Corso 08.11.2019

Jugend ohne Mauer"Mir war es wichtig, die Atmosphäre festzuhalten"Christine Fenzl im Corsogespräch mit Susanne Luerweg

Beitrag hören Das Bild ist mit dem Teleobjektiv aufgenommen und zeigt viele Wohn- und Hochäuser, dazwischen Bäume.  (dpa / Rainer Jensen)Häuserblocks im Osten Berlins nach der Wende (dpa / Rainer Jensen)

Tattoos, Piercing, coole Pose: Der Fotoband "Land in Sonne" zeigt Jugendliche im Osten Berlins, die ohne Mauer aufgewachsen sind. Christine Fenzl hat nach der Wende den Osten mit dem Fahrrad bereist und junge Menschen abgelichtet. "Jugendliche sind ziemlich offen", sagte die Fotografin im Dlf.

Am neunten November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal, und damit ist die Mauer länger weg, als dass sie stand. Die in München geborene Fotografin Christine Fenzl hat Jugendliche im Osten Berlins fotografiert. 2008 hat sie angefangen in Bezirken wie Marzahn, Hellersdorf und Lichtenberg zu fotografieren. Und zwar immer und ausschließlich im Sommer. Daher trägt ihr gerade erschienener Fotoband den Titel "Land in Sonne". 

Offen und interessiert

Auch wenn die Jugendlichen auf den Fotos ohne Mauer aufgewachsen sind, so sind sie doch "geprägt von der Generation davor. Von den Eltern, Schulen, Lehrern", so Fenzl.

Sie ist in den Osten Berlins gereist, weil sie ihn nicht kannte und der Frage nachgehen wollte: "Wer wohnt da jetzt in diesen Bezirken? Der Ausgangspunkt war, das kennenzulernen."

"Wir haben noch länger mit Christine Fenzl gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs"

Die Jugendlichen hat sie auf der Straßen angesprochen und hin und wieder war das Vertrauen so groß, dass sie sogar bei ihnen zu Hause fotografieren durfte. "Da tut sich ein ganzer Planet für mich auf", erzählte Fenzl. Schon seit vielen Jahren fotografiert sie mit ihrer analogen Kamera junge Menschen weltweit. "Jugenliche sind ziemlich offen. Das Interesse und die Offenheit waren immer da."

Smartphones und Stöpsel

Ihr Fotoprojekt "Land in Sonne" hat Christine Fenzl 2008 begonnen, das letzte Bild ist 2019 entstanden. Im Laufe der Zeit sei es schwieriger geworden die Jugendlichen anzusprechen, so Fenzl.  "2017/2018 sind alle verstöpselt mit Smartphones, und ich hatte das Gefühl, ich störe da jemanden".

Die Jugendlichen auf den Bildern sind zwar nicht mehr im DDR-System aufgewachsen, dennoch, so Fenzl, "war der DDR-Bezug indirekt Thema." Ihr war es aber vor allem wichtig, die Atmosphäre festzuhalten.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Christine Fenzl: "Land in Sonne".
Hatje Cantz Verlag, 2019. 160 Seiten, 40 Euro

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