsweise ist."

Obwohl die seit rund zehn Jahren in Dschibuti regelmäßig stattfindenden Kampagnen gegen Genitalverstümmelung erste Wirkung zeigen: Man müsse dennoch Geduld haben, fordert Maja Bünsche:

"Man muss im Hinterkopf behalten, dass die Genitalverstümmelung eine Jahrtausende alte, pharaonische Tradition schon ist und man nicht innerhalb von wenigen Jahren oder selbst leider nicht innerhalb von wenigen Jahrzehnten diese Tradition gänzlich auszumerzen. Da ist wirklich noch viel Aufklärungsarbeit vonnöten."

In den nächsten zehn Monaten werden die Johanniter sie in Dschibuti leisten - trotz mieser Straßen und vielleicht wieder 50 Grad im Schatten.

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