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StartseiteKommentare und Themen der WocheIn Laschet hat Söder seinen Meister gefunden20.04.2021

K-Frage in der UnionIn Laschet hat Söder seinen Meister gefunden

CDU-Chef Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Unionsparteien. Markus Söder hatte auch in der CSU-Führung nicht mehr den nötigen Rückhalt, um den Machtkampf bis zur letzten Konsequenz, dem offenen Bruch, zu führen, kommentiert Stephan Detjen.

Ein Kommentar von Stephan Detjen

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Parteichef Armin Laschet in der CDU-Zentrale (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Tobias Schwarz)
Parteichef Armin Laschet in der CDU-Zentrale (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Tobias Schwarz)
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Armin Laschet hat im Machtkampf mit Markus Söder Qualitäten bewiesen, die ihm seine parteiinternen Gegner und die Skeptiker in der Union zu oft abgesprochen hatten: Stehvermögen, Durchhaltewillen, eiserne Nerven und taktisches Geschick. Söder dagegen, der in breiten Teilen der Union bis heute Nacht den Kultstatus eines unaufhaltsamen Machtmenschen genoss, hat in Laschet seinen Meister gefunden.

Entscheidung erzwungen

Der CDU-Chef ließ den am Sonntag noch siegesgewiss im Privatflieger nach Berlin jettenden Söder ins Dickicht der CDU-Gremien stürmen und wartete dann kühl ab, bis der Elan des Bayern erlahmte. Schon als Söder am Montag ohne die Trophäe der Kanzlerkandidatur nach München zurückgekehrt war, hatte er auch in der CSU-Führung nicht mehr den nötigen Rückhalt, um den Machtkampf bis zur letzten Konsequenz, dem offenen Bruch, zu führen. Das ermöglichte es Armin Laschet, die Entscheidung im CDU-Vorstand zu erzwingen.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder äußert sich nach dem CDU-Vorstandsvotum für Parteichef Armin Laschet als Kanzlerkandidat (picture alliance/dpa/dpa-Pool | Peter Kneffel) (picture alliance/dpa/dpa-Pool | Peter Kneffel)Entscheidung in der K-Frage - Söder verzichtet auf Kanzlerkandidatur
CSU-Chef Markus Söder will das CDU-Vorstandsvotum für seinen Konkurrenten Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union anerkennen. In der CSU-Parteizentrale erklärte er, nun komme es darauf an, gemeinsam im Wahlkampf an einem Strang zu ziehen. Doch es gibt auch kritische Stimmen aus der CSU.

Laschet verlangt der CDU-Führung damit ab, zu führen. Am schwierigsten ist das für jene Landesvorsitzenden wie Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz, Thomas Strobl in Baden-Württemberg oder Bernd Althusmann in Niedersachsen, die sich mit ihrem nächtlichen Votum für Laschet gegen deutliche Stimmungsbilder an der Basis stellten.

Sie müssen jetzt vermitteln, dass es bei dieser Entscheidung nicht allein um eine Personalie ging. Die CDU stand gestern vor der grundsätzlichen Frage, wie Parteien in der Nach-Merkel-Ära funktionieren. Markus Söder konfrontierte die CDU mit der Behauptung, dass traditionelle Volksparteien mit ihren hergebrachten Gremienstrukturen und mühsamen Aushandlungsprozessen nur durch die Energie charismatischer Führungsfiguren gerettet und revitalisiert werden können.

In Bayern hat Söder den demokratischen Populismus der CSU bereits ganz auf seine Person zugeschnitten. Vor diesem Hintergrund war die Entscheidung der CDU-Führung für Armin Laschet auch ein Abwehrreflex gegen einen politischen Zeitgeist, der weltweit Demokratien und Parteiensysteme verändert.

Politischer und institutioneller Identitätskonflikt

Der innere Zwiespalt, mit dem die vom parteiinternen Machtkampf erschöpfte Union jetzt hinter Armin Laschet in den Wahlkampf trottet, wird bleiben. Es ist derselbe politische und institutionelle Identitätskonflikt, der die CDU spaltet, seitdem sich Friedrich Merz als Hoffnungsträger der Basis gegen die Beharrungskräfte des Establishments inszenierte. Nur vorläufig hat auch die SPD das gleiche Dilemma gelöst, in dem sie die plebiszitäre Entscheidung für ihr Vorsitzenden-Duo durch die exekutive Ernennung von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten konterkarierte.

Scholz und Laschet teilen jetzt das Schicksal, dass sie von den drängenden Protagonisten eines neuen Politikstils in den eigenen Reihen bestenfalls als Platzhalter gesehen werden, deren Zeit schon am Wahlabend im September abgelaufen sein könnte. Markus Söder hat das in dem schmallippigen Anerkenntnis seiner Niederlage heute noch einmal belegt, als er sich zum Hoffnungsträger einer neuen Generation stilisierte, deren Zeit so oder so noch kommen wird.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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