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StartseiteCampus & Karriere"Ich wusste gar nicht, dass es den Wettbewerb gibt"29.05.2015

"Jugend forscht"-Sieger Lennart Kleinwort"Ich wusste gar nicht, dass es den Wettbewerb gibt"

Eigentlich war Lennart Kleinwort zu jung, um an "Jugend forscht" teilzunehmen. Doch mit seiner ungewöhnlichen Mathe-App überzeugt er die Juroren: Sie schicken ihn nicht nur in Deutschland, sondern gleich weltweit in den Wettbewerb.

Von Afanasia Zwick

Lennart Kleinwort ist mit einer Mathematik-App bei "Jugend forscht" an den Start gegangen (Michael Böddeker / Afanasia Zwick)
Lennart Kleinwort ist mit einer Mathematik-App bei "Jugend forscht" an den Start gegangen (Michael Böddeker / Afanasia Zwick)
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50 Jahre Jugend forscht

 "Stellen Sie sich vor: Sie haben ihren Finger und können dann auf dem Tablet wie mit der Hand, wenn Sie einen Bleistift haben, auf ein Papier Geometrie malen. Und was sich daraus entwickelt, ist, dass man die Figuren, die man darauf zeichnet, die Kreise, Quadrate, kompliziertere Ellipsen, dass man die dann eben alle verändern kann."

Vor Kurzem in Paris: Lennart Kleinwort sitzt auf dem Bordstein vor seiner französischen Partnerschule, wo er gerade an einem Schüleraustausch teilnimmt, und holt einen Flachcomputer, ein Tablet, aus seinem Rucksack. Er zeigt, wie sich drei Kreise um ein Dreieck durch seine Fingerbewegung vergrößern und verschieben. "FreeGeo" hat er seine App getauft. Was sie macht, ähnelt dem Blick durch ein Kaleidoskop - das Rohr mit den Spiegeln und den kleinen farbigen Objekten. Nur, dass Kleinworts entwickelte Geometrie-App keine bloße Spielerei ist:

"Ich arbeite jetzt schon, obwohl ich 16 bin, für eine Firma. Das heißt, dass ich jetzt so Geld verdienen kann."

Ein Job beim Schulbuchverlag

Westermann hat ihn angeheuert. Der Schulbuchverlag war von der App so fasziniert, dass er Lennart Kleinwort fragte, ob er seine App passend zu den Textaufgaben im Schulbuch erweitern würde- als Ergänzung zum Unterricht. Damit Schüler Geometrie besser verstehen, und Lehrer ihren Unterricht spannender gestalten können- so wie Kleinworts ehemaliger Mathe-Lehrer:

"Der hat wirklich sehr schönen Unterricht gemacht. Wir sind raus gegangen, haben Sachen auf dem Schulhof gemalt mit ihm. Also da haben wir mit einem Geodreieck - in groß natürlich - und solchen Seilen, mit denen man dann Kreise zeichnen kann, indem: Einer hält fest das Ende des Seils, der andere verwendet eine Kreide und dann wird ein Kreis gemalt. Das hat er damals mit uns gemacht."

Dabei kam dem Siebtklässler die Idee für seine App: geometrische Formen, die sich nur durch Tippen und Wischen verändern. Sein Lehrer animierte ihn, damit bei SchüEx, dem "Jugend forscht"-Wettbewerb für unter 15-Jährige, teilzunehmen:

"Er hat mich dann inspiriert, dass ich da mitmache, weil: Ich wusste gar nicht, dass es den Wettbewerb gibt."

Die Juroren waren so angetan, dass sie ihn gleich bei "Jugend forscht" mitmachen ließen. Er wurde Bundessieger und nominiert für EUCYS, den Wissenschaftswettbewerb der EU. In Prag gewann der Würzburger erneut: 5.000 Euro und zahlreiche Kontakte zu Unternehmen:

"Man tut eine ganze Menge Menschen kennen lernen, die einem dann auch wirklich weiter helfen können, wenn man dann nach Studien sucht. Das ist meiner Meinung nach einer der größten Vorteile. Und auch dass man das dann auch reinschreiben kann, sagen wir, man bewirbt sich wo: ich hab da und da gewonnen, das kommt gut!"

Zum Schüleraustausch nach Paris

Lennart Kleinwort zieht seinen Kapuzenpulli aus. Es ist sonnig an diesem Vormittag auf dem Schulhof. Er hat hier viele Freunde.

Aber niemand aus seiner Austauschklasse weiß, was er vor zwei Jahren entwickelt hat. Dass er mit seiner App sogar bis nach LA gereist ist und dort den weltgrößten voruniversitären Forschungswettbewerb gewonnen hat - und dass er von Intel, dem Sponsor des Wettbewerbs, für seine App 50.000 Dollar als Stipendium für sein späteres Studium bekommen hat. Auch nicht Shaima Elmn:

"Er ist klug. Wir sind in der gleichen Klasse, also sehen wir uns oft und lernen zusammen."

Sie findet den deutschen Austauschschüler cool. Auch wenn er nicht raucht oder lauthals über den Schulhof brüllt. Und sie bewundert sein Können, als sie die App sieht:

"Ich finde das sehr cool. Und es ist auch gut zu sehen, dass ein 16-Jähriger so einen Preis gewinnen kann."

Lennart scherzt: In Französisch hätte er den wohl nicht bekommen.

"Aber es hilft sehr, drei Monate hier mit den echten Franzosen zu reden."

Der Rest seiner Klasse ist nur für eine Woche zum Austausch in Frankreich. Seine Mutter hat ihm aber geraten, länger zu bleiben.

Alle Türen stehen offen

Die meisten Entscheidungen trifft er noch gemeinsam mit seinen Eltern. Auch, dass er kein zweites Mal bei "Jugend forscht" teilnehmen wird. Er sagt: Mehr könnte ihm der Wettbewerb gar nicht bringen. Warum also das Risiko eingehen, nur Zweiter zu werden. Jetzt stehen ihm alle Türen offen. Und in seiner Freizeit will er nicht nur forschen:

"Mit Arnaud, dem Austauschpartner, wir machen zusammen Taekwondo. Und ich liebe auch mit Freunden Waveboard oder irgendwie so was zu machen. Ich mag auch das französische Essen, es gibt immer Baguette. Wir machen eigentlich eine ganze Menge Quatsch und haben eine ganze Menge Spaß."

Mit seinen vier kleinen Geschwistern spielt er gern und mit seinen Freunden schaut er bis nachts um eins Kultserien wie "Breaking Bad", hört Hip Hop und träumt von New York. Lennart Kleinwort ist kein Streber mit dicker Hornbrille:

"Stellen Sie sich vor, in Mathe in der sechsten Klasse: Ich hatte sogar eine Drei in Mathe, also ich war da nicht besonders gut."

In unserer Multimedia-Präsentation zeigt Lennart Kleinwort, wie seine App funktioniert.

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