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StartseiteCampus & Karriere"Mit Familie würde es schon deutlich schwerer werden"02.10.2019

Julian Rohde, Opernsänger"Mit Familie würde es schon deutlich schwerer werden"

Julian Rohde ist 29 Jahre alt und arbeitet in seinem zweiten Jahr als Opernsänger am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. Die Arbeit als Tenor ist anstrengender, als er erwartet hatte, und das Gehalt reicht kaum, um eine Familie zu versorgen. Trotzdem ist er froh über seine Berufswahl.

Von Astrid Wulf

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Ein Porträtfoto des Opernsängers Julian Rohde (privat)
Julian Rohde ist Opernsänger am Theater für Niedersachsen in Hildesheim (privat)
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Was verdienen Sie?

"Ich verdiene 2.000 Euro brutto. Netto bleiben zwischen 1.200 und 1.300 Euro übrig. Dadurch, dass wir ein Landestheater sind, sind wir auf Abstecher, das heißt: Der gesamte Opernbetrieb wird in Busse verfrachtet, für jeden Abstecher gibt es dann nochmal fünf Euro extra. Bis jetzt, wo ich Anfänger bin und noch keine Familie versorgen muss, komme ich ganz gut damit zu Recht. Ich glaube mit Familie würde es schon deutlich schwerer werden. Vorteil ist jetzt natürlich auch: Hildesheim ist jetzt keine ganz große Stadt, das heißt: Die Wohnungen sind jetzt nicht ganz so teuer wie zum Beispiel in Lübeck oder Hamburg."

Jemand geht eine Treppe hinauf und wirft Schatten (imago images / alimidi)In der Reihe "Karrierestart" erzählen junge Menschen, wie sie den Start in den Beruf erlebt haben (imago images / alimidi)

Was war beim Berufseinstieg anders als erwartet?

"Ich hatte zum einen den Vorteil, dass ich aus einer Musikerfamilie komme. Das heißt: Viele Dinge waren für mich relativ klar und eindeutig schon vorher. Was mich verwundert hat: Wie anstrengend es tatsächlich ist, diese acht Stunden Proben am Tag zu haben. Wir haben ja keine Feiertage und kriegen Tagespläne. Das heißt: Ich weiß um 14 Uhr, wie ich am nächsten Tag arbeiten muss. Zum Planen ist das zum Teil nicht ganz so einfach und das habe ich gemerkt."

Was an ihrem Job macht Spaß?

"Viele Leute treffen. Leute aus verschiedenen Kulturkreisen, verschiedenen Religionen, verschiedenen Lebensschichten und Milieus. Man hat auch immer wieder Gäste dabei, die aus anderen Theatern kommen, man lernt immer wieder neue Leute kennen, aus anderen Altersgruppen, und es ist spannend zu sehen, woher kommen die, was machen die, und auch einfach auf der Bühne, was dabei gemeinsam entstehen kann. Oper hat ja auch den Vorteil: Es ist live, es kann immer was schief gehen, das kann auch mal Spaß machen – diese Spontanität und Reichheit an Abwechslung."

Was an ihrem Job nervt manchmal?

"Diese ganzen bürokratischen Regeln. Wenn ich mehr als 50 Kilometer vom Theater entfernt bin, muss ich Urlaub einreichen. Es ist egal, ob es ein freier Tag für mich ist. Ich bin jetzt in Lübeck – und ich musste einen freien Tag einreichen, dafür, dass ich nicht in Hildesheim bin. Diese Regelung dadurch, dass ich – weil ich fest angestellt bin – schnell einspringen kann. Das heißt: Ich muss immer erreichbar sein, immer in der Nähe sein."

Wurden Sie für den Joballtag gut ausgebildet?

"In künstlerischer Hinsicht ja. Alles, was ich auf der Bühne machen muss – an Bewegung, was Tanz angeht, was Fechten angeht, das sind alles Sachen, für die ich ausgebildet worden bin. Schwieriger ist es mit: Wie gehe ich mit Steuersachen um? Wie geht das mit Selbstvermarktung? Internet, Instagram, Facebook spielen heutzutage eine immer größere Rolle und das fehlt so ein bisschen. Oder fehlte zumindest zu meiner Zeit."

Und sonst so?

"Ich bin froh, mir diesen Beruf ausgesucht zu haben. Ich könnte keinen Bürojob machen. Ich könnte nicht jeden Tag sechs bis acht Stunden vor dem PC hocken. Das wäre nicht meins, dafür bewege ich mich zu gerne. Und auf der Bühne ist es halt: Du musst im Kopf halbwegs fit sein. Du musst ein Leben lang lernen, du musst Opern auswendig lernen, du lernst immer in neuen Konstellationen, das ist jeden Abend – selbst wenn es dieselben Leute sind – ein bisschen anders. Und das ist das, was mich am Beruf reizt und was auch so viel Spaß macht."

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