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StartseiteMusik-PanoramaParaderolle fürs Fagott11.11.2019

Kammermusikfest „Spannungen“ 2019Paraderolle fürs Fagott

"Ein matter Glanz, das liegt dem Fagott besonders", sagt Theo Plath, der dieses Jahr zu den jüngsten Musikern beim Kammermusikfest in der Eifel zählte. Der Fagottist äußert sich im Dlf fasziniert über die Musik Bohuslav Martinůs, der die Eigenheiten des Fagotts besonders gut getroffen hat.

Am Mikrofon: Oliver Cech

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Theo Plath blickt seitlich in die Kamera, mit Fagott in seiner linken Hand (Marco Borggreve)
Gewann 2018 den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs: Fagottist Theo Plath (Marco Borggreve)
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"Da gibt es, vor allem im langsamen Satz, wunderschöne traurige Kantilenen, in denen sich das Fagott aussingen kann", sagt Theo Plath über das Sextett für Holzbläser und Klavier von Bohuslav Martinů. 

Anspruchsvolle Höhenflüge für die Holzbläser

Das Werk entstand im Paris der Zwanzigerjahre. Eine kosmopolitische Welt, in der sich verschiedenste Stilrichtungen begegneten und einander durchdrungen: Spätromantik und Jazz, die Neue Sach­lichkeit und der Neoklassizismus. Martinus Musik saugt alle diese Tenden­zen in sich auf und schafft eine ungewohnte Klangwelt durch die Besetzung mit Klavier und fünf Holzbläsern: Flöte, Oboe, Klarinette und gleich zwei Fagotte – kein Horn, wie im Standard-Bläserquintett.

"Mozarts Geist aus Haydns Händen"

Im Konzert beim Kammermusikfes Spannungen in Heimbach bildete Martinus Sextett den einzigen Nicht-Klassiker des Abends und stach auch sonst als unabhängige Komponente hervor. Denn die klassischen Komponisten dieses Konzertabends standen allesamt in engem Verhältnis zueinander - oft sogar in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis. So war der junge Johann Nepomuk Hummel erklärter Lieblingsschüler von Mozart. Nach dem frühen Tod seines Lehrers hat Hummel unter anderem Mozarts Sinfonie KV 504, die sogenannte "Prager Sinfonie", bearbeitet für ein kleines Ensemble. Beethoven andererseits wäre nur allzu gern Mozarts Schüler geworden. Doch kam er zu spät nach Wien und musste vorlieb nehmen mit "Mozarts Geist aus Haydns Händen". Der Einfluss beider Vorbilder ist zu hören in Beethovens frühen Klaviertrios opus 1. Später hat Beethoven eines der Trios als Streichquintett bearbeitet - in dieser Fassung war das Werk in Heimbach zu hören. Beethovens Wiener Klavierschüler Ferdinand Ries schloss sich an mit einem opulenten Oktett, das durch die Vorrangstellung des Klaviers fast wie ein Solokonzert wirkt. 

Bohuslav Martinů
Sextett für Holzbläser und Klavier

Ludwig van Beethoven
Streichquintett c-Moll, op. 104

Ferdinand Ries
Oktett As-Dur, op. 128

Wolfgang Amadeus Mozart
Sinfonie Nr. 38 D-Dur, KV 504

Céline Moinet, Oboe
Andrea Lieberknecht, Flöte
Nicola Jürgensen, Klarinette
Dag Jensen, Fagott
Theo Plath, Fagott
Kristian Katzenberger, Horn
Sarah Christian, Violine
Isabelle Faust, Violine
Katharine Gowers, Violine
Antje Weithaas, Violine
Yura Lee, Viola
Sindy Mohamed, Viola
Julian Steckel, Violoncello
Charles DeRamus, Kontrabass
Danae Dörken, Klavier
Kiveli Dörken, Klavier

Aufnahme vom 26.6.2019 aus dem Wasserkraftwerk in Heimbach

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