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StartseiteCampus & KarriereWie hätte unsere Schule gewählt?25.09.2017

JuniorwahlWie hätte unsere Schule gewählt?

Die meisten Schüler dürfen noch nicht wählen. Bei der Juniorwahl haben bundesweit rund 800.000 junge Menschen trotzdem ausgetestet, wie eine Wahl an ihrer Schule ausgegangen wäre. Die Wahlbeteiligung lag bei 85 Prozent. Das Wahlergebnis überrascht allerdings.

Von Philip Banse

Schüler stehen Schlange, um ihren Wahlzettel abzugeben (Foto: Juniorwahl e.V.)
Schlangestehen im Wahllokal: Bei den Juniorwahlen an deutschen Schulen passiert das schon einmal. Die gestrige kam auf 85 Prozent Beteiligung. (Foto: Juniorwahl e.V.)
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"Wir sind hier in unserer Mensa. Heute findet hier die Wahlparty statt nach den Juniorwahlen. Hier werden die Ergebnisse verkündet, hier wird alles noch mal reflektiert und jemand spielt Klavier."

"Es ist interessant zu sehen, wie hätte unsere Schule gewählt?"

Kim Reuß ist 16, sie geht in die zwölfte Klasse des Kant-Gymnasiums in Berlin-Spandau. Sie hat vergangene Woche ihre Stimme abgegeben bei der Juniorwahl, einer Art Bundestagswahl für Siebt- bis Dreizehntklässler, gefördert vom Bundestag, den Bundesländern und der Bundeszentrale für politische Bildung.

"Ich glaube schon, dass manche das als sinnlos darstellen, oder dass ihre Stimme eh nichts bewirkt. Aber ich denke, es ist einfach interessant zu sehen, wie hätte unsere Schule gewählt? Was sagt das jüngere Publikum? Klar gibt es Umfragen, aber ich denke nicht, dass junge Leute befragt werden, so wie Siebtklässler oder Achtklässler und deshalb finde ich es auch wirklich interessant."

"Die stellen alles bereit, was man braucht für den Wahlakt"

Fast 3.500 Schulen in ganz Deutschland haben mitgemacht und fast 800.000 Stimmen eingesammelt. Politiklehrer Jan Kanzler hat die Juniorwahl am Kant-Gymnasium organisiert:

"Die Juniorwahl hat ganz tolle Materialien. Die stellen alles bereit, was man braucht für den Wahlakt: Die Stellen die Wahlkabinen, eine Wahlurne, die sogar verplombt wird und versiegelt. Die haben die ganzen Wahlmaterialien für uns zur Verfügung gestellt, und das ist natürlich super. Alle Lehrer haben Arbeitsblätter bekommen, die sie nutzen konnten zur Vorbereitung im Unterricht, die eingesetzt wurde, um zu erklären Erststimme, Zweitstimme, Ausgleichmandate, Überhangmandate. Das ist natürlich für den Lehrer perfekt."

Schüler mussten für die Wahl mobilisieren

Dennoch war es viel Arbeit: Wahl-O-Maten und Parteiprogramme im Unterricht durchnehmen, ehemalige Abiturienten als Wahl-Leiter gewinnen, das Projekt bei Schülern bekannt machen über soziale Medien. Dafür war Wahlhelfer Alan Hernes aus der zwölften Klasse zuständig:

"Eigentlich waren die recht interessiert, aber großartig begeistert waren sie jetzt auch nicht. Man findet so was interessant, wenn so was passiert, aber das löst keinen Jubel aus. Viele haben die Chance einfach wahrgenommen, zu wählen."

Für eine GroKo hätte es nicht gereicht

Die Wahlbeteiligung lag bei 83,1 Prozent. Bundesweit haben fast 800.000 Schüler so gewählt: CDU/CSU kommen auf 27 Prozent, die SPD auf gut 19 Prozent, Grüne auf knapp 18, Linke auf 7, FDP knapp 9 und AfD auf 6 Prozent – plus minus alles wie schon im Vorjahr und wie bei den richtigen Wahlen. Der größte Unterschied: Die Schüler haben deutlich mehr Grün und weniger AfD gewählt als die Erwachsenen. Zwölftklässler und Wahlhelfer Alan Hernes ist dafür, das Wahlalter auf 16 herunter zu setzen:

"Der Unterschied zwischen 16 und 18 ist nicht sonderlich groß. Und wenn jemand sich für Politik interessiert, dann macht es keinen großen Unterschied."

Lehrer: Wählen mit 16 sinnfrei bei so wenig Politikunterricht

Sein Politiklehrer Kanzler entgegnet: Mit 16 wählen, obwohl man keine Ahnung hat von Parteien, Inhalten und System, das bringe mehr Frust als Vorteile:

"Wenn wir sehen, wie wenig Stunden wir eigentlich haben für Politik, finde ich, dass es derzeit keinen Sinn macht. Wenn wir sagen, Politik erhält mehr Stunden in der Sekundarstufe 1, könnte ich mir das durchaus vorstellen.

"Wir sagen unsere Meinung, aber es bewirkt halt nichts"

"Dann ist halt die politische Legitimation finde ich noch größer. Noch mehr Leute sind berechtigt zu wählen. Und deren Vorstellungen sind dann auch im Bundestag mit enthalten."

"Für uns ist es halt so: Wir sagen unsere Meinung, aber es bewirkt halt nichts."

16-Jährige wünscht sich mehr Information über soziale Medien

Für die 16-jährige Kim Reuß geht es nicht nur ums Wahlrecht, auch um eine andere Kommunikation. Sie hätte gern mehr Informationen über die sozialen Medien:

"Ich denke, dass das eine große Reichweite hat und dass Jugendliche auch viel Zeit am Handy verbringen und dadurch auch vielleicht aufmerksam werden. Ein Buch oder ein Broschüre liest ja heute kaum noch jemand. Durch die sozialen Netzwerke würde das viel besser an den jungen Menschen gebracht werden."

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