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StartseiteCorsoDie leichtfüßigen Comics aus "Schwermetall"21.11.2018

Jubiläumsbuch "Moebius Opus"Die leichtfüßigen Comics aus "Schwermetall"

Der französische Zeichner Jean Giraud alias Moebius hat mit seiner Arbeit Comics und Film-Sets weltweit beeinflusst. Kurz vor seinem Tod 2012 hat er ein Buch mit Arbeiten für das Magazin "Schwermetall" zusammengestellt. Das ist gerade auf Deutsch erschienen - eine opulente, rätselhafte und irre Welt.

Von Andrea Heinze

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Der französische Comic-Zeichner Jean Giraud alias Moebius im seitlichen Portrait  (picture-alliance/dpa/EPA/ALBERTO ESTEVEZ )
Der französische Comic-Zeichner Jean Giraud alias Moebius (picture-alliance/dpa/EPA/ALBERTO ESTEVEZ )
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Es gibt keine Gewissheit - das wird schon in der ersten Geschichte klar. Da landen zwei Astronauten auf einem Planeten, der um einiges größer als die Erde ist. Sie entdecken eine Burganlage. Fluchen, dass Gänge darin plötzlich im Nichts enden - und werden dann bei einem Beben verschüttet. Im darauf folgenden Bild sieht man, wie ein Junge mit seiner Mutter am Strand läuft, hinter ihnen eine zerstörte Sandburg.

Immer wieder verschiebt Moebius in seinen Geschichten die Perspektive und leitet damit verblüffende Wendungen in seinen Geschichten ein. Verblüffend auch: Science Fiction muss nicht futuristisch aussehen.

"Die Bilder haben mich einfach geflashed"

Ingo Römling: "Der hat so eine barocke Opulenz im Science Fiction, das war für mich auch irgendwie neu: Diese Figuren, die sehen so ein bißchen aus wie aus dem Barock, meist mit Strumpfhöschen und lustigen Ballon-Ärmeln; und lustige Mützen auf. Und auch die ganzen Bauten und Städte, das ist ja alles so palastartig."

Der Comiczeichner Ingo Römling ist Moebius-Fan - und der erste deutsche Star-Wars-Zeichner. Er hat die Schwermetall-Comics Anfang der 80er-Jahre entdeckt, damals war er 14 Jahre alt.

"Bis dato hatte ich soetwas noch nicht gesehen - das war unfassbar opulent, rätselhaft, verschlüsselt, total irre, die Bilder haben mich einfach geflashed."

Da ist zum Beispiel Arzach, der auf einen fremden Planeten pinkelt. Sein Penis ist dabei dick und deutlich gezeichnet - im 20. Jahrhundert war so ein Detail unfassbar - vor allem, weil es in der Geschichte eigentlich darum geht, wie Arzach wegen des Pinkelns von der Weltraumpolizei verfolgt wird.

"Ich habe das eigentlich von der Story her eher als Trip gesehen. Ich glaube, irgendwo habe ich sogar mal gelesen, dass der das auch selber gesagt hat: 'Das ist Absicht, dass das keinen Sinn ergibt, dass das so frei assoziiert ist.' Und manche Seiten die waren ja auch weniger stringente Erzählungen als toll gestaltet. Arzach, der wird ja auch immer anders geschrieben: Harzack, Artzach ... Der halt auf so einem Vogel durch irgendwelche Landschaften fliegt und irgendwelchen Leuten begegnet, wo jede Seite wie ein Poster ist, also ein Jugendstil-Poster."

Von Riesen bis zum Rassismus

Die einzelnen Erzählungen sind nur wenige Seiten lang und enorm reich an verrückten visuellen und narrativen Einfällen. Das Buch zeigt, dass sich diese Einfälle nicht nur in der Welt der Science Fiction bewegen.

"Es gab zum Beispiel eine Geschichte da drin, wo eine Gruppe von Männern einen Migranten stellt und dann auch tötet. Mit unglaublich rassistischen Äußerungen. Er hat gesellschaftskritische Sachen ausgenommen - das ist ja gerade auch wieder aktuell, das Thema, gerade auch Rassismus - das hat der wohl immer aufgegriffen."

Oder er hat mit feinsten Tuscheschraffuren gezeichnet, wie ein Comicautor mit seiner Familie über Nebenstraßen in Urlaub fährt. Ein Horrortrip, denn die Landschaft ähnelt immer weniger den Angaben auf der Straßenkarte - und dann stellt sich der Familie auch noch ein Riese in den Weg - bloß gut, dass der sich mit dem Vorlesen von "Alice im Wunderland" besänftigen lässt.

Leichtfüßig, absurd, gesellschaftskritisch

"Es gibt halt sehr, sehr ausgearbeitete Sachen von ihm, mit feinen Schraffuren, wo ich denke: 'O Gott, wenn ich sowas auch nur versuchen würde, an diesem Bild würde ich eine Woche sitzen.' Und es gibt auch sehr sparsame und reduzierte Bilder, wo er mit ganz wenigen pointierten Strichen die Falten der Hose in der Kniekehle macht. Und das habe ich immer so bewundert, einfach nur: Man macht die Kleidung und ein zwei Schlenker mehr und schon sieht man, dass da Stoff ist und man sieht, wie dick der ist und wie schwer und wie der sich anfühlt."

Leichtfüßig, absurd, gesellschaftskritisch und unglaublich präzise und opulent gezeichnet - in den 70er- und 80er-Jahren hat Moebius mit seinen Arbeiten für "Métal Hurlant" all das ausprobiert, was auch später noch seine Arbeiten ausmacht. Und er hat den Grundstein für seinen Weltruhm gelegt.

Moebius: "Moebius Opus (limitierte Sonderedition)"
Splitter Verlag Bielefeld, 2018. 447 Seiten, 99,80 Euro. 

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