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StartseiteDie neue PlatteFlinke Finger und Finesse30.05.2019

Kammermusik von Jacques OffenbachFlinke Finger und Finesse

Klug gewählte und bis auf die "Barcarole" wenig bekannte Salonstücke von Jacques Offenbach finden sich auf der neuen CD von Raphaela Gromes. Die Cellistin verleiht den teils rührseligen Werken elegant-lyrischen Charakter.

Am Mikrofon: Mascha Drost

(Sony Music)
Spielt auf ihrer neuen CD auch gemeinsam mit ihrem Lehrer Wen-Sinn Yang: Cellistin Raphaela Gromes (Sony Music)
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Jacques Offenbach war nicht nur ein begnadeter Bühnenkomponist – er war auch ein gefeierter Cellovirtuose, der "Franz Liszt des Cellos" wurde er genannt. Mit Werken, die er selbst für sein Instrument schrieb, brillierte er in ganz Europa, und einige von ihnen hat die Cellistin Raphaela Gromes auf ihrer neuen Aufnahme versammelt. Offenbach verlangt flinke Finger und klangliche Finesse, Raphaela Gromes und ihre Begleiter – Wen-Sinn Yang, der ebenfalls Cello spielt und Julian Riem am Klavier – verfügen über beides; soviel sei am Anfang dieser "Neuen Platte" verraten.

Musik: Jacques Offenbach, Introduction et Valse melancholique, op. 14

Der 20-jährige Jacques Offenbach widmete diese erstaunlich muntere "Valse melancholique" seinem Cellolehrer am Pariser Konservatorium. Dass er als Deutscher überhaupt dort studieren durfte, hatte er der Hartnäckigkeit seines Vaters zu verdanken – der hatte drei seiner zehn Kinder zu einem Klaviertrio vereint, und zumindest die beiden Söhne sollten bestmöglich gefördert werden, außerhalb der Heimatstadt Köln. In Paris wurde aus Jakob Offenbach erst Jacques Offenbach und dann ein wahrer Virtuose – Tourneen führten ihn durch ganz Europa, am Klavier begleiteten ihn nicht die schlechtesten Pianisten seiner Zeit: Anton Rubinstein etwa oder sogar Franz Liszt.

Raffinierter Charmeur

Nicht nur sein Cellospiel sorgte in Konzertsälen und Salons für Aufruhr – die Damen waren von seiner großen, schlanken Gestalt und dem interessanten und natürlich blassen Künstlergesicht hin und weg. Und als er nach einer seiner schmachtenden Piècen elegant in Ohnmacht fiel, hätte der Erfolg größer nicht sein können. Schmachten, das konnte er – aber eben raffiniert.

Musik: Jacques Offenbach, Reverie au bord de la mer

Jacques Offenbach träumt von heimischen Ufern in dieser "Reverie au bord de la Mer", gerade war er vom Rhein wieder an die Seine zurückgekehrt. Ein sentimentalisches Stück, dessen Klippen Raphaela Gromes elegant umschifft: Sie drückt nicht auf die Tränendrüse, sondern lässt die Melodie natürlich fließen, Gesanglichkeit geht vor Rührseligkeit. Überhaupt ist diese Aufnahme sehr lyrisch angelegt, mal heller, mal dunkler im Timbre.

Musik: Jacques Offenbach, Danse bohémienne, op. 28

Mit dieser "Danse bohémienne" machte Offenbach besonderen Eindruck; derartige technische Finessen waren auf dem Cello im 19. Jahrhundert nicht selbstverständlich, und Offenbach setzte alles daran, sein Publikum gut zu unterhalten. Auch mit dieser Tarantella, von Rapahela Gromes erstmals überhaupt auf CD eingespielt.

Musik: Jacques Offenbach, Tarantelle

Fein gearbeitet ist diese Interpretation, glasklar gespielt, und über jeden spielerischen Zweifel erhaben. Vielleicht sogar ein wenig zu genau, für eine Tarantella, ein wilder süditalienischer Tanz – hier hätte man das Spiel ein wenig von der Leine lassen, vielleicht sogar ein wenig Schmutz ins gut geölte Cellogetriebe streuen können. Ganz anders in dieser Elegie: Raphaela Gromes widmet sich diesem, an das zarte Gefühl der Pariser Damenwelt appellierenden Rührstück mit samtigem Ton und Noblesse, die es leicht und elegant über jeden Zweifel erhebt.

Musik: Jacques Offenbach, Les larmes de Jacqueline. Elegie, op. 76 Nr. 2

"Wer hätte gedacht, dass dieser hypersentimentale Cellist der Direktor und zugleich die Seele einer übermütig lustigen Operettenbühne werden würde!" So wunderte sich ein Zeitgenosse über den Saloncellisten Jacques Offenbach, der allerdings nur solange den romantischen Cellovirtuosen gab, wie er musste – das Komponieren für die Bühne war und blieb sein Lebensziel. Um bis dahin seine Familie ernähren zu können, blieb Offenbach auch das Unterrichten nicht erspart – von seinen pädagogischen Fähigkeiten ist nichts überliefert, aber die für seine Meisterschüler komponierten Celloduos haben es in sich.

Einfluss von Gromes Lehrer deutlich hörbar

Charmanterweise hat sich Raphaela Gromes ihren Lehrer und Mentor Wen-Sinn Yang an die Seite geholt. Und bei aller künstlerischen Eigenständigkeit: Den Einfluss dieses großartigen Cellisten auf das Spiel seiner ehemaligen Studentin kann man hören – in der natürlichen Art zu phrasieren, der uneitlen Präsenz und der genauen Deklamation.

Musik: Jacques Offenbach, Duo für zwei Celli, op. 54 Nr. 3

So verdienstvoll eine Aufnahme mit Raritäten wie diesem Celloduo auch ist – zum 200. Geburtstag muss man auf Offenbachs größten Schlager nicht verzichten. Julian Riehm, der seine pianistischen Fähigkeiten auf dieser Aufnahme ganz in den Dienst des Cellos stellen musste, und diese Rolle mit zurückhaltender Delikatesse ausfüllt, hat die berühmte Barcarole aus Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" für zwei Celli und Klavier arrangiert. Hier entfaltet sich die ganze Meisterschaft Offenbachs, sein duftiger Klang und Melodienzauber.

Musik: Jacques Offenbach, Hoffmanns Erzählungen, Barcarole

"Offenbach"
Raphaela Gromes (Cello), Wen-Sinn Yang (Cello), Julian Riem (Klavier)
Label: Sony Classical

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