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StartseiteCorso20 Jahre auf der Bühne16.02.2015

Kai Magnus Sting20 Jahre auf der Bühne

Er ist gerade mal 37 Jahre alt, hat aber bereits 20 Bühnenjahre auf dem Buckel: Kai Magnus Sting, Duisburger Kabarettist in ständiger Habachtstellung vor den Irrtümern des Lebens. Nun feierte der Jubilar mit einer angemessenen Show – und in Begleitung anderer Großer seines Fachs.

Von Achim Hahn

"Meine durchaus verehrten Damen und Herren! Die Frage ist doch - wen ehren wir heute?"

Um es kurz zu sagen: Sting.

"Sting? Wissen Sie was das heißt? Ständig inaktives Geschöpf."

Was man von diesem Bühnenkünstler allerdings nicht sagen kann. Im Gegenteil hat Kai Magnus Sting in den letzten 20 Jahren alle nur denkbaren Kleinkunstbühnen bevölkert und nicht nur das: Er hat auch einen Kriminalroman und einen Erzählband geschrieben sowie eine Krimihörspielserie, gar zu schweigen von den vielen Gemeinschaftsaktivitäten, etwa ein Livehörspiel, mit dem er gerade unterwegs ist - wie Jochen Busse in seiner ironischen Lobhudelei resümierte:

"20 Jahre Kabarett - was heißt das in Zahlen? Eine Zwei und eine Null. Die Zwei weißt auf die jüngste Verehelichung des Jubilars hin, die Null auf ihn selbst."

Mit 16 feierte Sting seine erste Premiere. Als Fan von Hans Dieter Hüsch und Konrad Beikircher, die seinen Weg entscheidend geprägt haben.

"Da hab ich nur am Tisch gesessen und Texte vorgelesen. Ich weiß noch, ich hatte eine dunkelblaue Jeans an, Rollkragenpullover - also wie Kabarettisten aussehen müssen (lacht) dacht ich damals."

Seitdem übergießt er alles und jeden mit seinem gewaltigen Redeschwall und analysiert akribisch den ihn umgebenden Alltag und Sprachmüll seiner Heimatgefilde, packt aktuelle Themen an, entlarvt Missstände mit schwarzem Humor, zynischer Boshaftigkeit und feinsinniger Beobachtungsgabe.

"Viele denken ja, wenn sie nach Duisburg kommen, mein Gott was soll das? Viele denken auch, mein Gott, was ist das schäbbich hier. Also nicht schäbig, nicht bg, sondern doppel bch. Das ist eine sehr sympathische Form der Hässlichkeit. Und ich sach immer, die Leute machen den Mund auf, und es ist sofort - man ist zuhause. Ich bin ja gebürtiger Duisburger, das ist nicht schön, aber fahren Sie mal nach Herne!"

Selbstironie statt Selbstbeweihräucherung

20 Jahre Kai Magnus Sting. Das hätte selbstbeweihräuchernd werden können. Doch statt dessen bot sich im Duisburger Stadttheater ein persönlicher, selbstironischer und ziemlich witziger Abend, zu dem sich Sting Künstler eingeladen hat, die ihn in seinem Weg begleitet oder beeinflusst haben. Etwa Erwin Grosche, der ganz auf Entschleunigung setzte und meinte:

"Was soll das denn? Hamm doch Zeit! Ne. Dass zum Beispiel Kondome ein Haltbarkeitsdatum haben, das empfinde ich als unerträglichen Leistungsdruck."

Die Bühne - neben etlichen musikalischen Gerätschaften: eine bequeme Sofaecke mit Stehlampe. Hier fanden sich die eingeladenen Künstler zusammen, um dem Bühnengeschehen zu lauschen und bei Bedarf einzugreifen. Spannend zu sehen, wie unterschiedlich sie auf die jeweiligen Darbietungen reagierten. Jochen Malmsheimer oder Jochen Busse etwa konnten sich abrollen über die Kollegenarbeit. Bei Piet Klocke zum Beispiel mit seiner bushidomäßigen - kommentierten - Gangster-Rap-Lesung, die genreentsprechend vor erotisch-vulgären Begrifflichkeiten nur so strotzte und im Vortragsstil ausgesprochen komisch war:

"Ich dachte, dass jetzt sicher hier gleich die riots ausbrechen, dass die brothers and sisters würden sicher gleich durchstürmen, die Bühne anzünden und Karel Gott zwischen zwei tiefergelegte BMWs spannen, um ihn beim Kavalierstart in Stücke zu reißen. Ich überlegte, ob ich mich verpissen - oder versuchen sollte die aufgebrachten Gettorapper mithilfe von gewaltfreien Gesprächstechniken nach Marsch B. Rosenberg vom Lynchmord abzuhalten."

Den musikalischen Part teilten sich drei Ensembles: das Spardosenterzett, die Phielharmonixx und als gefeierter Höhepunkt: der Routinier Götz Alsmann mit Band. Nur als Sänger konnte Sting trotz seines Nachnamens nicht wirklich überzeugen:

"(singt) Sag warum spielen wir nicht den ganzen Tag an uns rum. Ich könnt mir vorstellen, dass ich's mag und darum mach ich Dir diesen Vorschlag."

Über drei Stunden gab es kabarettistische Highlights: gemeinsam gespielte Nummern, kleine Premieren, rare Flashbacks in die künstlerische Vergangenheit, etwa Jochen Malmsheimer mit einer wortgewaltigen Erinnerung an seine Zeit als Tresenleser und die Übungen eines Schauspielers.

Das war schon mehr als eine reine Nummernrevue. Nicht zuletzt wegen Sting Klassikern wie "Nudelsalat", vorgetragen als gemeinsame Allstar-Lesung mit dem Charme der Improvisation. Viele Leckerbissen also für Kabarettfans. Alles in allem ein gelungener Abschluss und guter Zwischenbericht der Karriere eines Kleinkünstlers, von dem man noch einiges erwarten darf.

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