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StartseiteKultur heuteSKD-Generaldirektorin: "Wir wähnten uns sicher"25.11.2019

Juwelenraub im Grünen GewölbeSKD-Generaldirektorin: "Wir wähnten uns sicher"

Diebe haben aus dem Grünen Gewölbe in Dresden wertvolle Kunstgegenstände gestohlen. Dabei wurden Juwelen aus der Zeit August des Starken entwendet. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, spricht bei dem Verlust von bedeutenden Werken und einem "Stück sächsischer Identität".

Marion Ackermann im Gespräch mit Jörg Biesler

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Das Silbervergoldete Zimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (ZB)
"Die Juwelen wurden schon im Barock als Gesamtkunstwerk museal präsentiert, damals ohne Vitrinen, offen im Raum", sagte Museumsdirektorin Marion Ackermann im Dlf (ZB)
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Auf die Frage nach der Art des Verlustes und der Bedeutung des geraubten Schatzes sagte Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), es handle sich um "drei verschiedene Juwelengarnituren, die verschiedene Schliffe haben. Eine sogenannte Diamant-Rosengarnitur, dann gibt es den Schmuck der Königinnen und dann gibt es noch einen Brillant-Schliff." Es handele sich beim  Raub um Ensembles. "Die Besonderheit war, dass August der Starke nach dem Vorbild des französischen Königs Ludwig XIV. komplette Garnituren zusammengestellt hat, die seine Herrschaftsmacht repräsentieren sollten."

Getragen wurden die Schnallen, Broschen, Degen und Juwelen "bei bestimmten Anlässen, um zu glänzen im Wettstreit der Herrscher. Auf der anderen Seite wurden sie aber schon im Barock als Gesamtkunstwerk quasi museal präsentiert, damals ohne Vitrinen, offen im Raum. Die Juwelen waren in Spiegelschränken, so dass beim Aufklappen noch mehr das Funkeln und die Pracht vervielfältigt wurden," erklärt die Museumsdirektorin.

Ein geplanter Raub

Zum ideellen Wert sagte die Kunsthistorikerin: "Die Besonderheit besteht in der Geschlossenheit der Ensembles". Zur Zeit wisse sie, dass nicht alles entwendet wurde. Der barocke Herrscher August der Starke (1670-1733) galt als einer der größten Juwelenkenner seiner Zeit. Das Entscheidende sei der Zusammenhang und das Ensemble, sagte Ackermann weiter. Zur Frage nach möglichen Lösegeldforderungen: "Die größte Hoffnung besteht darin, dass nicht irgend was zerstört wird, auseinandergenommen wird und, dass es eine wie auch immer geartete Lösung gibt, das zurückzuführen."

Wie konnte der Einbruch trotz Sicherheitskonzept gelingen? Das Sicherheitskonzept sei mit dem Landeskriminalamt "feinst abgestimmt" und auf der Höhe internationaler Standards, nur: "Wir wähnten uns sicher." Es gebe nun mal keine hundertprozentige Sicherhiet, fuhr Ackermann fort.

"Wir wissen, dass es ein langfristig geplanter, mit krimineller Energie durchgeführter Raub war." Dafür spreche auch, dass die Stadtbeleuchtung vorher von den Dieben ausgeschaltet worden war. Es sei nun Aufgabe der Polizei und der Staatsanwaltschaft das alles zu analysieren.

Verlust bedeutender Stücke

Zur Bedeutung des Verlustes ergänzte Marion Ackermann: "Es bleibt die Tatsache, dass sehr bedeutende Stücke aus diesen Juwelengarnituren entwendet wurden. Das ist schon ein starker Verlust. Sie müssen sich vorstellen, dass früher, in der barocken Zeit, der Höhepunkt des Rundgangs durchs Grüne Gewölbe war die Besichtigung der Juwelenganituren. Das Besondere ist die Authentizität des Sammelns. Und die Besucherbücher durch die Jahrhunderte sind voll mit dieser Bewunderung für die Juwelen. Von daher ist es auch ein Stück sächsischer Identität."

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