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StartseiteMusikjournal"Clara Schumann war ihre eigene Managerin"08.04.2019

Jugendtagebücher veröffentlicht"Clara Schumann war ihre eigene Managerin"

Ihre ersten Tagebucheinträge schrieb Clara Schumann nicht selbst, sondern ihr Vater Friedrich Wieck. Auch sonst habe er einen großen Einfluss auf sie gehabt, so Gerd Nauhaus, Mitherausgeber der Jugendtagebücher Schumanns, im Dlf. Durch ihn habe sie sich zu einer selbstbewussten Künstlerin entwickelt.

Gerd Nauhaus im Gespräch mit Susann El Kassar

Clara Schumann im Porträt, wie sie auch bis 2002 die letzte Ausgabe des 100-Mark-Scheins zierte. (imago/United Archives International Clara Schumann)
Clara Schumann verdankt ihrem Vater viel - auch wenn er ein schwieriger Mensch war (imago/United Archives International Clara Schumann)
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Bisher waren die Jugendtagebücher Clara Schumanns (geb. Wieck), nur in Auszügen bekannt. Nun sind sie erstmals vollständig in einer kommentierten Ausgabe zu lesen. Mitherausgeber Gerd Nauhaus, langähriger Direktor des Robert Schumann-Hauses in Zwickau, sagte im Dlf, in den Texten könnten die Leser eine interessante künstlerische Entwicklung von Clara Schumann verfolgen.

Weil die Tagebücher anfangs vom Vater, Friedrich Wieck, geschrieben worden seien, bekäme man zunächst einen Eindruck von seinem Charakter, "der zwar ein hervorragender Pädagoge ist, ein ganz toller Klavierlehrer, der aber auf der anderen Seite ein schwieriger Mensch ist, ein Meckerer, ein Räsoneur par excellece."

Vater fördert Clara auf vielen Ebenen

Wieck, von Beruf Instrumentenhändler und Klavierlehrer, meckere in den Texten vor allem über Instrumente, Kollegen, andere Klavierlehrer oder Hotels, in denen er auf Reisen schlief. "Und doch muss man seine Größe als Pädagoge anerkennen. Und Clara Wieck hat das ihr ganzes Leben lang anerkannt - trotz aller Schwierigkeiten, die sie mit dem Vater hatte", so Nahaus.

Von Anfang an habe der Vater geplant, seine Tochter zu einer bedeutenden Künstlerin zu machen. Er habe sie sehr intensiv und vielfältig gefördert, sodass sie mit neun Jahren zum ersten Mal öffentlich auftreten konnte, mit zwölf Jahren habe sie ihr erstes eigenes Konzert gegeben und sei mit ihrem Vater zu einer großen Konzertreise nach Paris aufgebrochen.

Netzwerken wie der Vater

Clara Schumann habe sich zu einer selbstbewussten Frau entwickelt, urteilt Nauhaus. "Vor allem ist sie ihre eigene Managerin. Es ist unglaublich erstaunlich, wie sie als Konzertkünstlerin später auftritt." Das wichtige Netzwerken habe sie von ihrem Vater gelernt. "Wieck pflegte viele Bekanntschaften - brieflich und auch direkt - und die Kopie von Briefen, die er ihr aufgibt, ist ein Teil dieser Strategie. Das hat sie von ihm gelernt und verinnerlicht."

Clara Schumann: Jugendtagebücher 1827-1840
Nach den Handschriften im Robert Schumann-Haus Zwickau, herausgegeben von Gerd Nauhaus und Nancy B. Reich. Olms-Verlag, Hildesheim 2018. 702 Seiten, 48,- Euro.

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