Die Nachrichten

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JournalismusWie man Menschen für Nachrichten interessiert - und wie nicht

Das Foto zeigt Zeitungen in Berlin-Friedenau an einem Kiosk im Februar 2015. (picture-alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Wie sollte eine Nachricht aufgebaut sein? Klassisch oder nicht? (picture-alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Was macht eine Nachricht aus? Und wie sollte sie aufgebaut sein, damit Nutzerinnen und Nutzer sie verstehen - und nicht wegklicken?

Auf diese Fragen gibt es mehrere Antworten. Eigentlich werden Nachrichten nach einem bestimmten Prinzip geschrieben. Es heißt "umgekehrte Pyramide". Das bedeutet: Die Nachricht beginnt immer damit, die klassischen W-Fragen zu beantworten. Sie lauten zum Beispiel: Wer? Was? Wann? Wo? Weiter hinten folgen dann Informationen, die man im Zweifelsfall wegkürzen kann. Daher das Bild der Pyramide, die auf dem Kopf steht - die Wichtigkeit nimmt nach unten ab.

"Man verliert schnell das Interesse"

Der Journalist Christian Fahrenbach hält diesen Aufbau für fragwürdig. Fahrenbach ist Gründungsmitglied des Online-Magazins "Krautreporter". Er sagte in der Sendung @mediasres im Deutschlandfunk (Audio-Link), die "Pyramide" halte unser Interesse nicht wach. Sie erkläre nicht, warum uns etwas angehe und setze zuviel voraus. Die Folge: Man verliere schnell das Interesse.

Menschen aber seien Geschichtenwesen, und man müsse mehr über Angebote nachdenken für Leserinnen und Leser, die die letzten zwei Tage eines Themas verpasst hätten. Am Beispiel Italien erläuterte Fahrenbach, man brauche vielleicht eine Themenseite mit einem Porträt von Matteo Salvini und Beppe Grillo, mit einer Liste wichtiger Politiker, mit einer Grafik der letzten Wahlergebnisse und einer Timeline - so dass man gleich wisse, worum es in dem Themenkomplex gehe. Das sei zwar wahnsinnig komplex zu erstellen, könne aber immer wieder neu ausgespielt werden. Das dauerhafte Interesse der Nutzerinnen zeige sich aber dann an den Klickzahlen.

"Als erstes fragen wir in den sozialen Netzwerken"

Fahrenbach erläuterte auch, wie die Krautreporter arbeiten. Dort frage man bei einer Recherche als erstes in den Facebook-Gruppen und anderen sozialen Netzwerken, was denn die wichtigsten Fragen seien, die zu einem Thema gestellt würden. Das verändere auch den Artikel, der daraus werde. Darüber hinaus gebe es längere Erklärstücke, die man in einen Kontext stelle - zum Beispiel "China verstehen". Außerdem arbeite man an Kursen: Das seien Artikel, die aufeinander aufbauten. Wenn man sich durch die fünf, sechs Artikel lese, sei man dann so eine Art "Miniexperte".

Generell sei es wichtig zu erkennen, dass Journalisten oft den Fehler machten, zu sagen: Das hatten wir letzte Woche schon.